02.07.2007 · Aktienanleihen und Discount-Zertifikate werden gelegentlich als „defensive Anlageprodukte“ beschrieben. Das sind sie nicht. Multi-Aktienanleihen bieten nicht nur Abwärtsrisiken, sondern kontern auch noch Diversifikationsbemühungen.
In Deutschland boomt das Geschäft mit Zertifikaten und strukturierten Finanzprodukten aller Art. Nie war die Anzahl der auf den Markt kommenden und ausstehenden verbrieften Wertpapiere größer als heute.
Diese Entwicklung dürfte kaum verwundern. Denn die Anleger scheinen - inspiriert von der massiven Werbung der Anbieter oder auch auf Empfehlung von Anlageberatern - auf diese Produkte „abzufahren“.
Aktien bringen eine hohe Durchschnittsrendite, wenn man die Risiken kappt
Das ist etwas seltsam, gelten deutsche Anleger doch traditionell als risikoscheu. Das zeigt sich daran, dass sie zumindest im Durchschnitt nur einen geringen Anteil ihrer Vermögen in Aktien investieren, obwohl diese langfristig höhere Renditen bringen als andere Anlageformen. Das gilt zumindest dann, wenn der einzelne Anleger Verluste vermeidet oder rechtzeitig kappt.
So scheint es verwunderlich zu sein, dass dieselben Anleger, die die Risiken von Aktien meiden, sich gleichzeitig massenhaft Zertifikate ins Depot legen oder legen lassen. Dabei sind diese intransparenter und unter Berücksichtigung ihrer Risiko-Ertrags-Charakteristika oft riskanter oder weniger attraktiv als der Kauf eines Aktienkorbes oder eines günstigen Fonds.
Das zeigt sich unter anderem an einfach gestrickten Aktienanleihen, Discountzertifikaten oder ähnlichen Konstruktionen. Sie versprächen nicht nur eine höhere Verzinsung als Anleihen oder Geldmarktanlagen, sondern seien zudem auch noch defensiv, ist immer wieder zu lesen. Dabei ist das grundverkehrt. Denn wer eine Aktienanleihe kauft, gibt die Chance auf eine ausgedehnte Kursbewegung nach oben auf und legt sich dafür das volle Risiko von Kursverlusten ins Depot.
Multi-Aktienanleihen: Abwärtsrisiko plus „Anti-Diversifikation“
Für das Risiko wird er zwar mit einer gewissen Risikoprämie entlohnt, diese ist allerdings in Zeiten tiefer Volatilitäten sehr gering und damit unattraktiv. Denn je tiefer die Volatilität ist, desto geringer ist die erzielbare Prämie und desto größer ist das Verlustrisiko, das sich entweder in Form tatsächlicher Kursverluste oder in Form entgangener Kursgewinne zeigen kann. Damit fällt das Risiko-Ertrags-Profil einer Aktienanleihe asymmetrisch zu den Lasten des Anlegers aus.
Das ist jedoch nicht alles. Denn führen tiefe Volatilitäten zu einer relativ uninteressanten optischen Rendite, so versuchen die Anbieter diese mit allen Tricks optisch aufzubessern. Ein Beispiel dafür sind die so genannten Multi-Aktienanleihen von Sal. Oppenheim. Bei diesen Konstrukten bezieht sich die Wertentwicklung nicht auf eine einzelne Aktie und ihre Volatilität, sondern auf einen Aktienkorb wie etwa dem Papier mit der Isin DE000SDL49M0, das sich zum Beispiel auf die Papiere von Daimler-Chrysler, Eon und SAP bezieht.
Sollten diese Aktien nach oben laufen, so bietet die Multi-Aktienanleihe eine maximale Rendite von 16,75 Prozent per annum. Das sieht optisch attraktiv aus. Sollte allerdings eine der Aktien am Ende der Laufzeit unter ihrem jeweiligen Wandlungspreis (Daimler-Chrysler: 67,50 Euro; Eon: 122,50 Euro; SAP: 38 Euro) liegen, so würde der Anleger abgesehen vom versprochenen Nominalkupon nur den anteiligen Gegenwert dieser Aktie erhalten. Auf diese Weise legt er sich nicht nur das Risiko von Kursverlusten ins Depot, sondern verfolgt auch noch eine Strategie der Anti-Diversifikation. Aus diesem Grund ist das Papier doppelt riskant, auch wenn der Kupon noch so verlockend aussehen mag.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |