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Finanzmärkte Volkswirte: EU-Referendum berührt Kapitalmärkte nicht

30.05.2005 ·  Das „Nein“ der Franzosen zur EU-Verfassung ist politisch das allbeherrschende Thema am Montag. Die Kapitalmärkte zeigen sich dagegen unbeeindruckt.

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Die Franzosen haben die EU-Verfassung mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Ein herber Rückschlag für die Politik, eine bittere Niederlage für Jacques Chirac zwar, aber für die Kapitalmärkte ein Ereignis von eher nachrangiger Bedeutung, meinen von FAZ.NET befragte Volkswirte.

„Das bedeutet gar nichts“, bringt es Jaap van Duijn, Chefstratege der niederländischen Fondsgesellschaft Robeco, im Gespräch mit FAZ.NET auf den Punkt. Das Ergebnis der Abstimmung war erwartet worden und hatte seiner Ansicht nach keinerlei Einfluß auf die Kapitalmärkte. Zwar habe der Dollar gegen den Euro aufgewertet, doch ebenso gegen den Yen und das Pfund. Das zeige deutlich, daß diese Bewegung nichts mit dem französischen Referendum zu tun gehabt habe.

Auch für die Aktienmärkte sei das Referendum kein einschneidendes Ereignis. Ausgerechnet der französiche Aktienmarkt weise derzeit die beste Entwicklung in Europa auf, auch wenn er sich heute leicht schwächer zeige. Auch Stefan Bielmeyer, Volkswirt bei der Deutschen Bank, sieht keine Auswirkungen auf den Aktienmarkt. „Die Unternehmen werden von der Existenz einer EU-Verfassung kaum berührt“.

Politische Konsequenzen könnten die Märkte berühren

Sollte natürlich die EU-Kommission ihre wirtschaftspolitischen Leitlinien als Reaktion auf das Referendum ändern, so würde sich das sicherlich auch auf die Aktienmärkte auswirken. Aber das sei doch eine sehr langfristige Perspektive, die derzeit nicht abzusehen sei. Das sieht auch Rainer Sartoris, Analyst von HSBC Trinkaus & Burkhardt so. Natürlich sei es interessant, wie es weitergehe. Aber bislang sei die EU-Kommission auch ohne Verfassung ausgekommen. Befürchtungen über eine Gefährdung der Währungsunion hält er für übertrieben. Ein Rückschritt sei das Votum der französischen Wähler schon. Denn es handele sich letztlich ja nicht um ein Nein zur Verfassung, sondern viel mehr um den Ausdruck der Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen und politischen Lage in der Union. Dies müsse eigentlich ein Ansporn für die Kommission sein, die Eurozone wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Dann sei auch die Stimmung für ein solches Referendum viel besser.

Etwas kritischer betrachtet Commerzbank-Volkswirt Rolf Solveen die möglichen politischen Entwicklungen. Gerade vor dem Hintergrund der schlechten wirtschaftlichen Lage hält er es für möglich, daß die Kommission den Weg wählt, das Bild der EU bei den Bürgern positiver zu gestalten, indem sie ihre bisher eher auf internationalen Wettbewerb und eine Reform der Sozialsysteme zielende Politik verwässere. Wenn die EU dann sozusagen zum „Verteidigungsbollwerk gegen die böse Konkurrenz“ mutiere, werde das schon zu einem deutlich schwächeren Euro und zum Druck auf die Aktienmärkte führen.

Eindruck in Osteuropa

Am ehesten sehen die Ökonomen noch Auswirkungen auf die Rentenmärkte. Wenn das Referendum einen Einfluß auf die Kapitalmärkte habe, sagt Bielmeier etwas zurückhaltend, dann auf den Bondmarkt. Der Ausgang der Abstimmung könne ausländische Investoren über den weiteren Kurs der Europäischen Union verunsichern. Zögen die daraufhin Kapital aus Europa ab, würde das natürlich die Kurse auf den Rentenmärkten drücken. Van Duijn dagegen sieht auch hier keine Einflüsse: „Wenn es eine Auswirkung gehabt hätte, hätten die Renditen steigen müssen, aber sie sind gefallen“, sagt van Duijn. Man sehe: es gäbe keine Auswirkungen.

Deutlichere Auswirkungen scheinen sich dagegen auf die Währungen der Beitrittsländer zu zeigen. Überlagert von der Schwäche des südafrikanischen Rand notieren die Währungen Tschechiens, Ungarns, Polen und der Slowakei gegenüber dem Dollar am Montag deutlich schwächer. Doch Sartoris will das nicht überinterpretieren. Abwertungen habe es schon im Vorfeld des Referendums gegeben: „Da ist nicht viel passiert“.

Und die Aktienmärkte zeigen sich in der Tendenz im Osten der EU auch eher wenig beeindruckt. Während Warschau mit einem Plus von 0,3 Prozent leicht nach oben tendiert, orientieren sich Bratislava, Ljubljana und Budapest nach unten. Prag notierte zu Tagesbeginn schwächer, liegt aber aktuell leicht im Plus.

Auch wenn das französische Referendum für den politischen Prozeß der europäischen Einigung ein trauriges Ereignis von nicht zu unterschätzender Tragweite sein mag - für die Kapitalmärkte gilt: „Business as usual“.

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