22.12.2006 · Der internationale Wirtschaftsboom machte sich in den vergangenen Monaten vor allem an den Schwellenländer-Börsen positiv bemerkbar. Doch Vorsicht, die „Gewinnermärkte“ von gestern sind vielleicht die Verlierer von morgen.
Die Stimmung unter den Aktienanlegern ist hervorragend, konnten sie in den vergangenen Jahren doch deutliche Kursgewinne verbuchen. Auch der weitere Ausblick ist positiv, sehen doch die meisten Strategen kaum ein Wölkchen am Konjunkturhimmel.
Sie rechnen mit einer anhaltend robusten Wirtschaftsentwicklung und anhaltend hohen Unternehmensgewinnen. Und das, obwohl der amerikanische Häusermarkt schwächelt und sehr wahrscheinlich die global so wichtige Konsumnachfrage in den Vereinigten Staaten dämpfen wird und obwohl sich die Gewinnmargen der Unternehmen auf Rekordhoch befinden und eigentlich nur noch fallen können.
Schwellenländermärkte verbuchten die deutlichsten Kursgewinne
Sie rechnen optimistisch mit einer Abkopplung der Weltwirtschaft von der amerikanischen Konjunkturlokomotive, da das Wachstum in Europa und vor allem auch in den Schwellenländern eine Eigendynamik entwickelt habe. Ob diese Rechnung aufgehen wird, dürfte sich noch zeigen müssen.
Fakt ist jedoch, daß sich in den vergangenen Jahren der Wirtschafts- und der dadurch ausgelöste Energie- und Rohstoffboom vor allem in den Schwellenländern positiv bemerkbar machte. So dürfte es auch kaum verwundern, daß sich die Finanzmärkte in diesen Regionen in Verbindung mit Wirtschaftsreformen überproportional gut entwickelten. Allen voran die chilenische Börse.
Sie konnte seit Jahresbeginn in Euro gerechnet rund 150 Prozent zulegen. Dagegen sieht das Kursplus des Dax mit etwas mehr als 20 Prozent bescheiden aus. Auch im Vergleich mit den Kursgewinnen an den Börsen in Zypern, Vietnam, Venezuela, in Shanghai und Shenzhen, Marokko oder auch in Serbien und Kroatien. Diese Börsen führen die Liste der besten Finanzmärkte im laufenden Jahr an.
Das macht deutlich, daß man sich als Anleger nicht nur auf die heimischen Märkte konzentrieren sollte, sondern immer auch einen Blick über den Tellerrand hinaus wagen sollte. Zumindest dann, wenn man eine überdurchschnittliche Rendite in seinem Depot anstrebt. Allerdings gibt es keinen Ertrag ohne Risiko und ohne genau Beobachtung der Entwicklung.
„Gewinnermärkte“ von gestern sind die Verlierer von heute oder morgen?
Das zeigt sich daran, daß die „Gewinnermärkte“ des vergangenen Jahres in diesem Jahr zu den Verlierern zählen. Denn nach massiven Kursgewinnen im vergangenen Jahr „tankten“ die arabischen Börsen im laufenden Jahr kräftige Kursverluste. Am Ende der Rangliste liegt der saudische Tadawul All Share Index mit einem Minus von satten 57,7 Prozent seit Jahresbeginn, in Euro gerechnet.
Sollte sich die amerikanische Konjunktur deutlicher als erwartet abschwächen, könnte sich das aufgrund der weltwirtschaftlichen Verfechtung indirekt auf eine nachlassende Nachfrage nach Rohstoffen in den Schwellenländermärkten bemerkbar machen. Im Sog des weltweiten Kupfer-Booms haben beispielsweise chilenische Aktien ein höheres Bewertungsniveau erreicht als Börsenwerte in den benachbarten Ländern Argentinien und Brasilien.
Die chilenische Wirtschaft ist jedoch stark von der Entwicklung des Kupferpreises abhängig. Sollte er fallen, dürfte das im kommenden Jahr die Kursgewinne der Aktien in Chile zumindest begrenzen. Weil Kupfer einen Großteil der chilenischen Exporte ausmacht - in den ersten elf Monaten dieses Jahres waren es 54 Prozent -, dürften bei sinkenden Kupferpreisen wichtige positive Impulse von der Konjunktur für den Aktienmarkt in Chile ausbleiben. Ähnliches könnte auch für andere rohstoffreiche Länder gelten.
Auf dieser Basis dürfte man in den etablierten Märkten einerseits die Einzelwerte aufgrund der hohen Gewinnerwartungen sorgfältiger als bisher auswählen müssen. Auf der anderen Seite dürfte es ratsam sein, bei der so genannten Asset Allocation die einzelnen Regionen und Länder sorgfältiger als bisher zu gewichten. Denn eine große, gemeinsame Kursbewegung nach oben wie in der Vergangenheit dürfte eher unwahrscheinlich sein. Dafür sind verschiedene Märkte - neben dem chilenischen dürfte dazu unter anderem der indische zählen - zu teuer geworden, auch wenn sie langfristig noch so interessant sein mögen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |