31.10.2006 · Lloyd plant, mit einem offenen Schiffsfonds auf den Markt zu kommen. Ein solcher Fonds hätte mehrere Knackpunkte, denn Schiffe sind schwerer zu bewerten als Aktien. Lohnen könnte sich eine Investition aber trotzdem.
Die deutsche Geldanlagebranche dürfte bald um ein neues Produkt reicher sein: Nach Informationen dieser Zeitung plant die Lloyd Fonds AG aus Hamburg, noch in diesem Jahr mit einem offenen Schiffsfonds auf den Markt zu kommen, der Investoren jederzeit einen Ausstieg ermöglicht. Bislang können Investoren nur in Form einer unternehmerischen Beteiligung über geschlossene Fonds in Schiffe investieren. Bei Lloyd Fonds hält man sich zwar noch mit detaillierten Aussagen zurück. Grundsätzlich wird jedoch bestätigt, daß das neuartige Produkt kommen soll. „Derzeit läuft das Antragsverfahren bei der luxemburgischen Genehmigungsbehörde. Wir wollen uns zu den Einzelheiten deshalb erst äußern, wenn die Genehmigung auch vorliegt“, sagt der Lloyd-Vorstandsvorsitzende Torsten Teichert.
Bei dem Produkt handelt es sich um einen in Luxemburg aufgelegten Fonds über eine Société d'Investissement à Capitale Variable (Sicav). Der Ausgabeaufschlag soll maximal 5 Prozent betragen, die jährliche Verwaltungsvergütung bei 1,5 Prozent liegen. Das Produkt zielt vor allem auf institutionelle Investoren ab; da es zum öffentlichen Vertrieb in Deutschland nicht zugelassen ist, dürfen Banken und Vermittler nicht aktiv Werbung dafür betreiben und es nur eigenen Kunden anbieten, die als qualifizierte Investoren eingestuft sind. Der Verwaltungsrat der Sicav wird paritätisch von Lloyd Fonds und Oppenheim Pramerica besetzt. Diese Gesellschaft beteiligt sich an Schiffahrtsgesellschaften, in die dann die Schiffe eingebracht werden. Für die Auswahl der Objekte ist Lloyd Fonds verantwortlich. Da der Fonds thesaurierend sein soll, erhalten Anleger keine laufenden Ausschüttungen. Allerdings sind die Erträge aus dem Fonds dafür steuerfrei, sofern der Anleger den Fonds länger als ein Jahr hält.
Liquiditätsbeschaffung schwieriger als bei Aktienfonds
Der wesentliche Unterschied dieses offenen Fonds zu den üblichen geschlossenen Schiffsfonds ist die tägliche Verfügbarkeit des Geldes - Anleger können also ihre Anteile täglich verkaufen. Genau hierin liegt aber auch einer der Knackpunkte: Während sich die Verwalter offener Wertpapierfonds bei einer verstärkten Rückgabe von Anteilsscheinen durch den Verkauf von Aktien beziehungsweise Anleihen rasch Liquidität verschaffen können, dürfte das bei einem Schiffsfonds schwierig sein - ein Containerschiff verkauft man nicht einfach so an einem Tag.
Damit ist dieser Fonds den gleichen Risiken ausgesetzt wie offene Immobilienfonds, die genau wegen dieses Problems zu Beginn dieses Jahres in eine Krise gerieten: Geben zu viele Anleger auf einmal ihre Anteile zurück, droht dem Fonds rasch die Liquidität auszugehen. Kenner der Schiffsbranche halten die Gefahr von Liquiditätsproblemen jedoch für gering: Der Markt für Containerschiffe sei transparenter und liquider als der für Immobilien. Dennoch soll es Schutzvorkehrungen geben: Der neue Fonds soll in der Regel 20 Prozent des verwalteten Vermögens in Liquidität vorhalten; zudem sind bei größeren Mittelrückgaben Rückgabefristen vorgesehen.
Boom im Schiffsmarkt könnte schon vorbei sein
Auch das zweite Problem eines offenen Schiffsfonds ist dem der offenen Immobilienfonds ähnlich - nämlich die Frage der Bewertung. Während sich der Preis für Wertpapiere rasch an der Börse feststellen läßt, ist das für Schiffe ebenso wie für Immobilien schwieriger - der Wert des Portfolios muß von Experten ermittelt werden. In dem Lloyd-Produkt wird der Wert der Schiffe in einer Kombination von Ertragswert und Marktwert des Schiffes ermittelt. Die Ertragswertkomponente ist dabei von der Charter des Schiffes abhängig und soll auch - ähnlich wie bei offenen Immobilienfonds - dazu beitragen, allzu große Ausschläge bei der laufenden Wertermittlung zu verhindern. Der Wert der im Fonds befindlichen Schiffe wird von der Sicav festgelegt, eine weitere externe Kontrolle findet nicht statt. Allerdings sagen Branchenkenner, daß es um die Bewertung eines Schiffes weniger Streit gebe als um die Bewertung einer Immobilie.
Die Idee eines offenen Schiffsfonds ist naheliegend, seit die geschlossenen Fonds als Steuersparvehikel ausgedient haben und ihren Anlegern Rendite liefern müssen. Vor allem eröffnet das Produkt nun auch institutionellen Anlegern die Möglichkeit, in den Markt für Schiffe zu investieren. Mit Blick auf die jüngste Marktentwicklung stellt sich allerdings die Frage, ob es für ein Engagement nicht schon zu spät ist, der Boom im Schiffsmarkt also vorbei sein könnte. Nach dem massiven Preisanstieg der vergangenen Jahre muß ein Anleger befürchten, in einen fallenden Markt hineinzukaufen.
Wertentwicklung nicht von Kapitalmärkten abhängig
Wie sich die Preise der Schiffe und die Charterraten weiterentwickeln, hängt letztlich von der Entwicklung der Weltwirtschaft und damit der Nachfrage nach Transportkapazitäten ab. Aus portfoliotheoretischer Sicht allerdings sind Schiffe eine gute Ergänzung zu herkömmlichen Investments, da ihre Wertentwicklung kaum mit den Kapitalmärkten korrespondiert - fallen also die Aktienkurse, könnte ein Schiffsfonds zur Stabilisierung des Portfolios beitragen.
„Schiffsfonds, die zwischen 1996 und 2005 aufgelegt und realisiert wurden, haben im Schnitt eine Rendite von 9,4 Prozent jährlich eingefahren - nach Steuern“, sagt Peter Kastell vom Hamburger Analysehaus Fondsmedia. Dabei hätten selbst die schlechtesten 50 Prozent der Fonds im Schnitt noch 4 Prozent erwirtschaftet. Abzüglich der Liquiditätsprämie rechnet Kastell damit, daß ein offener Schiffsfonds im Schnitt 7 Prozent pro Jahr erwirtschaften kann.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |