26.07.2007 · Osteuropa-Fonds gibt es inzwischen viele. Doch so groß wie der acht Milliarden Dollar schwere Merrill Lynch IM Emerging Europe Fund ist sonst keiner. Fondsmanager Alain Bourrier erklärt, wie er die Aussichten in seiner Zielregion sieht.
Die Zahlen sind beeindruckend: Mit einem Anlagevolumen von mehr als acht Milliarden Dollar ist der Merrill Lynch IM Emerging Europe Fund der mit Abstand größte Fonds in seiner Anlagekategorie. Und auch die Performance stimmt, wie ein Wertzuwachs von 1.556 Prozent seit der Auflage Mitte 1995 belegt. Der Vergleichsmaßstab MSCI Emerging Europe Index hat es in dieser Zeit jedenfalls nur auf ein Plus von 496 Prozent gebracht.
Geht es nach Alain Bourrier, neben Plamen Monokovski einer der beiden Hauptfondsmanager des Fonds, wird sich die gute Wertentwicklung auch bis auf weiteres fortsetzen. Er beurteilt die Anlageaussichten in seiner Zielregion grundsätzlich zuversichtlich. Schließlich handele es sich um eine der am stärksten wachsenden Regionen weltweit. Nachdem die Märkte vor Ort in den vergangenen Jahren vom Wandel vom Kommunismus hin zu marktwirtschaftlichen Demokratien profitiert hätten, übernehme nun mit dem Konsum- und Kreditboom ein neuer Faktor die Rolle als treibende Kraft. „Die Region tritt in eine neue Phase des Wachstums ein. Der Wandel zu Konsumgesellschaften bringt in Osteuropa neue Anlagemöglichkeiten“, lautet die Konsequenz, die Bourrier daraus als Anleger zieht.
Finanzaktien übergewichtet
So sei die Penetration mit Kreditprodukten im Osten noch immer weitaus schlechter entwickelt als im Westen. In Russland beispielsweise beläuft sich laut Bourrier die Zahl der Hypothekenkredite gemessen am Bruttoinlandsprodukt nur auf ein Prozent. In Großbritannien, dem Spitzenreiter in dieser Hinsicht, beträgt die Quote dagegen 86 Prozent. Diese Lücke birgt viel Wachstumspotential, und das ist ein Grund, warum Finanzaktien im Fonds übergewichtet sind. In der Branchenbetrachtung sind Industriewerte übergewichtet, während Energietitel und Versorger am stärksten untergewichtet sind. Die größten Einzelwetten lauten derzeit auf die ungarische OTP Bank und den russischen Gasproduzenten Novatek. Am stärksten untergewichtet sind dagegen der russische Ölkonzern Lukoil und der tschechische Versorger CEZ.
Auf Länderebene ist Russland mit einem Gewicht von 50 Prozent die größte Position, gemessen an der Benchmark war man dort zuletzt aber etwas untergewichtet. Doch Bourrier hält es für falsch, den dortigen Markt wegen der politischen Probleme zu sehr zu ignorieren. Manche Sektoren sollten deshalb zwar besser gemieden werden, insgesamt aber sei die Region sehr interessant und es gebe interessante Unternehmen. Speziell am Beispiel Russlands lässt sich der Konsumboom verdeutlichen, der Osteuropa inzwischen erfasst hat. Denn in Russland dürften die Einzelhandelsumsätze laut Bourrier zwischen 2005 und 2010 mit einer jährlichen Rate von 19,2 Prozent zulegen. Hinzu komme, dass das Land vor einem jahrlang anhaltenden Investitionszyklus stehe, der noch durch die steigenden staatlichen Ausgaben in die Infrastruktur verstärkt werde.
Etwas übergewichtet ist der Fonds in der Türkei. Die wachsende und sehr junge Bevölkerung spreche ebenso für das Land wie die regen ausländischen Direktinvestitionen und das Wachstumstempo, das höher als erwartet sei. „Die Türkei ist einer der viel versprechendsten Konsummärkte weltweit und eines der interessantesten Konvergenzspiele. Nachdem der Markt zuletzt aber sehr gut gelaufen sei, könnte es dennoch jetzt kurzfristig erst einmal zu Gewinnmitnahmen an der Istanbuler Börse kommen.
Richtige Auswahl an Einzelaktien dürfte wichtiger werden
Ein Problem, mit dem die Fondsmanager zurechtkommen müssen, ist die Größe des Fonds. Das ist deshalb ein Problem, weil viele Börsen in Osteuropa zu klein sind, damit der Merrill Lynch IM Emerging Europe Fund dort sinnvoll agieren kann. Damit ein Wert kommt als Investment erst bei einem Mindestvolumen von einem Prozent des Fonds in Frage, das entspricht aktuell rund 80 Millionen Dollar. Damit scheiden nicht nur viele interessante Nebenwerte als potentielle Anlageziele von vornherein aus, sondern zum Teil sogar ganze Märkte.
Trotz der Größe des Fonds betont Bourrier, dass der Vergleichsindex nicht aktiv nachgebildet werde. Auf die Frage, ob die Größe künftig eine bessere Wertentwicklung als beim Vergleichsindex verhindern könnte, antwortet Bourrier: „Auf die Größe des Fonds werden wir angesprochen, seitdem wir die Marke von zwei Milliarden Dollar überschritten haben. Bis jetzt hat uns dies aber nicht an einer guten Performance gehindert.“
In die Hände spielen könnte es dem Fonds, wenn Bourrier mit seiner Prognose Recht behält, wonach es künftig an den osteuropäischen Börsen mehr und mehr auf die richtige Auswahl der Einzelaktien ankommt. Denn gerade in dieser Disziplin sieht BlackRock Vorteile für sich - dank des aus fünf auf Osteuropa spezialisierten Fondsmanagern bestehenden Teams, der guten Kontakte in die Region und der zahlreichen Unternehmensbesuche.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |