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Finanzprodukte für jedermann (6) Haftpflicht: Schutz gegen unerwartete Lebensrisiken

Eine private Haftpflichtversicherung ist unverzichtbar. Denn sie sichert Verbraucher gegen existentielle Risiken ab. Dabei gibt es den Schutz schon ab 50 Euro im Jahr.

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Das Leben steckt voller Risiken. Und von den meisten ahnt der Verbraucher im Vorhinein noch nicht einmal, dass es sie gibt. Krankheiten und das Rentenalter ohne eigenes Einkommen sind noch einigermaßen erwartbar. Doch schon die Pflegebedürftigkeit ist ein Szenario, das nicht jeder im Vorfeld berücksichtigt. Und noch weniger planbar sind die Risiken des Alltags, die nicht eintreten müssen, aber wenn sie dann doch auftreten, richtig teuer werden können.

Was so alles passieren kann, schildern einem Versicherungsvermittler gern in den lebendigsten Erzählungen. Eine geht so: Das eigene Kind läuft unbedacht auf die Straße, eine Fahrradfahrerin weicht aus, fällt und erleidet einen Oberschenkelhalsbruch. Die Operation kostet die Eltern 12.000 Euro, denn sie sind schadensersatzpflichtig. Oder so: Beim Umzug eines Freundes fällt einem der nagelneue Flachbildschirm-Fernseher aus Versehen auf den Boden und funktioniert nicht mehr. Auch hier können die Kosten ärgerlich, aber noch überschaubar sein.

Dieter Bohlen als Lebensrisiko

Zum existenziellen Risiko wird es, wenn einem das geschieht, was die VHV Versicherung in ihrem Werbespot dem Musikproduzenten Dieter Bohlen passieren lässt: Ein Handwerker trägt eine Holzlatte über die Straße und gibt Bohlen einen mit. In der Realität wäre dieser im ungünstigen, aber möglichen Fall so stark geschädigt, dass er keine Möchtegern-Stars mehr in seiner Fernsehsendung niedermachen könnte, der Handwerker also für den Verdienstausfall haften müsste und sich finanziell ruinierte. Im dümmsten Fall würde Bohlen sogar zum Pflegefall, und seine Betreuung müsste ein Leben lang bezahlt werden.

Selten sind sich deshalb Versicherer, Berater und Verbraucherschützer so einig wie bei der privaten Haftpflichtversicherung. „Sie geht vor. Auch vor der Altersvorsorge - der wichtigste Vertrag von allen“, sagt Steffen Schulz vom Maklerbüro GMFS in Rostock. „Sie ist ein Muss, weil das Risiko existentiell sein kann“, bestätigt Hajo Köster, Versicherungsexperte des Bunds der Versicherten (BDV).

Nicht nur bei grober, sondern bei jeder Art von Fahrlässigkeit zahlen die Versicherer, wenn der Kunde Schadensersatz leisten muss. „Und sie kostet nur eine Zigarettenschachtel im Monat. Das sollte man sich leisten“, meint Köster. Denn die günstigsten Angebote gibt es schon für 50 Euro im Jahr. Ein angemessener Versicherungsschutz ist von 65 Euro an aufwärts zu haben. Doch der Vergleich lohnt sich: Für einen nahezu identischen Vertrag kann man auch das Dreifache zahlen.

Einer von vier riskiert viel

Längst nicht alle Haushalte in Deutschland kaufen sich von der Sorge frei, in einem Schadensfall geradestehen zu müssen. Inzwischen hat sich nach einer Erhebung des Fachmagazins „Versicherungswirtschaft“ der Anteil aber immerhin auf 72 Prozent der Deutschen erhöht. Wer darauf verzichte, glaube daran, mit vorsichtigem Verhalten größere Schäden vermeiden zu können. Oder er hoffe darauf, als Verursacher unerkannt zu bleiben, hat Verbraucherschützer Köster beobachtet.

Dabei weist er genau wie Makler Schulz darauf hin, dass eine private Haftpflichtversicherung für viele Streitfälle sogar einen eigenen Anwalt überflüssig macht. „Die Police bietet auch Rechtsschutz, weil der Versicherer prüft, ob die Ansprüche des Geschädigten berechtigt sind“, sagt Schulz.

Viele Variationsmöglichkeiten

So wie die Risiken im Vorfeld nicht immer vorhersehbar sind, so sind auch die Vertragsbedingungen der Policen sehr unterschiedlich. Das Analysehaus Franke & Bornberg beispielsweise rät Kunden, auf folgende Kriterien zu achten: Wie hoch ist die Deckungssumme? Sind deliktunfähige Personen (also beispielsweise eigene Kinder oder Enkel, die jünger als zehn Jahre sind) mitversichert? Kommt der Versicherer auch für einen Gefälligkeitsschaden auf (etwa wenn ein Schaden entsteht, während man die Blumen des Nachbarn in dessen Urlaub gießt)? Sind der Verlust fremder Schlüssel und Mietsachschäden gedeckt?

Wie hoch die Deckungssumme sein sollte, darüber streiten sich die Fachleute. Hajo Köster vom BDV hält 5 Millionen Euro für ausreichend. Makler Steffen Schulz empfiehlt mindestens 10 Millionen Euro. Als kaum verzichtbar aber sehen die meisten Experten den Einschluss nicht deliktfähiger Kinder. Makler Schulz erinnert sich an ein Beispiel aus seiner Beratungspraxis: Das Kind eines Ehepaars spielte mit Steinen und zerkratzte das Auto eines Nachbarn. Weil es zu jung war, um schadensersatzpflichtig zu sein, wären die Nachbarn ohne diesen Vertragsbestandteil leer ausgegangen. „Dann aber kann die Familie am besten gleich aus der Siedlung ausziehen“, sagt Schulz.

Und auch die Forderungsausfalldeckung halten viele Berater für unentbehrlich. Denn sie bietet auch dann Versicherungsschutz, wenn der Verursacher des Schadens keine eigene Police hat. „Wenn mich in einem Problemkiez ein Kampfhund anfällt, stellt mich der Versicherer dann so, als wäre der Hundehalter genauso versichert wie ich“, erläutert GMFS-Makler Schulz.

Preiskampf

Der Preiskampf in der privaten Haftpflicht ist nicht ganz so stark wie in der Autoversicherung. Dennoch ist auch hier der hohe Wettbewerbsdruck auf dem Markt für die Verbraucher von Vorteil. Die Versicherer werben mit besseren Vertragsbedingungen und günstigeren Preisen um ihre Kunden.

Nie auszuschließen ist deshalb die Gefahr, dass ein Versicherer insolvent wird. Von vielen Maklern werden aber häufig die VHV, die Provinzial, Janitos und die Haftpflichtkasse Darmstadt empfohlen. Sie bieten preisliche Vorteile bei gleichzeitiger finanzieller Stabilität.

Unberücksichtigt ist dabei das Regulierungsverhalten im Schadenfall. Allerdings verlangen hier sogar Verbraucherschützer eine gewisse Strenge der Versicherer. „Die Versuchung zum Versicherungsbetrug ist in dieser Sparte sehr groß. Fachleute munkeln von bis zu 50 Prozent aller Fälle“, sagt BDV-Experte Köster. „Deshalb ist es im Interesse der Kunden, wenn der Versicherer genau prüft, weil sonst die Beiträge unnötig hoch werden.“ Von Betrug etwa mit kaputten Elektrogeräten rät der Verbraucherschützer dringend ab. „Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Straftatbestand.“

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Jahrgang 1977, Redakteur in der Wirtschaft.

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