29.11.2006 · Bedeutet ein höherer Preis auch höhere Qualität? Diese Frage versucht eine neue Studie für Fonds zu beantworten. Das Ergebnis: Bei Rentenfonds ist Geiz Trumpf. Bei Aktienfonds dagegen ergibt sich ein gemischtes Bild.
Auch wenn Moralapostel, Kapitalismuskritiker und Erbsenzähler stets davor warnen und es kritisieren - wir leben in einer Zeit der Sparbrötchen. Geiz ist nun mal eine fantastische Sache, und wer kann schon der Versuchung widerstehen, sich seine Wünsche ein wenig billiger zu erfüllen?
Vielleicht diejenigen, die statt der Billigware Qualität wünschen, halten die Schnäppchenverächter entgegen, womit wir bei der Frage wären: Bedeutet ein höherer Preis auch höhere Qualität? Zumindest in der Fondsbranche läßt sich Qualität in Zahlen sichtbar machen: Ein qualitativ hochwertiger Fonds ist einer, der unter Berücksichtigung des Risikos mehr abwirft als seine Konkurrenten oder sein Vergleichsindex.
Sind Geiz oder Qualität Trumpf?
Der britische Finanzdienstleister und Datensammler Fitzrovia hat sich die Mühe gemacht und versucht, die Frage, ob Geiz oder Qualität Trumpf sind, zu beantworten. Der Preis eines Fonds ist schnell definiert, dazu hat Fitzrovia die Gesamtkostenbelastung des Fonds, die sogenannte Total Expense Ratio (TER), ermittelt, die man erhält, wenn man alle Kosten als Prozentsatz des Fondsvolumens berechnet. Die Qualität der Fonds hat Fitzrovia durch das sogenannte Alpha definiert: Das ist, vereinfacht gesagt, jener Mehrertrag, den der jeweilige Fonds gegenüber seinem Vergleichsindex und unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Marktentwicklung abwirft. Es handelt sich also um den risikobereinigten Zusatzertrag, den der Fondsmanager aufgrund seines Geschickes dem Markt abgetrotzt hat.
Nun hat Fitzrovia die untersuchten Fonds in fünf gleichgroße Gruppen - sogenannte Quintile - unterteilt; die an ihrem Alpha gemessen besten 20 Prozent der Fonds sind dann im ersten Quintil, die 20 Prozent Fonds, die den schlechtesten risikobereinigten Zusatzertrag abgeworfen haben, finden sich im letzten Quintil. Und jetzt muß man sich nur noch anschauen, ob es denn einen systematischen Zusammenhang zwischen dem Alpha des Fonds, also seiner Position in den fünf Quintilen, und seiner Gesamtkostenbelastung gibt.
Hohe Kosten bedeuten nicht immer Qualität
Es gibt ihn - zumindest für die vergangenen fünf Jahre bei den Rentenfonds, wie Fitzrovia feststellt: Die Fonds, die sich im Quintil mit dem höchsten Alpha wiederfanden, wiesen in 55 Prozent aller Fälle auch die niedrigste Gesamtkostenbelastung aus. Umgekehrt fanden sich im Quintil mit den gemessen an ihrem Alpha schlechtesten Fonds in 65 Prozent aller Fälle diejenigen Fonds mit der höchsten Gesamtkostenbelastung.
Auf gut fondsdeutsch: Die Rentenfondsmanager mit den höchsten Kosten waren nicht in der Lage, ihren Kunden im Gegenzug für die hohen Kosten auch eine entsprechende Qualität zu bieten. Will heißen: Bei Rentenfonds ist Geiz Trumpf. Die Erklärung für diesen Befund dürfte wohl auch in den geringen Erträgen zu suchen sein, die Rentenfonds abwerfen: In einem Umfeld niedriger Zinsen ist es schwierig, den Kostennachteil aufzuholen.
Gemischtes Bild bei Aktienfonds
Bei den Aktienfonds hingegen ist das Bild gemischter: Hier findet sich kein regelmäßiger Zusammenhang zwischen der Höhe der Fondskosten und der Qualität - weder in die eine noch in die andere Richtung. Wenn überhaupt, so könnte man einen leichten Nachteil für teure Fonds attestieren: In rund 55 Prozent aller Fälle gehörten die Fonds mit den höchsten Kosten zu den schlechtesten 40 Prozent aller Fonds; aber immerhin schafften es in 30 Prozent aller Fälle auch die teuersten Fonds auf die besten Plätze.
Vermutlich trägt auch das breitere Anlageuniversum zu diesem Ergebnis bei: Die Portfolios von Aktienfondsmanagern können sich dadurch stärker unterscheiden als die Portfolios von Rentenfonds, wodurch mehr verschiedene Anlageergebnisse zustande kommen - und damit auch eine breitere Palette von Ergebnissen.
Geiz ist nicht immer die richtige Antwort
Noch unübersichtlicher wird der Zusammenhang zwischen Kosten und Qualität, wenn man danach fragt, ob denn ein Fonds seine Position gegenüber den Konkurrenten im Laufe der Zeit halten kann: Hier ergibt sich laut Fitzrovia kein eindeutiges Muster - zählt ein Fonds in einem Jahr zu den 20 Prozent der besten Fonds, so ist das keine Garantie, daß er auch im kommenden Jahr zu dieser Spitzengruppe gehören wird. Damit wird der Zusammenhang zwischen den Kosten eines Fonds und seiner Qualität noch löchriger: Selbst wenn also ein teurer Fonds in einem Jahr seine Kosten rechtfertigt, so ist das dann noch lange keine Garantie dafür, daß er auch im kommenden Jahr dieses Kunststück wiederholen kann.
Strich drunter - zumindest in der Fondsbranche kann man nicht notwendigerweise sagen, daß Qualität auch ihren Preis hat; allerdings nicht, daß Geiz immer die richtige Antwort ist. Es ist wohl ein schmaler Grat zwischen Sparsamkeit und Geiz.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |