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Finanzmärkte Zertifikate und Fonds im Gebührenstreit

06.04.2009 ·  Die deutschen Anleger halten derzeit ihre Geldbeutel zu. Das verschärft den Verteilungskampf zwischen Fondsgesellschaften und Zertifikateanbietern. Im direkten Vergleich ist die Investmentbranche immer noch viel transparenter.

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Die deutschen Anleger halten derzeit ihre Geldbeutel zu. Und dies verschärft den Verteilungskampf zwischen Fondsgesellschaften und Zertifikateanbietern um die wenigen Gelder, die zur Neuanlage anstehen.

Doch sogar aus der Zertifikatebranche kommt mittlerweile Kritik am Geschäftsgebaren von Konkurrenten aus dem eigenen Lager: „Zertifikate waren auch deshalb so erfolgreich, weil Gebühren eingepreist werden konnten, die für niemand Außenstehenden sichtbar sind“, heißt es bei einem führenden Zertifikateanbieter in Deutschland. Die Bemühungen um Transparenz hätten wenig gebracht. Die ausgewiesenen Kosten seien oft nur die Spitze des Eisbergs.

Anbieter verheimlichen die internen Kosten

Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivateverbands (DDV), will diese Vorwürfe so nicht stehen lassen. „Was der Emittent an den Zertifikaten verdient, ist doch gleichgültig“, meint Brandau. Beim Preis für eine Tüte Milch sei es ebenfalls unerheblich, wie viel die Molkerei daran verdiene. Entscheidend bei Zertifikaten sei, dass der Anleger eine Erwartung habe, in welche Richtung sich der Markt entwickele, und dass sich diese Erwartung für ihn erfülle. „In keiner Branche der Welt wird die Preisbildung offengelegt“, weist Brandau Forderungen nach größerer Transparenz zurück.

Die EU-Richtlinie Mifid über die Märkte für Finanzinstrumente, die Ende 2007 in deutsches Recht umgesetzt wurde, schuf klarere Vorgaben für die Zertifikateanbieter. So müssen sie heute angeben, ob sie ein Aufgeld (Agio) erheben. „Der Anleger soll wissen, mit welchem Betrag seines Investments er an der Entwicklung des jeweiligen Referenzmarktes (Underlying) partizipiert“, erklärt Rechtsanwalt Jochen Eichhorn von der Kanzlei Lachner Graf von Westphalen Spamer. „Sofern zusätzliche Kosten, wie zum Beispiel Transaktionsgebühren, relevant sein sollten, sind diese ebenfalls zu benennen.“ Allerdings müssen die Emittenten von Zertifikaten nach wie vor nicht ihre internen Kosten veröffentlichen, etwa die für die Strukturierung des Produkts, für die Verwaltung oder für den Kauf von Absicherungsinstrumenten. Auch die Fondsgesellschaften müssen nicht alle Kosten offenlegen. So werden die Transaktionskosten, die auf Fondsebene im Wertpapierhandel anfallen, nicht unbedingt darin ausgewiesen.

Dennoch erfahren Fondssparer mehr als Zertifikatekäufer. So müssen die Fondsgesellschaften mitteilen, wie hoch der Aufschlag bei der Ausgabe der Fondsanteile ist und wie hoch der Abschlag bei ihrer Rücknahme. Auch müssen sie Angaben über die Zahlungen aus dem Fondsvermögen machen, beispielsweise an die Depotbank. Außerdem müssen die Fondsgesellschaften die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio oder TER) nennen, die jedoch auch nicht alle Kosten berücksichtigt. „Alle diese und noch weitere Informationsregeln machen den Investmentfonds zu einem vergleichsweise transparenten Anlageprodukt“, folgert Eichhorn. Ein reiner Kostenvergleich zwischen Investmentfonds und Zertifikaten lässt außerdem außer Acht, dass Anleger bei Aktienfonds im Gegensatz zu vielen Zertifikatekäufern an den Dividenden partizipieren, welche die Unternehmen ausschütten.

Anleger werden kostenbewusster als in der Vergangenheit

Angesichts der Finanzkrise ist Sicherheit Trumpf bei den Anlegern und nicht mehr das Gewinnpotential einer Geldanlage. Die Abkehr vom Renditedenken führt auch dazu, dass die Anleger kostenbewusster werden. So senkte die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, schon ihre Gebühren für Rentenfonds. Besonders augenfällig ist die Kehrtwende jedoch in der Zertifikatebranche: Dort hatte der eine oder andere Anbieter in der Vergangenheit die Käufer mit Gebühren von zum Teil 15 Prozent belastet. Heute sollten auf einem Zertifikat nicht mehr als 5 Prozent Gebühren lasten. In der Vergangenheit hat die Zertifikatebranche ihre Einnahmen auch erhöht, indem sie die Spreads, die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis für ihre Produkte, ausweitete. Da die Anleger jedoch stärker darauf achten, ist diese Praxis nicht mehr gängig. Heute gehen manche Anbieter dazu über, die Spanne zwar eng zu stellen, doch dafür den Mittelpreis so zu senken oder zu erhöhen, dass er für den Anleger nicht mehr interessant ist.

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