09.10.2008 · Die Verwerfungen am Kredit- und Pfandbriefmarkt hinterlassen bei den Geldmarktfonds Spuren. Über einen Monat verzeichnen die als sicher geltenden „Liquiditätsparkplätze“ Verluste statt die zu erwartende Rendite von fünf Prozent.
Die Verwerfungen am Kredit- und Pfandbriefmarkt angesichts der sich zuspitzenden Bankenkrise hinterlassen auch bei den Geldmarktfonds ihre Spuren. Über einen Monat verzeichnen die für viele als sicherer Liquiditätsparkplatz geltenden Euro-Geldmarktfonds nach einer Aufstellung des Fondsanalysehauses Morningstar derzeit im Durchschnitt einen Wertverlust von 0,5 Prozent.
Geldmarkt an sich wird nicht nachgebildet
Darunter finden sich auch der weitverbreitete Allianz-Dit Geldmarktfonds (minus 0,2 Prozent), der Deka-Geldmarkt Euro TF (minus 0,4 Prozent), der DWS Geldmarktfonds (minus 0,2 Prozent) und der Cominvest Geldmarkt (minus 1,7 Prozent). Lediglich der Union-Geldmarktfonds hält sich in diesem Zeitraum mit 0,1 Prozent über Wasser.
Seit ihrem Aufkommen vor 14 Jahren werden Geldmarktfonds von den Anbietern als sichere und gleichzeitig renditeträchtige Form der Geldanlage vermarktet. „Geldmarktfonds bieten eine Rendite in Höhe der Geldmarktsätze zu Großanleger-Konditionen mit hoher Kursstabilität bei täglicher Verfügbarkeit", verspricht der Bundesverband Investment (BVI) in seinen Unterlagen. Die jüngste Entwicklung führt den betroffenen Anlegern jedoch vor Augen, dass eine Abbildung des Geldmarktzinses - der Drei-Monats-Euribor liegt derzeit beispielsweise jenseits von 5 Prozent - gar nicht stattfindet.
Geldmarktfonds versuchen vielmehr, durch Engagements in kurzfristigen verzinslichen Wertpapieren und Schuldtiteln mit variabler Verzinsung (Floater), dem Geldmarktniveau nahezukommen. Durch die kurzen Restlaufzeiten ist das Verlustrisiko zwar tatsächlich sehr niedrig. In extremen Marktphasen, wie sie derzeit nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und der Rettungsaktion für die Hypo Real Estate auf dem Markt für Unternehmensanleihen und Pfandbriefen zu beobachten sind, reicht dieser Sicherungsmechanismus allerdings nicht aus.
Wettbewerbsfähigkeit gegen Risikoreduktion
Lediglich ein kompletter Rückzug in kurzlaufende Staatsanleihen oder Bankguthaben bewahrt die Fonds im gegenwärtigen Marktumfeld vor Verlusten. In der Vergangenheit schreckten viele Fondsmanager allerdings vor einer kompletten Umschichtung in Staatstitel wegen der niedrigen Verzinsung zurück. Darunter leidet die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den konkurrierenden Tagesgeldangeboten.
Schon vor einem Jahr diskutierte die Fondsbranche über eine Unterteilung von Geldmarktfonds in unterschiedliche Risikoklassen. Damals hatte sich gerade gezeigt, das einzelne Fonds stark in verbrieften Forderungen (Asset Backed Securities, ABS) investiert waren und Verluste hinnehmen mussten, als der ABS-Markt zusammenbrach. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Investment, Stefan Seip, sprach damals von einem Lernprozess, der bei den Gesellschaften in Gang gekommen sei. Das Rendite-Risiko-Profil sollte neu justiert werden. Auch der Vorstandsvorsitzende von Union Investment, Rüdiger Ginsberg, regte eine deutlichere Trennung zwischen traditionellen Geldmarktfonds und geldmarktnahen Fonds an. Die Umsetzung lässt bislang auf sich warten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |