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Finanzmarkt Der Entry Standard erinnert etwas an den Neuen Markt

26.10.2006 ·  Der Entry Standard wird ein Jahr alt. Ging man davon aus, die Anleger hätten nach den Turbulenzen am Neuen Markt ihre Risikobereitschaft verloren, so lehrt der Erfolg des neuen Segmentes etwas anderes. Anleger greifen zu, machen aber nicht nur gute Erfahrungen.

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Ging man davon aus, die Anleger hätten nach den Turbulenzen am Neuen Markt ihre Risikobereitschaft verloren, so lehrt die Erfahrung etwas anderes. Denn der Entry Standard, von der Deutschen Börse als Nachfolgesegment für den Neuen Markt nach dem Vorbild des Londoner Alternative Investment Market konzipiert, scheint sowohl Unternehmen als auch Anleger anzuziehen.

Ein Jahr nach seinem Start ist das am schwächsten regulierten Segment nach Ansicht der Deutschen Börse ein Erfolg. Immerhin seien inzwischen die Aktien von 66 Unternehmen gelistet, darunter auch die von sechs ausländischen Unternehmen. Und der Entry All Share Index, den die Börse seit dem Start des neuen Segments berechnet, legte seit seinem Start um rund 20 Prozent zu, heißt es. Die gesamte Marktkapitalisierung der im Entry Standard gelisteten Unternehmen beträgt nach Berechnungen der Börse 4,8 Milliarden Euro.

Die „Kursperlen“ scheinen in der Minderheit zu sein

Solche Argumente klingen gut. Allerdings werden sie bei einem näheren Blick auf die Entwicklung des Index als auch der einzelnen Werte etwas relativiert. Denn deutet schon der Index aufgrund seines Verlaufs auf eine zunächst entstandene und schließlich abflauende Euphorie hin, so dürfte auch der Kursverlauf vieler der im Segment enthaltenen Werte zu einer gewissen Ernüchterung führen.

Der Entry Standard erinnert etwas an den Neuen Markt

Vielfach tendieren die Papiere eindeutig nach unten und deuten auf diese Weise sowohl Zweifel an den Plazierungspreisen als auch an den Geschäftsmodellen der Unternehmen an. Dabei richtet sich das Segment aufgrund der lockeren Transparenzrichtlinien nicht in erster Linie an Privatanleger, sondern eher an erfahrene, professionelle Investoren. Und diese sollten den Wert eines Papiers richtig einschätzen können, sollte man denken.

Die Erfahrung - siehe die Abwärtstrends vieler Papiere - spricht vielfach dagegen. Vor allem dann, wenn man den Kursverlauf des einen oder anderen Beteiligungsunternehmens betrachtet, das in diesem Segment sowohl gelistet ist als auch aktiv ist. Auch das dürfte nicht verwundern, hat sich doch mancher Fondsmanager schon am Neuen Markt eine blutige Nase geholt. Dieses Segment war nach zahlreichen Skandalen im Jahr 2003 eingestellt worden, da es zum Symbol für die Exzesse in den Jahren der Börseneuphorie geworden und als Imageträger für die Börse nicht mehr haltbar war.

Selektion der Einzelwerte empfehlenswert

Insgesamt dürfte es ratsam sein, die Papiere des Segments und vor allem auch die Börsenkandidaten kritischer zu betrachten. Es gibt zwar immer wieder Unternehmensperlen, die den flexiblen und kosteneffizienten Zugang zum Kapitalmarkt mit niedrigen regulatorischen Anforderungen für sich in Anspruch nehmen können, auch zum Vorteil der Anleger. Auf der anderen Seite scheint das Segment auch von Anteilseignern genutzt zu werden, um trotz zweifelhafter fundamentaler Perspektiven Kasse zu machen.

Auch anlagespezifische Modethemen scheinen voll durchzuschlagen. Anders läßt sich das Drängen von Immobilien-, Minen-, Nanotechunternehmen und den Anbietern alternativer Energien kaum erklären. Auch das kann zu denken geben. Denn wenn das Motto „Wer zu spät kommt, den bestraft die Börse“ lautet, können an der Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle Zweifel aufkommen.

Insgesamt stellt der Entry Standard einerseits für innovative Unternehmen einen Kanal zur Eigenkapitalbeschaffung und für Beteiligungsgesellschaften einen Exitkanal dar. Gerade die Private-Equity-Unternehmen tendieren jedoch dazu, dann auszusteigen, wenn das große Geld schon verdient ist. In diesem Sinne dürfte eine genaue und vor allem auch radikale Selektion der Einzelwerte ratsam sein. Besser man kauft ein Papier nicht, als man kauft nur heiße Luft - und die auch noch zu teuer.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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