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Mittwoch, 15. Februar 2012
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Finanzmarkt Anleger bleiben auf Zertifikaten sitzen

28.01.2008 ·  An den Börsen in Stuttgart und Frankfurt gab es in den vergangenen Tagen Handelseinschränkungen. Der Handel mit vielen Zertifikaten wurde teilweise unterbrochen. Das kann zu hohen Verlusten führen. Die Banken weisen die Schuld von sich.

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Die Listen der Handelseinschränkungen an den Börsen in Stuttgart und Frankfurt werden dieser Tage immer länger. Betroffen von den ungewöhnlich hohen Handelsausfällen sind vor allem Zertifikate und spekulative Hebelprodukte. Mitunter sind Tausende Produkte stundenlang nicht handelbar. Die Computersysteme sind offenbar mit den extrem hohen Handelsvolumina und auch den starken Kursschwankungen der vergangenen Tage überlastet.

So musste die Frankfurter Derivatebörse Scoach immer wieder Meldungen der Handelsüberwachungsstelle wie „Diverse Emittenten: Handelseinschränkung aufgrund Marktbewegung“ oder „Diverse Emittenten: Starke Einschränkung in der Orderausführung“ veröffentlichen. Aber auch die Börsen selbst hatten ihre Schwierigkeiten. Die Deutsche Börse berichtete von Skontroführern, die nicht die Ausführung von Aufträgen in den gewünschten 30 Sekunden schafften, die Stuttgarter Derivatebörse Euwax räumte ein, dass die Kurse nicht immer zeitlich exakt dargestellt waren.

Produkte werden als sicher angepriesen - und lassen sich dann stundenlang nicht handeln

„Wenn der Dax um mehrere hundert Punkte fällt, dann geht es bei allen Beteiligten hoch her“, sagt Uwe Velten, Sprecher der Stuttgarter Börse. „Da muss man auch Verständnis haben, wenn nicht alles reibungslos klappt.“ Die Privatanleger jedenfalls hätten besonnen reagiert. Emittenten von Zertifikaten hingegen berichteten von erbosten Anrufern, die ihre Zertifikate nicht handeln konnten.

Für die Anleger, die in den vergangenen Jahren verstärkt Zertifikate gekauft haben (siehe Grafik), bedeutet dies mitunter hohe Verluste. Denn gerade bei Produkten, deren Rendite eng an das Überschreiten bestimmter Schwellen gebunden ist, kann ein mehrstündiger Handelsausfall teuer werden. So verfallen Knock-Out-Produkte beim Erreichen einer bestimmten Schwelle nahezu wertlos, und die Bonusprodukte verlieren beim Unterschreiten des Sicherheitspuffers ihren Bonusanspruch. Aufgrund des starken Kursrückgangs seit Jahresbeginn haben viele als sicher angepriesene Produkte ihre Sicherheitsschwellen nach unten durchbrochen oder sind ihnen nahe gekommen.

Ausreden finden sich im Kleingedruckten

„In unseren Prospekten heißt es, dass wir unter gewöhnlichen Marktbedingungen beabsichtigen, regelmäßig Preise für den An- und Verkauf für Zertifikate zu stellen“, beschreibt Nicole Wittmann vom Bankhaus Sal. Oppenheim die marktübliche Formulierung. Eine Garantie für den Anleger, dass er seine Produkte jederzeit kaufen und verkaufen kann, gibt es somit nicht. „In die Berechnung der Preise gehen eine Unmenge von Parametern ein, und wenn dann der Basiswert noch große Sprünge macht, steigt die Wahrscheinlichkeit für Ausfälle des Systems“, heißt es bei einem Emittenten. Die Produkte seien schließlich ihrerseits mit vielen anderen Finanzprodukten hinterlegt, deren Handel mitunter an besonders hektischen Tagen eingeschränkt sei.

Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat dafür kein Verständnis. „Die Probleme sind ja nicht das erste Mal aufgetreten, sondern regelmäßig zu starken Handelszeiten“, sagt Kurz. Die Emittenten hätten schon vor Jahren zugesichert, in ihre Infrastruktur zu investieren. „Entweder haben sie es nicht gemacht, oder sie wollen es gar nicht.“ Besonders kritisch sieht er, dass die Emittenten nicht verpflichtet sind, Kurse zu stellen. „Die meisten Anleger werden davon negativ überrascht, weil kaum jemand die Hunderte Seiten dicken Prospekte liest.“

Rupertus Rothenhäuser von BNP Paribas tritt dem Eindruck entgegen, es sei zu wenig investiert worden: „Wir haben sehr viel in die technische Infrastruktur investiert und haben zum Beispiel an dem Montag, als der Dax um 7 Prozent fiel, einige Dutzend Millionen Kurse ordnungsgemäß gestellt.“ Unabhängig davon müssten auch Börsen, Informationsdienste und Online-Broker angesichts von mehr als 250.000 Derivaten in ihre Infrastruktur investieren. Zudem müssen angesichts der hohen Kursschwankungen derzeit mehr als doppelt so viele Kurse gestellt werden wie sonst.

Siehe auch:

Frankfurt: Die aktuellen „Ausfälle” bei Hebelzertifikaten

und

Die aktuellen "Ausfälle" bei Hebelzertifikaten

Quelle: dmoh., F.A.Z., 29.01.2008, Nr. 24 / Seite 25
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