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Finanzmarkt Turbulenzen legen Risiken der Zertifikate offen

29.09.2008 ·  Die starken Kursschwankungen, die zum Teil starken Kursverluste der vergangenen Monate und auch die Pleite einzelner Emittenten legen die Schwächen der Zertifikate offen. Viele sind nicht so konservativ, wie sie in Prospekten beschrieben wurden.

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Die starken Kursschwankungen, die zum Teil starken Kursverluste der vergangenen Wochen und Monate und auch die Pleite einzelner Emittenten legen die Risiken und die Schwächen der Zertifikate offen.

Sie zeigen sich nicht nur am Beispiel von Lehman Brothers. Dort wissen jene Anleger, die sich die von diesem Unternehmen herausgebrachten Schuldverschreibungen bewusst ins Depot legten oder die sie sich von Anlageberatern empfehlen ließen noch lange nicht, ob sie etwas zurückerhalten und wenn, wann und wieviel.

Viele Privatanleger sind von der Pleite der Lehman Brothers betroffen

Nach der Insolvenz der Investmentbank müssen sich die Anleger, zum größten Teil Privatleute, nun in die lange Schlange der Gläubiger einreihen. Etwa drei Fünftel der in diesem Jahr platzierten Papiere im Volumen von 68,1 Milliarden Dollar wurden von Privatinvestoren gekauft, geht aus Daten von Marktbeobachtern hervor. Vielen von ihren dürfte noch bis vor kurzem nicht klar gewesen sein, dass sie sich mit dem Kauf von Zertifikaten das Pleiterisiko des Emittenten mit ins Depot geholt hatten.

Abgesehen davon wurden sie nicht selten mit zum Teil seltsamen Argumenten zum Kauf solcher Produkte verleitet. Zertifikate wurden intensiv als das „non plus ultra“ der Geldanlage beworben. Sie böten zumindest dem versierten Anleger in jedem Markt die Möglichkeit, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen, hieß die durch die vielen Wiederholungen zum Konsens gewordene Mantra.

Was jedoch noch oft wiederholt wird, muss nicht immer auch richtig sein. So wurden und werden Aktienanleihen sowie Discountzertifikate gar als „defensive Anlageinstrumente“ verkauft, obwohl sich die Anleger damit gegen die Einnahme einer begrenzten Risikoprämie in Form eines Abschlags oder eines erhöhten Kupons das volle Risiko von Kursverlusten einkaufen.

Das Resultat dieser „defensiven Strategie“ kann sich in Bärenmärkten sehen lassen. Am Montag am Beispiel entsprechender Zertifikate, sie sich auf die Aktien der Hypo Real Estate beziehen: Die Kursverluste der meisten der ausstehenden Aktienanleihen und Discountzertifikate sind ebenso groß, wie die der Aktie. Wo bleibt da der defensive Charakter?

Massive Kursverluste mit Aktienanleihen und Discountzertifikaten

Angesichts solcher Erfahrungen dürfte kaum verwundern, wenn die Anleger solchen Instrumenten künftig kritischer als in der Vergangenheit begegnen werden. Dem deutschen Zertifikatemarkt drohe ein herber Rückschlag, falls ein deutscher oder ein großer ausländischer Emittent ausfallen sollte, hieß es in einer Umfrage des Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim vom Juni. Zwei Drittel von 205 Finanzmarktexperten, die man befragt hatte, erwarteten eine massenweise Rückgabe von Zertifikaten. Noch ist der nicht absehbar. Aber sollten sich die rechtlichen Möglichkeiten dazu bieten, dürfte ein „Zertifikate-Run“ nicht ausgeschlossen sein. Es wäre ein weiterer Rückschlag für die angeschlagenen Geschäftsmodelle der Banken.

Seit dem Gläubigerschutzantrag des Mutterhauses von Lehman Brothers gemäß Chapter 11 in den Vereinigten Staaten am 15. September 2008 haben sich zum Beispiel zahlreiche Anleger bei der Münchener Kanzlei Rotter Rechtsanwälte gemeldet, welchen in den vergangenen Monaten Lehman Brothers-Zertifikate und -Anleihen als „sichere Anlage“ empfohlen worden waren.

Angesichts der Tatsache, dass die Schieflage bei Lehman Brothers aufgrund der amerikanischen Finanzkrise schon länger bekannt war, entspreche eine Empfehlung dieser Arte nicht den Vorgaben der BGH-Rechtsprechung zur pflichtgemäß durchgeführten Anlageberatung. In vielen Fällen wurde das Emittentenrisiko in den Beratungsgesprächen nicht angesprochen. Aus diesem Grund könnten Anleger, die mit solchen Zertifikaten oder Anleihen Verluste erlitten haben, prüfen lassen, ob Haftungsansprüche gegen die beratende Bank aufgrund einer fehlerhaft durchgeführten Anlageberatung geltend gemacht werden können, heißt es.

Siehe auch: Frankfurt: Die aktuellen „Ausfälle” bei Hebelzertifikaten und Die aktuellen "Ausfälle" bei Hebelzertifikaten

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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