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Geldanlage : Warum Männer sich immer überschätzen

Alexandra Niessen-Ruenzi, 34, ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Finanzprofessorin Alexandra Niessen-Ruenzi erforscht, wie Männer und Frauen ihr Geld anlegen. Das Ergebnis: Frauen haben Männern eine Menge voraus.

          Manchmal muss man nur die richtigen Fragen stellen, dann erzählen selbst die krudesten Datensammlungen viel spannendere Geschichten, als man denkt. Anfangs wollte Alexandra Niessen-Ruenzi eigentlich nur wissen: Legen Fondsmanager anders an als Fondsmanagerinnen? Gibt es also einen Geschlechtsunterschied bei der Geldanlage, womöglich sogar bei der Rendite? Das war das Thema ihrer Diplomarbeit an der Universität Köln vor zehn Jahren. Im Grunde war die Frage schnell geklärt: Nein, den gibt es nicht. Zumindest bei der Rendite, die sie am Ende erzielen, unterscheiden sich beide Geschlechter nicht. Beim Anlageverhalten dagegen entdeckte die junge Betriebswirtschaftlerin ein paar Dinge, die sie auf Anhieb nicht deuten konnte. Das war der Grund für viele Folgefragen und der Beginn ihrer eigenen Karriere im Finanzbereich.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mittlerweile, mit 34, hat sie natürlich längst ihr Diplom, aber auch einen Doktor- und Professorentitel und seit drei Jahren einen Lehrstuhl an der Universität Mannheim. Dort ist sie für Allgemeine Betriebswirtschaft und Corporate Governance zuständig. Sie ist nicht nur eine der jüngsten Professoren im Lande, sondern auch eine der wenigen Frauen, die es in der Finanzwissenschaft so weit gebracht haben. Denn sie stellte als Erste zusammen mit einem Kollegen die Frage: Gibt es einen Grund dafür, dass so wenige Frauen in Top-Positionen der Finanzbranche vertreten sind? Das ist bis heute ihre große Forschungsfrage geblieben.

          Schon 2005 war ihr aufgefallen: Die Zahl weiblicher Fondsmanager ist erstaunlich gering. Damals lag der Anteil unter zehn Prozent und bis heute ist es nicht mehr geworden. Exakt acht Prozent, Fondsmanagerinnen weist die Ratingagentur Morningstar momentan aus. Woran liegt das, wollte Niessen-Ruenzi wissen. Sieben Jahre sammelte sie Daten zu Portfolios und Performancezahlen (der Fachbegriff steht für Wertentwicklung).

          Das klingt irrsinnig trocken, vielleicht sogar ein wenig verbissen. Doch das ist sie gar nicht. Sie sagt zwar akademisch-korrekte Sätze wie: „Es ging mir um empirische Abnormalitäten. Ich beobachte Muster und will sie verstehen. Deshalb wollte ich das aus der ökonomischen Ecke heraus erklären.“ Doch wenn sie dann ihre Ergebnisse schildert, klingt das spannend wie ein Krimi, in dem sich der Ermittler fragt: Gibt es so wenige Fondsfrauen, weil sie vielleicht stärker das Risiko meiden und deshalb kleinere Wertsteigerungen erzielen als ihre männlichen Kollegen? „Stimmt nicht. Man kann höchstens feststellen, dass Frauen konsistenter anlegen“, sagt die Finanzforscherin, „sie machen vermutlich in einem Jahr noch dasselbe wie jetzt.“ Während Männer häufiger ihre Strategie wechseln und ihre Portfolien umschichten.

          Weibliche Vorbilder erhöhen die Leistung von Frauen

          Auch bei Privatanlegerkonten beobachten Forscher das: Männer setzen häufiger auf Einzelwerte, Frauen eher auf Fonds oder breite Bündel von Aktien. Männer sind häufiger extrem gut oder extrem schlecht, bei Frauen kommen Ausreißer nach oben und unten seltener vor. Und je professioneller beide Geschlechter anlegen, desto weniger unterscheidet sich ihr Anlageverhalten. Im Ergebnis jedenfalls erzielen beide fast identische Erträge. Aber es gibt einen großen Unterschied: Fonds, die von Frauen gemanagt werden, sind kleiner. Ihnen fließt rund 15 Prozent weniger Kapital zu, trotz gleicher Renditen.

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