21.07.2005 · Im vergangenen Monat haben europäische Vermögensverwalter verstärkt Aktien aus Japan eingekauft. Die Fondsmanager setzen darauf, daß die Verbraucherausgaben in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft anziehen und mit ihnen die Kurse.
Im vergangenen Monat haben europäische Vermögensverwalter verstärkt Aktien aus Japan eingekauft. Sie sind zur Zeit so günstig zu haben, wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Die Fondsmanager setzen darauf, daß die Verbraucherausgaben in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft anziehen und mit ihnen die Aktienkurse. Für den Topix ging es dieses Jahr bislang 3,9 Prozent aufwärts, während der Stoxx 600 zwölf Prozent vorrückte.
„Japan wird in den nächsten Monaten eine bessere Performance als Europa aufweisen“, sagt Guillaume Duchesne, Aktienstratege bei MeesPierson. „Die Inlandsnachfrage treibt das Wachstum an. Die Bewertungen sind niedrig.“ MeesPierson hat im vergangenen Monat europäische Aktien verkauft und stattdessen in Japan gekauft. Auf welche Unternehmen dabei gesetzt wurde, wollte Duchesne nicht ausführen.
Nitori, Toyota, Nippon Steel und Sumitomo Metal
Auch seine Kollegen von BNP Paribas Asset Management in Paris und Ashburton Ltd. auf der Kanalinsel Jersey, favorisieren Japan. Ashburton hat Aktien von Nitori, einem Möbelhaus, und Toyota Motor, dem weltweit zweitgrößten Autokonzern, erstanden. Jonathan Schiessl, der beim Vermögensverwalter Ashburton für asiatische Aktien zuständig ist, rechnet mit einer wachsenden Nachfrage bei Nitori und einem steigenden Kurs. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 13 Prozent gewonnen.
BNP Paribas griff bei den beiden Rohstoffproduzenten Nippon Steel und Sumitomo Metal Mining zu. Für Nippon Steel, den größten Stahlkonzern des Landes, ging es seit Anfang Januar zehn Prozent aufwärts. Das Unternehmen konnte seine Preiserhöhungen bei Autokonzernen wie Toyota durchsetzen und dadurch höhere Kosten für Eisenerz und Kokskohle auffangen. Im Mai bestätigte der Stahlkonzern seine Prognose von 20 Prozent Gewinnwachstum im laufenden Geschäftsjahr. Sumitomo Metal, Japans größter Nickel- und Goldproduzent, hat den Gewinn im letzten Geschäftsjahr fast verdoppelt. Der Kurs legte seit Jahresbeginn 4,1 Prozent zu.
Japan hat bei Fondsmanagern einen hohen Stellenwert
Die Mitglieder der japanischen Benchmark Topix Index werden, gemessen an ihren Gewinnprognosen für die nächsten zwölf Monate, mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 gehandelt, gab das Marktforschungsunternehmen FactSet Research Systems Inc. aus London bekannt. Seit 1999 ist das KGV um 60 Prozent gesunken, während der Topix etwa um ein Drittel von seinem damaligen Jahreshoch abrutschte. Zum Vergleich: Das KGV der Unternehmen im europäischen Dow Jones Stoxx 600 Index fiel 42 Prozent.
In einer Umfrage von Merrill Lynch & Co. unter 273 Fondsmanagern nahm Japan als Investmentziel unter den Industrienationen die Spitzenposition ein. Die Vermögensverwalter weltweit, die auf japanische Aktien setzen, übertrafen die Skeptiker um 32 Prozentpunkte, nach 20 Prozentpunkten im Juni.
Die Euroregion verlor hingegen an Reiz für die Investoren, die ein Vermögen von insgesamt 917 Mrd. Dollar (755 Mrd. Euro) verwalten. Der Netto-Prozentsatz der Fondsmanager, die in der Region übergewichtet sind, sank im Juli auf 30 Prozentpunkte. So niedrig war er seit November 2004 nicht mehr.
Zu der positiven Einschätzung Japans hat auch beigetragen, daß mit einer weiteren Erholung der Konjunktur gerechnet wird. Von Bloomberg News befragte Volkswirte gehen davon aus, daß das Bruttoinlandprodukt Japans in den zwölf Monaten bis Ende März 1,8 Prozent wächst, nach 1,5 Prozent im Vorjahr. Auch die japanische Zentralbank erklärte diesen Monat, daß sich die Wirtschaft „weiter erholen“ werde.
„Die Aussichten für den Konsum in Japan sind gut, und sicherlich wesentlich besser als für Europa“, erläutert Michala Marcussen, stellvertretende Direktorin für Strategie und Wirtschaftsforschung bei SG Asset Management, einer Tochtergesellschaft von Société Générale SA.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |