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Finanzmarkt Aktienanleihen und Diskontzertifikate uninteressant

18.12.2006 ·  Aktienanleihen und Discount-Zertifikate werden gelegentlich als „defensive Anlageprodukte“ beschrieben. Das sind sie jedoch keineswegs. Sie sind riskant und aufgrund der immer tiefer fallenden Volatilitäten gleichzeitig unattraktiv.

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Deutschland befindet sich nicht nur im Börsen-, sondern auch im Zertifikateboom. Nie war die Anzahl der auf den Markt kommenden und ausstehenden strukturieren Produkte größer als aktuell. Damit steht eines fest: die Anbieter verdienen mit den Produkten gutes Geld, sonst wären sie nicht so expansiv. Ob das für die Anleger auch gilt, steht auf einem anderen Blatt.

Die Art und Weise wie die verschiedenen Produkte beworben werden und wie unkritisch oft über sie berichtet wird, kann zu einem etwas unguten Gefühl führen. Das zeigt sich unter anderem an einfach gestrickten Aktienanleihen, Discountzertifikaten oder wie immer vergleichbare Angebote auch genannt werden mögen.

Optisch attraktive Renditen werden mit hohen Risiken erkauft

Sie versprächen nicht nur eine höhere Verzinsung als Anleihen oder Geldmarktanlagen, sondern seien zudem auch noch defensiv, ist immer wieder einmal zu lesen. Das erste Argument mag optisch betrachtet zutreffen, das zweite jedoch ist eine dubiose Argumentation.

Denn entgegen dem oberflächlichen Eindruck handelt es sich bei einer Aktienanleihe keineswegs um eine Anleihe im herkömmlichen Sinne, sondern um eine Kombination zwischen einer Geldmarktanlage und einer Option. Der Anleger plaziert im Prinzip sein Geld am Geldmarkt und verkauft zusätzlich eine Verkaufsoption auf eine Aktie oder einen Index gegen eine Prämie. Nur über das „Kassieren“ dieser Prämie lassen sich die scheinbar attraktiven Renditen erklären - und nur diese Prämie stellt den vielgepriesenen Puffer gegen fallende Kurse dar.

Bei der Bestimmung der Prämie spielen alle Faktoren eine Rolle, die Optionspreise bewegen: angefangen vom Kurs des Basiswertes über die Zinsen bis hin zur Volatilität. Je höher die Volatilität ist, desto höher wird auch die Prämie und damit die mögliche Rendite einer Aktienanleihe. Aus diesem Grund lohnt sich der Kauf einer Aktienanleihe vor allem nach starken Marktschwankungen in Verbindung mit der Aussicht auf eine absehbare Beruhigung.

Das ist jedoch in der gegenwärtigen Lage absolut nicht der Fall. Denn aufgrund der überaus positiven Stimmung im Markt und der bis anhin anhaltenden Aufwärtstrends sind die Volatilitäten an den Börsen in den vergangenen Wochen auf Rekordtiefs gefallen. Das macht Aktienanleihen, Discount-Zertifikate, Reverse Convertibles oder wie immer vergleichbare Produkte auch benannt sein mögen, immer unattraktiver.

Asymmetrisches Rendite-Risikoprofil

Denn aufgrund der geringen Volatilität wird die beim Verkauf von Optionen kassierte Prämie und damit „der so genannte defensive Puffer nach unten“ immer kleiner. Sollte die Aktie oder Markt plötzlich nach unten drehen, würde der Anleger schon nach einer kleinen Kursbewegung Verluste erzielen. Das ist jedoch nicht alles. Denn nicht nur der so genannte „Risikopuffer“ ist gegenwärtig sehr klein, sondern gleichzeitig gibt der Anleger dafür auch sämtliche Chancen auf gute Kursgewinne auf. Der Kauf solcher Produkte führte in den vergangenen Monaten zu massiven Opportunitätsverlusten.

Die mögliche Maximalrendite erzielt der Anleger nur, wenn er solche Papiere zum Emissionszeitpunkt erwirbt und wenn die unterliegende Aktie oder der Index bei Verfall leicht über dem Wandlungspreis liegen. In allen anderen Fällen erzielt er entweder eine Minderrendite oder gar massive Verluste. Insgesamt ist das Risikoprofil der Produkte asymmetrisch: unbegrenztes Risiko nach unten und begrenzte Chancen nach oben. In diesem Sinne sind Produkte dieser Art im Moment nicht nur uninteressant, sondern möglicherweise sogar gefährlich. Die Stimmung an den Börsen ist zwar sehr optimistisch und eine breite Mehrheit rechnet weiterhin mit steigenden Kursen. Allerdings war das auch schon im Jahr 1999 so.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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