28.02.2006 · Die indische Börse hat sich in den vergangenen Monaten aufgrund der Wachstumsphantasie hervorragend geschlagen, auch die auf den Markt spezialisierten Fonds. Inzwischen dürfte allerdings der Bewertungsabschlag aufgeholt sein.
Neben China zieht Indien seit einigen Monaten die Aufmerksamkeit der internationalen Anleger auf sich. Denn das riesige Land mit einer Bevölkerung von etwas mehr als einer Milliarde Menschen mit einem Durchschnittsalter von gerade einmal 24,7 Jahren - Vergleich Deutschland: 42,2 Jahre - und einer bisher in weiten Teilen unterentwickelten Wirtschaft scheint enormes Nachhol- und damit Wachstumspotential zu bieten.
Zumindest dann, wenn man von der Entwicklung in China ausgeht und sie optimistisch auf Indien überträgt. Tatsächlich sieht es auf den ersten Blick gut aus. Immerhin dürfte das Wachstum im vergangenen Jahr bei etwas mehr als sieben Prozent gelegen haben, in der Industrie selbst sogar bei mehr als acht Prozent.
Regierung plant Infrastrukturinvestitionen
Die Regierung hat die Absicht, die weitere Entwicklung durch Infrastrukturinvestitionen zu fördern. So sollen unter anderem neue Kraftwerke, neue Straßen und Häfen gebaut werden, um das Land auf das noch höhere Wachstumsniveau Chinas zu bringen.
Alleine das schon dürfte die Wirtschaft beflügeln, die bisher - abgesehen von einigen starken Branchen wie Software, Pharma und Dienstleistungen - immer noch stark landwirtschaftlich geprägt und damit vor allem auch von den Monsunregen abhängig ist. 60 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, 23 Prozent im Dienstleistungsbereich und 17 Prozent in der Industrie. Die Arbeitslosenrate liegt bei etwa neun Prozent.
Die Börse in Mumbai hat in den vergangenen Monaten schon stark auf diese Entwicklung gebaut und gemessen am Sensex 30 am Dienstag mit einem Plus von 0,9 Prozent auf 10.370 Zähler ein neues Rekordhoch markiert. Der Index hat seit einem Zwischentief bei 2.924 Punkten im April des Jahres 2003 etwas mehr als 251 Prozent zugelegt und der Trend zeigt weiterhin nach oben.
Was die weitere Perspektive allerdings etwas stören könnte, das ist die Bewertung. Denn mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 38,7 und etwas mehr als 19 auf Basis der abgelieferten und der geschätzten Gewinne ist der Markt gemessen am Sensex angesichts der Risiken sicherlich kein ausgeprägtes Schnäppchen mehr. Die Zahlen machen die die hohen Erwartungen des Marktes mit Blick auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen deutlich. Auf dieser Basis scheint ein Engagement in diesem Markt vor einer deutlicheren Konsolidierung nur bedingt ratsam zu sein.
Risiken und Chancen
Einerseits bietet Indien im Vergleich zu China einige Vorteile. So ist ein großer Teil der Bevölkerung gut gebildet und spricht ausgezeichnet Englisch. Auch das Rechtssystem scheint verläßlich zu sein. Außerdem ist Indien aufgrund eigener Vorkommen nicht so stark von Rohstoffimporten abhängig wie China. Auf der anderen Seite stehen allerdings eine ausgeprägte Bürokratie, ethnische und geopolitische Konflikte, Wetterrisiken und Umweltprobleme, eine Verschuldung in Höhe von 82 Prozent des Sozialproduktes, anhaltende Budget- und auch ein Leistungsbilanzdefizit.
Insgesamt dürften jedoch die Wachstumschancen des Landes bei einer anhaltend freundlichen weltwirtschaftlichen Entwicklung nicht schlecht sein. Die mögliche Dynamik zeigt sich unter anderem an der Entwicklung im Stahlbereich (Mittal), im Pharma- oder auch im IT-Sektor. Allerdings dürfte es ratsam sein, die Kursentwicklung der vergangenen Jahre nicht linear auf die Zukunft zu übertragen. Denn war die indische Börse im Durchschnitt lange Zeit unterbewertet, so dürfte dieser Abschlag inzwischen aufgeholt sein. Künftig dürfte es gemächlicher nach oben gehen, es sei denn man setzt auf Einzelaktien, was einen europäischen Anleger sehr wahrscheinlich überfordert.
In diesem Sinne bleibt ihm die Möglichkeit, dem Depot Indienfonds beizumischen. Dabei dürfte der Indienfonds von HSBC (LU0066902890 ) keine schlechte Wahl sein, konnte er in den vergangenen Jahren doch weitgehend mit dem Index mithalten. Mit einem Ausgabeaufschlag von 5,5 Prozent scheint er zunächst nicht günstig zu sein, allerdings läßt sich wenigstens dieser mit dem Handel an einer Fondsbörse umgehen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |