28.12.2004 · „Hedge-Fonds-Indizes überschätzen oft die Renditeentwicklung“ - mit dieser Schlagzeile machte vor kurzem eine Studie auf sich aufmerksam. Allerdings stößt sie auf Gegenkritik. Die Neutralität scheint auch nicht gewahrt zu sein.
„Hedge-Fonds-Indizes bieten oft ein falsches Bild“ - unter dieser oder unter ähnlichen Überschriften geisterten vor wenigen Wochen Meldungen durch die Presselandschaft, die sich auf eine Untersuchung des amerikanischen Professors Burton Malkiel bezogen.
Er hatte bemängelt, daß bei den Präsentationen würden die Renditen der spekulativen und bisher kaum regulierten Anlagegesellschaften für vermögende Anleger in den Indizes zu hoch angesetzt und auch die Art und Weise, wie Renditen präsentiert würden, führte Anleger in die Irre.
Malkiel-Studie weist zu recht auf einige kritische Punkte hin ...
Die Studie verwendete Daten von TASS, einer Tochtergesellschaft der Hedge Fondsgruppe Tremont Capital Management. Sie kritisierte das sogenannte "Survivorship Bias", nach welcher "tote" Hedge Fonds, die aufgrund ihrer schlechten Performance geschlossen wurden, aus den meisten Hedge-Fonds-Indizes herausfielen. Ein weiterer Kritikpunkt war das sogenannte "Backfill Bias", das dadurch entstehe, daß Hedge Fonds günstige Renditen aus der Zeit vor ihrer Aufnahme in einen Index ihrer Performancegeschichte hinzufügen konnten.
Anleger sollten beim Renditevergleich eines Hedge Fonds oder eines Investmentfonds mit einem Index immer sichergehen, daß sie einen Index verwenden, der auch aufgelöste Fonds berücksichtigt, schloß Malkiel aus seiner Studie. Denn auf diese Weise erhalte er ein besonders akkurates Bild. Der Investor sollte sich nie auf Performance-Daten verlassen, die lediglich die Entwicklung der jüngsten Zeit berücksichtige. Fonds mit einer langen, positiven Historie seien anderen vorzuziehen.
... stößt aber auch auf Gegenkritik ...
Das klingt logisch und vernünftig. Allerdings provozieren solche Analysten in der Regel recht schnell Widerspruch. So weist beispielsweise das amerikanische Hedge-Fonds-Analysehaus Van auf Schwächen dieses Papieres hin. So sei die Datenbasis der Untersuchung zu klein sei, um daraus seriöse Rückschlüsse ziehen zu können. Generell lasse das Papier offensichtlich das Wissen vermissen, welche Prozeduren die verschiedenen Indexanbieter vornähmen, um ihre Indizes zu berechnen.
Alleine aus diesem Grund weist Van Hedge Funds Advisors die Vorwürfe des Papieres mit Blick auf die eigenen Indizes aber auch auf die anderer Anbieter von sich. Das Unternehmen macht auch darauf aufmerksam, das Papier habe sich nur auf jene Aspekte konzentriert, die möglicherweise zu einer Überschätzung der Renditen geführt hätten. Dabei fielen jene unter den Tisch, welche zu einer Unterschätzung führen könnten. Dazu zählen beispielsweise jene Hedge Fonds, welche ihre Depots auf Grund des Erfolges für Neukunden schlössen und deswegen nicht mehr bei der Indexberechnung berücksichtig würden. Außerdem gebe es eine ganze Reihe von besonders erfolgreichen Fonds, welche ihre Renditeentwicklung noch nie an irgendwelche Indexanbieter geliefert hätten.
... vor allem scheint die Neutralität nicht gewahrt zu sein
Insgesamt sei es wenig verwunderlich, wenn sich ein „Experte“ mit engen Bindungen an die traditionellen Fondshäuser und mit starkem Interesse an der passiven, indexorientierten Vermögensverwaltung zu einem nachteiligen Ergebnis für die Hedge-Fonds-Industrie komme.
Damit dürfte klar sein, daß man als Anleger immer ein gewisses Maß an Skepsis bewahren muß. Selbst angeblich neutrale Untersuchungen lassen sich als tendenziös betrachten, wenn man den Hintergrund der Verfasser kennt. Das mag für die Malkiel-Studie genauso gelten, wie die vielen positiven Statements, die Organisationen wie beispielsweise der BVI immer wieder von sich geben. Nicht selten werden maßgebliche Faktoren ausgeblendet. Beispielsweise die Tatsache, daß man nur bedingt von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen kann.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |