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Finanzmarkt Friedlich und rentierlich

22.08.2005 ·  Ethische Maßstäbe helfen bei der Geldanlage: Wer Menschenrechte und Umwelt achtet, darf auf nachhaltige Rendite hoffen. Denn die „ethischen Anlagen“ brauchen den Vergleich zu anderen Investments nicht zu scheuen.

Von Dyrk Scherff
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Auch prominente Persönlichkeiten sind von der Idee überzeugt. Al Gore, der Vize von Amerikas Expräsident Bill Clinton, gründete 2004 mit Partnern aus der Investmentbranche einen eigenen Fonds. Das Besondere: Er legt sein Geld in Unternehmen an, die nicht nur wirtschaftlich interessant sind, sondern auch ökologische und soziale Standards erfüllen.

Der Fonds ist kein Einzelfall. Der Markt für diese auch als ethisch bezeichnete Form der Geldanlage boomt - auch in Deutschland. Darauf spezialisierte Publikumsfonds verwalteten hierzulande 2004 mit 5,3 Milliarden Euro fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr, hat das Sustainable Business Institute (SBI) ermittelt, eine Einrichtung an der European Business School in Oestrich-Winkel.

Ansehnliche Renditen

Der Gesamtmarkt der Fonds wuchs im weitaus geringeren Maß. Das liegt nicht nur am gestiegenen Umweltbewußtsein, sondern auch an der Rendite, die mit einer herkömmlichen Geldanlage meistens mithalten kann.

Die Idee für diese Art des Investierens ist nicht neu. Die Ursprünge gehen auf die zwanziger Jahre zurück, als die Methodist Church in Amerika am Aktienmarkt investieren wollte, den sie aber zuvor als eine Art von Glücksspiel ansah. So schloß sie Unternehmen, die Alkohol produzierten und mit dem Glücksspiel zu tun hatten, aus ihrem Anlagespektrum aus.

Die Kritik am Vietnam-Krieg veranlaßte in den siebziger Jahren einige Anleger dazu, nicht mehr in Rüstungshersteller zu investieren. Mehr als zehn Jahre später resultierte schließlich das aufkommende Umweltbewußtsein 1988 in einem ersten Ökofonds in Großbritannien. Er vermied Investments in umweltschädigenden Industrien. Der Begriff der nachhaltigen Geldanlage (Sustainability) kam auf.

Friedensfördernd, sozial und ökologisch

Mit diesen Vorläufern waren die wichtigsten Kriterien für ethisches Investment gesetzt: Es sollte friedensfördernd, sozial und ökologisch sein. Eine einheitliche Definition gibt es aber heute immer noch nicht - ein Fallstrick für Anleger. Denn jeder Investor legt die Kriterien frei fest.

Manche Kirchen etwa haben bei ihrer Geldanlage die Hersteller von Verhütungsmitteln ausgenommen. Ganz radikale Verfechter investieren nur in Unternehmen oder gemeinnützige Einrichtungen, die nicht das Ziel haben, Gewinne zu erwirtschaften. Um Publikumsfonds die Möglichkeit zu geben, das wachsende Interesse durch Auflegen von ethischen Fonds zu befriedigen, haben führende Indexanbieter wie Dow Jones oder FTSE Nachhaltigkeitsindizes entwickelt, an denen sich die Fonds ausrichten können. In diese Indizes werden nur Unternehmen aufgenommen, die ethische Kriterien erfüllen.

Ein Vergleich dieser Meßlatten mit herkömmlichen Indizes zeigt, daß die Wertentwicklung von ethischen Geldanlagen nicht hinter der der traditionellen zurückbleiben muß (siehe Grafik). So schnitt der Dow Jones Sustainability Index in diesem Jahr zwar etwas schlechter ab als der MSCI-World-Aktienindex, der bei seiner Zusammensetzung keine ethischen Maßstäbe anlegt. Aber über längere Zeiträume lagen beide Indizes in etwa gleichauf. Das heißt, eine Anlage in einzelne als ethisch angesehene Aktien kann sich lohnen.

Unklareres Bild bei Fonds

Bei Fonds ist das Bild unklarer (siehe Tabelle). Zwar schlug der beste Ethikfonds in allen Zeiträumen den MSCI-Weltaktienindex. Er ist aber weniger erfolgreich als die besten traditionellen Aktienfonds. Die nächstplazierten Nachhaltigkeitsfonds erwirtschaften zwar gute Renditen, entwickelten sich aber teils schlechter als der MSCI.

Daß ethisches Investment bei der Rendite generell mithalten kann, überrascht auf den ersten Blick. Denn man könnte glauben, überdurchschnittlich hohe Aufwendungen der Unternehmen für ökologische Verbesserungen oder Erhöhung der sozialen Standards würden den Gewinn und damit die Kursgewinne schmälern. Doch sie können die Rendite auch fördern.

So schont Energiesparen nicht nur die Umwelt, sondern reduziert auch Kosten und erleichtert die Genehmigung des nächsten Werkes. Hohe soziale Standards motivieren die Mitarbeiter und steigern so deren Produktivität. Wegen dieser Argumente setzen auch zunehmend Großinvestoren aus reinen Renditeerwägungen auf ethische Investments - ein Grund für den derzeitigen Boom der Branche.

Deutsche Telekom, Adidas und Henkel mit sehr gute Noten

Wer nicht Fonds, sondern Einzelwerte bevorzugt, findet genügend Aktien, die die Ethikkriterien erfüllen - auch in Deutschland. Dow Jones gibt in seinen Nachhaltigkeits-Indizes etwa der Deutschen Telekom, Adidas und Henkel sehr gute Noten.

Auch die „geächteten“ Branchen wie Rüstung schließt der Indexanbieter nicht von vornherein aus. „Wir würden uns sonst die Chance nehmen, solche Unternehmen positiv zu beeinflussen“, begründet Alexander Barkawi von SAM Indexes, die mit Dow Jones zusammenarbeiten. So könnte ein Waffenhersteller belohnt werden, wenn er nicht in Kriegsgebiete liefert, oder eine Ölgesellschaft, wenn sie überdurchschnittlich viel in erneuerbare Energien investiert. Ethisches Investieren wird manchmal eben sehr weit ausgelegt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.08.2005, Nr. 33 / Seite 47
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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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