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Fonds Immer mehr Fonds nennen sich "nachhaltig"

20.08.2008 ·  Der Markt für nachhaltige Fonds wächst rasant. Die Abgrenzung ist schwammig. Die langfristige Wertentwicklung spricht allerdings für die Produkte. Manche der Fonds schlagen sich sogar kurzfristig robuster als der Gesamtmarkt.

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Der Markt für Fonds, die ihre Gelder „nachhaltig" anlegen, wächst rasant. Allein im ersten Halbjahr sind in Deutschland 45 solcher Fonds auf den Markt gekommen, die Gesamtzahl steigt nach Angaben des Sustainable Business Institute (SBI) damit auf 223. Insgesamt sind gut 30 Milliarden Euro in Deutschland, der Schweiz und Österreich in nachhaltigen Fonds angelegt. Die Wertentwicklung war dabei im Durchschnitt der letzten Jahre sogar besser als bei konventionellen Produkten.

Die Besonderheit von Fonds, die sich als nachhaltig bezeichnen, ist, dass sie ihr Geld nach sozialen, ethischen und ökologischen Kriterien anlegen. Eine feste Definition des Begriffs nachhaltig gibt es allerdings nicht, so dass die Investitionsbandbreite der Fonds sehr groß ist. Viele Anbieter schließen bestimmte Branchen von ihrer Geldanlage aus, andere wählen aus allen Branchen die ihrer Ansicht nach nachhaltigsten Unternehmen aus, wieder andere spezialisieren sich auf bestimmte Themenfelder wie Wasser oder Erneuerbare Energien, ohne im eigentlichen Sinne nachhaltige Kriterien anzulegen.

Vielzahl von Kriterien für soziales, ethisches und ökologisches Wirtschaften

Besonders strenge Richtlinien haben einige Schweizer Bankhäuser, die auch als erste mit nachhaltigen Fonds auf den Markt kamen. „Wir schließen alle Branchen grundsätzlich aus dem Anlageuniversum unserer Fonds aus, die durch den Ausstoß von Treibhausgasen maßgeblich zum Klimawandel beitragen", sagt Bernhard Engl, der für die Schweizer Fondsgesellschaft Swisscanto für die nachhaltigen Fonds zuständig ist. "Zwar gibt es bei einigen Autoherstellern positive Ansätze für ein nachhaltiges Wirtschaften, das macht aber nur einen geringen Teil von deren Umsätzen aus." Aus demselben Grund werden Flugzeughersteller oder auch Betreiber von fossilen Kraftwerken aus vielen Fonds ausgeschlossen. Ebenso Unternehmen, die mit Atomkraft Geld verdienen. „Die Atomkraftwerke verursachen im Betrieb zwar kaum Treibhausgasemissionen, bei der Gewinnung von Uran sieht dies aber schon anders aus und unter Berücksichtigung der ungelösten Frage nach der Lagerung des Atommülls für viele Tausend Jahre kann von einer nachhaltigen Energiegewinnung nicht gesprochen werden", sagt Engl.

Für alle nicht ausgeschlossenen Branchen legen nachhaltige Fonds dann eine Vielzahl von Kriterien für soziales, ethisches und ökologisches Wirtschaften an. Deren genaue Ausgestaltung unterscheidet sich erheblich.

Die Folgen der mitunter starken Einschränkung des Anlagehorizonts für die Rendite der Fonds sind allerdings begrenzt. Während eine Reihe von Studien eine positive Auswirkung auf die Rendite der Fonds festgestellt haben will, sehen andere Studien keine Auswirkungen auf die Rendite. Kaum jemand aber hält die Geldanlage nach nachhaltigen Kriterien für renditemindernd. Der Dow Jones Sustainability Index World konnte sich seit Anfang 2003 besser entwickeln als der allgemeine Weltaktienindex. Der bedeutendste Nachhaltigkeitsindex schließt keine Branchen aus, sondern berücksichtigt aus jeder Branche die nach Umwelt- und Sozialkriterien nachhaltigsten Unternehmen.

Manche Fonds schlagen sich robuster als der Gesamtmarkt

Der nach SBI-Angaben größte nachhaltige Fonds hat in diesem Jahr mit einem Abschlag von knapp 20 Prozent in etwa die Wertverluste verkraften müssen wie der Gesamtmarkt. Der Blackrock Global Funds New Energy (WKN 630940) mit einem Fondsvolumen von 7 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) investiert insbesondere in Aktien aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien. Das meiste Geld steckt der Fonds in den dänischen Weltmarktführer im Windkraftanlagenbau Vestas, gefolgt vom spanischen Konkurrenten Gamesa sowie der Sparte für Erneuerbare Energien des spanischen Versorgers Iberdrola, Iberdrola Ressources. Mit Iberdrola selbst befindet sich aber auch ein Wert im Portfolio, der, wenn auch im geringen Maße, Atomstrom produziert.

Auf den Plätzen 2 bis 4 der Größe folgen Fonds, die sich in diesem Jahr mit Wertverlusten von 12 Prozent sogar ein ganzes Stück besser als der Gesamtmarkt entwickelt haben. Der Pictet Fund Water (WKN 933349) mit einem Volumen von 3 Milliarden Euro investiert in Aktien, die mindestens ein Fünftel ihres Umsatzes mit Wasser erzielen oder Weltmarktführer in einem Wasser-Teilbereich sind. Nachhaltigkeitskriterien gibt es hier allerdings nicht. Der SAM Sustainable Water Fund (WKN 763763) mit einem Volumen von rund 1,6 Milliarden Euro hat hingegen einige Ausschlusskriterien definiert und hat sich ebenfalls auf den Anlagebereich Wasser spezialisiert.

Der Pioneer Fund Global Ecology hingegen (Isin LU0271656133) investiert in Unternehmen, die „umweltfreundliche Produkte oder Technologien herstellen oder dazu beitragen, eine saubere und gesündere Umwelt zu schaffen". Im Fonds befinden sich allerdings auch ein Unternehmen wie K+S, das wegen seiner Salzeinleitungen in die Werra unter Umweltgesichtspunkten ein durchaus umstrittenes Unternehmen ist.

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