Home
http://www.faz.net/-gvf-s19t
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Finanzmarkt Deutsche Konzerne sind an der Börse Federgewichte

01.03.2006 ·  Deutsche Unternehmen spielen gemessen an ihrem Börsenwert nur noch die zweite Geige. Weder unter den 50 größten Aktiengesellschaften der Welt noch unten den zehn größten europäischen Börsenwerten taucht ein deutscher Name auf.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Deutsche Unternehmen sind gemessen an ihrem Börsenwert Leichtgewichte. Weder unter den 50 größten Aktiengesellschaften der Welt noch unten den zehn größten europäischen Börsenwerten taucht ein deutscher Name auf.

Siemens, mit einer Marktkapitalisierung von 69 Milliarden Euro das Flaggschiff des deutschen Aktienmarktes, rangiert nach Bloomberg-Angaben weltweit auf Platz 59, europaweit auf Platz 16. Selbst in Kontinentaleuropa, also bei Ausklammerung der schweren britischen Aktiengesellschaften, landet der Elektrokonzern nur auf Platz 11.

Abstieg der deutschen Konzerne

Das war nicht immer so. Vor zwanzig Jahren spielten die deutschen Aktiengesellschaften noch weit oben mit. In Kontinentaleuropa kamen mit Daimler-Benz, Siemens, Allianz, Deutsche Bank, Bayer, BASF und Hoechst gleich sieben der zehn größten Börsenwerte aus Deutschland. Der Abstieg der deutschen Konzerne erklärt sich zum einen mit ihrer im internationalen Vergleich gesunkenen Profitabilität. Zum anderen haben sich die großen deutschen Aktiengesellschaften an den zahlreichen Konsolidierungswellen nicht so stark beteiligt, wie dies etwa britische, französische und schweizerische Konzerne taten. Unternehmen wie HSBC, Total, Glaxo Smith Kline und Vodafone, die heute zu den Top 10 in Europa gehören, haben sich auch durch Fusionen auf diese Plätze katapultiert.

Nur wenn eine Übernahme mit neuen Aktien bezahlt wird, erhöht sich die Börsenkapitalisierung entsprechend. Wird hingegen ein Zukauf bar bezahlt, steigt zwar die Fremdverschuldung des Unternehmens, doch bleibt die Zahl der ausstehenden Aktien und damit der Börsenwert erst einmal unverändert. Eon, mit einem Börsenwert von 64 Milliarden Euro zur Zeit die zweitgrößte deutsche Aktiengesellschaft, würde deshalb auch bei einem erfolgreichen Kauf des spanischen Versorgers Endesa nicht in die Top 10 vorstoßen. Der deutsche Energiekonzern hat nämlich 29 Milliarden Euro in bar geboten.

Diese Differenzierung zeigt auch, daß der Börsenwert von Aktiengesellschaften nicht unbedingt Rückschlüsse auf deren volkswirtschaftliche Bedeutung, also ihre Wertschöpfung, zuläßt. Gemessen am Umsatz zählen nämlich mit Daimler-Chrysler, Allianz, Volkswagen und Siemens gleich vier deutsche Unternehmen zu den Top 10 in Europa. Noch deutlicher zeigt sich die Unterscheidung zwischen Börsenwert und Umsatz am Beispiel von General Motors und Ford Motor. Die beiden größten Autohersteller Amerikas zählen zu den zehn umsatzstärksten Unternehmen der Welt. Ihr addierter Börsenwert beträgt aber nur noch umgerechnet 22 Milliarden Euro, gerade einmal etwas mehr, als die deutsche Commerzbank auf die Waage bringt.

Energiekonzerne sind die aktuellen Schwergewichte

Dominiert werden die vorderen Plätze der Weltrangliste der börsennotierten Unternehmen mehr denn je von Energiekonzernen, was vor allem eine Folge des stark gestiegenen Ölpreises ist. Unter den 20 am höchsten bewerteten Aktiengesellschaften der Welt finden sich allein sechs Energiekonzerne, nämlich Exxon Mobil, BP, Royal Dutch Shell, Gasprom, Petro-China und Total. Die russische Gasprom, deren Aktienkurs in den zurückliegenden zwölf Monaten um fast 170 Prozent gestiegen ist, bringt es schon auf einen Börsenwert von 155 Milliarden Euro und ist damit nur mehr wenige Milliarden von den Top 10 entfernt.

Noch zur Jahrtausendwende waren es Technologie- und Telekommunikationskonzerne wie Cisco Systems, Intel, Nokia und Vodafone, die die oberen Plätze dominierten. Cisco Systems überflügelte seinerzeit mit einem Börsenwert von 600 Milliarden Dollar sogar kurzzeitig Microsoft als das schwerste Unternehmen der Welt. Heute ist der Netzwerkausrüster mit einer Marktkapitalisierung von gut 125 Milliarden Dollar nicht einmal mehr unter den 25 größten Aktiengesellschaften der Welt anzutreffen. Auch die Deutsche Telekom war damals kurzzeitig unter den Top 10 der Welt anzutreffen. Inzwischen läuft das Unternehmen sogar Gefahr, aus den Top 100 herauszufallen. In Deutschland könnte die Telekom bald auf Platz 5 durchgereicht werden. Allianz und SAP sind auf Haaresbreite an die Telekom herangekommen.

Quelle: F.A.Z., 02.03.2006, Nr. 52 / Seite 21
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,29 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,20 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%