21.06.2004 · Die Volatilitäten an den Börsen sind sehr tief. Wer auf ihren Anstieg setzen möchte, kann eigentlich nur Puts kaufen. Erstens sind sie günstig, zweitens steigt die Volatilität nur richtig an, wenn es nach unten geht.
Wer an den Finanzmärkten Risiken messen oder beurteilen möchte, der „stolpert“ relativ schnell über die Volatiltität. Sie zeigt, wie stark die Kurse von Aktien, Anleihen, Währungen, Indizes oder anderen Zeitreihen in der Vergangenheit über eine bestimmte Periode geschwankt haben. Setzt man sie ins Verhältnis zur durchschnittlich realisierten Rendite, so erhält man ein Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag.
Auf der anderen Seite spielt die Volatilität eine Rolle bei der Bewertung derivativer Produkte. Normale Optionen und Optionsscheine werden bei hoher Volatilität teurer, da die Wahrscheinlichkeit zunimmt, daß sie „ins Geld kommen“ oder dort bleiben. Das bedeutet, solche Instrumente werden für Anleger in diesen Phasen teurer, da der Verkäufer oder der Händler auf der anderen Seite keine Verluste machen wollen. Sie „stellen“ die Volatilität in unsicheren Zeiten hoch, so die Intuition.
Volatilitäten sind tief
Ein Blick auf den VDax - er zeigt die aktuell bei der Bewertung von Optionen an der Eurex verwendeten Volatilitäten - zeigt allerdings etwas andere Phänomene. So waren die „Vols“ in Phasen fallender Kurse besonders hoch, während sie bei steigenden Kursen zurückgingen. Aber nicht nur das. Denn in den vergangenen Monaten zeigte sich an den Börsen keine einheitlicher Trend, sondern die Indizes bewegten sich mehr oder weniger stark schwankend seitwärts. Eine Phase der Unsicherheit, sollte man denken.
Der VDax zeigt allerdings etwas anderes. Denn mit einem Stand von 17,24 Prozent bewegt er sich am absolut unteren Ende aller jemals beobachteten Werte. Das Tief lag in den vergangenen Jahren bei 16,5 Prozent, das Hoch bei knapp 60 Prozent. Das macht deutlich, wie ruhig es am Markt geworden ist. Niemand scheint aktuell mit einer größeren Bewegung zu rechnen, schon gar nicht nach unten.
Für die Entwicklung dürfte es verschiedene Erklärungen geben. Einmal dürfte sie Nachfrage nach Optionen und Optionsscheinen aktuell ziemlich tief sein, so daß die Volatilitäten aus dieser Richtung nicht getrieben werden. Daneben befinden sich Anleger gerade in Märkten, die sich in einer Handelsspanne befinden, auf der Suche nach zusätzlichen „Renditequellen“. Professionelle Anleger verfallen dann nicht selten auf die Idee, Optionen zu verkaufen, um von der fallenden Volatilität und dem Zeitwertverlust profitieren zu können. Für andere werden solche Strategien nicht selten verpackt in Zertifikate. Beispielsweise in Discountzertifikate.
Discount-Zertifikate eher unattraktiv
Gerade jetzt ist immer wieder zu lesen, wie geeignet solche Produkte seien, um in trendlosen Märkten gutes Geld zu verdienen. Solche Argumente sollten allerdings vorsichtig betrachtet werden. Denn erstens sind die Konditionen bei „Discountern“ aktuell äußerst unattraktiv. Wenn sich ein Anleger schon dafür entscheidet, dann sollte er wenigstes auf so genannte „Rolling-Discounter“ setzen. Denn bei ihnen werden die Konditionen regelmäßig angepaßt. Zweitens stellen solche Marktphasen oft die Ruhe vor dem Sturm dar. Sollte es positive oder negative Impulse von außen geben, dürfte der Markt schnell und deutlich reagieren. Auch die Volatlilitäten würden dann deutlich anziehen. Wer in einer „ruhigen Marktphase“ Discounter gekauft hat ist dann erst einmal gekniffen. Denn der Kurs solcher Papiere wird dann erst einmal fallen.
Insgesamt ist der Reiz groß, auf steigende Volatilitäten zu spekulieren. Allerdings gibt es für Normalanleger nur relativ wenige Möglichkeiten: Es gibt ein Zertifikat in der Schweiz von der UBS und eines von Merrill Lynch. Allerdings reagieren sie während der Laufzeit unterdurchschnittlich auf Volatilitätsänderungen und nur bei Verfall im Verhältnis von eins zu eins.
Damit bleibt nur der Kauf von normalen Optionen. Wenn der Anleger vor allem auf die Volatilität abzielt, sind Verkaufsoptionen die richtige Wahl. Denn „die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß es bei tiefen Volatilitäten zu einem Crash“ kommt, sagte beispielsweise der Derivateexperte einer internationalen Großbank. „Außerdem ziehen die Vols nur dann richtig an, wenn es deutlich nach unten geht,“ ergänzte er. Allerdings rechnet er zunächst mit einer längeren Sommerpause und erst danach mit mehr „Action“.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |