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Förderer und Risikomanager : Stiftungen trotzen den Niedrigzinsen

  • Aktualisiert am

Die Hertie-Stiftung in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Sie finanzieren Sozial-, Umwelt-, Kunst- oder Sportprojekte. Doch dafür müssen Stiftungen auch das Geld verdienen. Ihr Kapital wirft aber immer weniger Zinsen ab. Gefragt sind daher neue Geldanlagen.

          Eine „Schärfung des Profils“ kündigt die Hertie-Stiftung Ende April an. Zwar seien trotz niedriger Zinsen gute Erträge erwirtschaftet, geplante Förderaufgaben voll umgesetzt und Projektmittel sogar leicht erhöht worden. Doch werde mit dieser „soliden Basis“ die Stiftungsarbeit „fokussiert“, heißt es ein wenig verklausuliert in der Mitteilung. Geschäftsführer John-Philip Hammersen redet dann Klartext: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Einnahmen aus unserem Anlagevermögen geringer werden.“ Künftig könnten noch rund 35 Projekte unterstützt werden statt 40.

          Eine solche „Profilschärfung“ überrascht nicht. Die dauerhaft niedrigen Zinsen in Folge der Geldflut durch die Europäische Notenbank machen den Stiftungen schon länger zu schaffen. Die mehr als 20.000 Förderer suchen händeringend nach neuen und vor allem ertragreicheren Geldanlagen. Wenigstens die großen, vermögenden Stiftungen kommen trotz Zinstiefs gut durch die Krise und können sich nach einer Umfrage des Bundesverbandes Deutsche Stiftungen immer noch über zufriedenstellende Renditen freuen.

          Für die Minderheit der Stiftungen mit der Mehrheit des Geldes war 2014 ein gutes Jahr, lautet das Fazit des Verbandes. Diese vermeldeten sogar eine überaus positive finanzielle Situation. Profitiert werde auch von der guten wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Offiziell verfügen die mehr als 20.000 Stiftungen hierzulande über ein Gesamtvermögen von rund 100 Milliarden Euro - mindestens. Das scheint noch äußerst konservativ geschätzt.

          Kleine Stiftungen leben von Spenden, nicht von Zinsen

          Die positiven Zahlen überraschen, kommen doch immer wieder mal Meldungen über angebliche finanzielle Engpässe hoch. Kleinere Stiftungen mit überschaubarem Finanzvolumen stecken durchaus in einem Dilemma. Sie stehen vor der Frage: Sicherheit mit Bundesanleihen, aber kaum Ertrag und Wertverlust oder mehr Risiko und Rendite. Viele Stiftungen, die fast Ewigkeitscharakter haben, sind durch Satzungen auch an festverzinsliche Anlagen gebunden.

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          Ohne nachhaltige Erträge wird es eng für Stiftungen, die zumeist in privatrechtlicher Form gemeinnützigen Zwecken dienen. Schütten sie kein Geld aus - für Soziales, Bildung und Forschung, Umwelt, Kunst oder Sport - verlieren sie nicht nur den steuerbegünstigenden Status der Gemeinnützigkeit. Auch wirtschaftlich würde es eng, Projekte müssten gestoppt werden.

          Kleine Stiftungen leben allerdings nicht primär von Zinsen, sondern überwiegend von Spenden. Die Gruppe mittelgroßer Stiftungen - oft nicht hauptamtlich geführt und reine Förderer mit Kapitalstöcken von zwei bis fünf Millionen Euro - stellen ihr Anlagemanagement derzeit um. Hier werde teils eine Hängepartie beklagt, heißt es beim Stifterverband: „Aber die muss man schon mit der Lupe suchen.“

          Engagiert und zäh

          Die größeren Geldsammler und -geber sind längst breiter aufgestellt und legen Vermögen nicht mehr nur in sicheren Papieren an, sondern auch in Aktien oder Immobilien. Einige besitzen Firmenanteile oder ganze Unternehmen. Sie können auch im größeren Stil investieren, was sich wiederum mit üppigeren Erträgen auszahlt. Die Stifter müssen heutzutage also nicht mehr nur als großzügige und mildtätige Förderer auftreten, sondern zunehmend auch als Risikomanager.

          Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung etwa hat nach eigenen Angaben vor Jahren ihre Kapitalanlagen auf mehrere Säulen verteilt. Mit einem Anlagevolumen von einer Milliarde Euro sei man von den aktuellen Auswirkungen der Finanzmärkte nur bedingt betroffen. „Stiftungen sind zäh, sehr zäh“, erklärte der Verbandsvorsitzende Michael Göring kürzlich. Zwar könnten einige nicht mehr so hohe Fördersummen vergeben. Abgesehen von Ausnahmen seien Stiftungen aber keinesfalls gefährdet. Größere, die in Immobilien und Aktien investierten, profitieren sogar. „Die Lage ist besser als gedacht“, heißt es.

          Die Mehrzahl der Stiftungen wolle ihr Engagement trotz der anhaltend tiefen Zinsen nicht zurückfahren. Stiftungen liegen sogar weiter im Trend: Ihre Zahl steigt weiter - auf 20.784 im vergangenen Jahr. Ob unternehmensverbundene, privatnützige Familien- oder gemeinnützige Stiftung: Das eingebrachte Vermögen soll erhalten und ein bestimmter Zweck erfüllt werden. Die Lösung des Nachfolgeproblems bei Mittelstandsfirmen ist eines der Motive. Fast jede zehnte gemeinnützige Stiftung wurde nach Verbandsangaben daher gegründet.

          Quelle: dpa

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