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Fonds Hedge Fonds sind nicht die Sündenböcke

29.07.2002 ·  Schnelle, starke Kursverluste an den Märkten lassen für viele nur eine Vermutung zu: die Hedge Fonds sind schuld.

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Die rasant fallenden Aktienkurse der vergangenen Tage und Wochen machten viele Börsianer nicht nur ratlos, sondern sie dürften teilweise sogar zu Panik geführt haben. Panik ist jedoch ein hoch emotionaler Zustand. Und wo Emotionen das Bild prägen, da kommt oft der Verstand etwas zu kurz.

So ist es kaum verwunderlich, dass es in diesem Umfeld auch zu wahren Verschwörungstheorien kam. Und wen wundert es, dass dabei auch wieder einmal die „berüchtigten“ Hedge Fonds im Brennpunkt standen. Glaubt man diesen Stimmen, so sind sie nicht nur verantwortlich für die „ungerechtfertigten“ Kursverluste, sondern auch für das wahrlich dramatische Ausmaß.

Hedge Fonds sind relativ „kleine“ Marktteilnehmer

Aber Argumente, die laut und eingängig daherkommen, müssen nicht immer richtig sein.Und so dürfte der Fall auch hier liegen. Denn wer bei Hedge Fonds in erster Linie an die Leerverkäufer denkt, greift etwas kurz. Nur eine kleine Minderheit dieser Fonds lebt allein von der Spekulation auf fallende Aktien. Das sind vor allem die Werte, die sie auf Grund unternehmensspezifischer Eigenschaften für überbewertet halten - und nicht ganze Märkte.

Natürlich werden sich technisch orientierte Fonds einer Abwärtsbewegung anschließen. Aber Hedge Fonds sind in aller Regel viel zu klein, um die Trends der Märkte insgesamt bestimmen zu können. Nach seriösen Schätzungen verwalten Hedge Fonds eine Summe von etwa 600 Milliarden Dollar. Das ist absolut betrachtet eine riesige Zahl. Relativ gesehen sind das allerdings lediglich zwei bis drei Prozent aller professionell verwalteten Finanzmittel weltweit. Und davon liegt gerade einmal 0,1 Prozent bei reinen „Short Sellern“.

Misstrauen dünnt die Liquidität aus

Analysten von UBS Warburg führen den rasanten Verfall der Kurse vor allem auf zwei Aspekte zurück, den Informationsstand der Anleger und die Marktliquidität. Waren die Investoren nach der geplatzten Internetblase schon verunsichert genug, so dürften die Konkurs- und Betrugsfälle à la Enron und Worldcom zu einem massiven Vertrauensverlust geführt haben. Plötzlich war überhaupt nicht mehr klar, welchen Informationen man glauben konnte und welchen nicht. Nicht nur die verfügbaren Informationen, sondern sogar das System, das sie generierte, war nicht mehr glaubwürdig. Selbst ehemalige Blue Chips gerieten in den Verdacht der Mauschelei.

Aus diesem Grund zogen sich viele potenzielle Käufer vom Markt zurück, da sie nicht mehr zwischen den möglicherweise süßen Äpfeln und den sauren Zitronen im Angebot unterscheiden konnten. Wer viel mit Nebenwerten zu tun hat, der kann sich ausmalen, was dann passiert: Selbst relativ kleine Wertpapierorders führen zu relativ großen Kursausschlägen.

Investmentfonds und Versicherer als Verkäufer

Allein seit Anfang Juni des Jahres 2002 haben amerikanische Kleinanleger etwa 70 Milliarden Dollar aus Fonds abgezogen. Da die Gesellschaften nicht genügend Liquidität hatten, dürften sie gezwungen gewesen sein, in diesen relativ illiquiden Markt hinein zu verkaufen. Auch viele Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds dürften zum Verkauf gezwungen gewesen sein, da ihre Balance zwischen Forderungen und Verbindlichkeiten aus dem Gleichgewicht geraten war. Selbst wer nicht verkauft hat, sondern sich über derivative Produkte absicherte, trug indirekt zum Verkaufsdruck bei. Denn dann musste sich die entsprechende Gegenpartei im Markt absichern.

Selbst ein Blick auf die Performance der Hedge Fonds ist informativ. So hat sich zwar die Mehrheit der Fonds besser geschlagen als der Gesamtmarkt. Aber sie haben keine exorbitanten Gewinne eingefahren. Denn viele Strategien tun sich schwer mit turbulenten Märkten, da sie auf eine gewisse Berechenbarkeit bauen.

Hedge Fonds dürften im Fazit die Kursbewegungen nicht ausgelöst haben. Sie wurden vielmehr von den „großen Spielern“ im Markt vorgeschoben, um die eigenen Aktivitäten zu kaschieren.

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