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Fonds „Hauruck-Aktion“ trifft Immobilienfonds

13.05.2009 ·  In einem Richtlinienentwurf der Europäischen Kommission für die Aufsicht über geschlossene Fonds werden auch all jene Fonds erfasst, die bisher nicht durch eine europäische Richtlinie reguliert sind. Der Unmut in der deutschen Fondsbranche wächst deshalb rapide.

Von Christian Hiller von Gaertringen
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Ein Richtlinienentwurf der Europäischen Kommission sorgt für Unmut in der europäischen Fondsbranche. So sehen die deutschen Investmentgesellschaften Irritationen über das Modell der offenen Immobilienfonds voraus. Mit der Richtlinie kam die Kommission einem Auftrag der nationalen Regierungen nach, Lücken in der Regulierung der Finanzmärkte zu schließen.

Somit sollte die geplante Richtlinie in erster Linie einen Rahmen für die Aufsicht über geschlossene Fonds, Hedge-Fonds und Kapitalbeteiligungsfonds schaffen. Tatsächlich wurden in der Richtlinie jedoch auch all jene Fonds erfasst, die bisher nicht durch eine europäische Richtlinie reguliert sind, sondern nur durch Gesetze der EU-Mitgliedsstaaten. Dadurch werden in dem Entwurf offene Immobilienfonds, Spezialfonds und Mischfonds auf eine Stufe mit bisher unregulierten Hedge-Fonds gestellt.

Unwuchten durch Doppelregulierungen

„Der Richtlinienentwurf zu alternativen Investments irritiert uns“, sagte Wolfgang Mansfeld, Präsident des deutschen Fondsverbands BVI, dieser Zeitung. „Wir sind besorgt, dass es zu Unwuchten durch Doppelregulierungen kommt, wenn diese Richtlinie so in Kraft treten sollte.“

Offene Immobilienfonds sind zwar auch in die Krise geraten - so nehmen die Fondsgesellschaften derzeit für rund ein Drittel der Produkte keine Anteile zurück. Dennoch sind sie fester Bestandteil der Finanzprodukte, die an deutsche Privatanleger verkauft werden. Der erste Fonds dieser Art kam in Deutschland 1959 auf den Markt. Seit 1969 sind offene Immobilienfonds hierzulande gesetzlich reguliert und ähnlichen Vorschriften wie Aktien- oder Rentenfonds unterworfen.

Nicht Fonds beaufsichtigen - sondern Manager

Sollten offene Immobilienfonds tatsächlich auf eine Stufe mit Hedge-Fonds gestellt werden, hätte dies unangenehme Folgen für Privatanleger, die dann mit einem Durcheinander in der Regulierung leben müssten. Manche Produkte würden dann wie Hedge-Fonds beaufsichtigt, andere zusätzlich durch deutsche Vorschriften. Der Richtlinienentwurf für alternative Investments sieht vor, dass nicht die Fonds beaufsichtigt werden, sondern dass sich die Manager dieser Fonds registrieren lassen müssen und dass sie anschließend beaufsichtigt werden. Damit hat der Manager eines solchen Fonds relativ freie Hand im Management und unterliegt nicht mehr den strikten Regeln für klassische Investmentfonds.

Den EU-Vorschlag beurteilt Romba für geschlossene Fonds auch als sinnvoll. Mit einer Regulierung auf Produktebene wären Hedge-Fonds erschlagen worden, sieht auch Fondslobbyist Bauer. Hier sei der Ansatz, auf Ebene des Fondsmanagers zu regulieren, nachzuvollziehen.

„Ein Lehrer würde sagen: Thema verfehlt“

Doch was für geschlossene Fonds oder Hedge-Fonds sinnvoll sein mag, hält die Investmentbranche für praxisfern. „Hier versucht die Kommission einen neuen Weg zu gehen, und der ist für offene Immobilienfonds nicht sinnvoll“, sagte Efama-Präsident Bauer. Viele Fonds, die von den großen Gesellschaften vertrieben werden, unterliegen einem strengen Managementprozess, so dass der Einfluss des einzelnen Fondsmanagers oft begrenzt ist. Auch ist es die Fondsgesellschaft, die dem Anleger gegenüber auftritt, und nicht der einzelne Fondsmanager.

„Offene Immobilienfonds haben ihre Eignung für Privatanleger bewiesen und sind durch die nationalen Gesetzgebungen geregelt“, sagte BVI-Präsident Mansfeld. „Sie sollten vielmehr in die weitere Richtlinie einbezogen werden, an der derzeit die Kommission für Investmentfonds arbeitet.“ Ziel solle sein, einen europäischen Markt für Finanzprodukte zu schaffen, die sich an Privatanleger richten. Der jetzige Vorschlag jedenfalls bekommt von Mansfeld eine schlechte Note: „Ein Lehrer würde sagen: Thema verfehlt. Dieser Richtlinienentwurf entspricht nicht dem Auftrag, den die Kommission von den Regierungen erhalten hatte.“

Verfahren unüblich

Auch von Seiten des europäischen Fondsverbands Efama kommt Kritik am Vorgehen der Europäischen Kommission. „Wir hatten auf eine eigene Regulierung für uns und auf eine davon getrennte Regulierung für Hedge-Fonds gehofft“, sagte Mathias Bauer, Präsident der Efama und Vorsitzender der Geschäftsführung der österreichischen Raiffeisen Capital Management (RCM), am Dienstag in Frankfurt. „Das Ganze ist eine Hauruck-Aktion im Zuge der Finanzkrise“, sagte Bauer weiter und hofft noch darauf, die Kommission zu Änderungen zu bewegen.

„Das ganze Verfahren ist unüblich“, meint auch Eric Romba, Hauptgeschäftsführer des Verbands Geschlossene Fonds, gegenüber dieser Zeitung. „Normalerweise finden im Vorfeld eines Richtlinienentwurfs umfassende Konsultationen unter anderem mit den Verbänden statt.“

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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