11.03.2010 · Die Bankenkrise hat viele Staatsfonds gebeutelt. Einige sind schnell und mit Verlust wieder aus zu früh eingegangenen Investitionen in westliche Banken ausgestiegen. Andere haben länger durchgehalten und machten später mit Gewinn Kasse.
Viele Staatsfonds haben in der Finanz- und Bankenkrise bittere Verluste erlitten. Nur langsam erholen sie sich. Die zu verwaltenden Mittel dieser riesigen institutionellen Investoren sind auf global 3510 Milliarden Dollar gestiegen. Anfang vergangenen Jahres waren es noch 300 Millionen Dollar weniger.
Da fast alle großen Staatsfonds an den Aktien- und Anleihemärkten investieren, jeder zweite Fonds auch Geld in Immobilien und Infrastrukturprojekte steckt und ein Drittel dieser mächtigen Kapitalanleger Geld in Hedge-Fonds steckt, hat der Aufschwung an den Weltfinanzmärkten die Fonds wieder gestärkt. Anfang 2008 belief sich die Gesamtsumme des verwalteten Vermögens aller Staatsfonds nach Angaben der Analysegesellschaft Preqin auf 3000 Milliarden Dollar.
Mit zu frühem Kauf von Finanzwerten wurde viel Geld verbrannt
Diese Zahlen verschleiern jedoch das Schicksal, das die Staatsfonds mit ihren Investitionen in die westliche Bankenszene erlitten haben. Fonds aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuweit, Singapur und China hatten die Krise als Gelegenheit für lukrative Anlagen im Bankensektor genutzt und damit strauchelnden Banken wie Citigroup, UBS, Barclays, Bank of America Merrill Lynch dringend benötigtes Kapital zufließen lassen.
Viele Fonds hatten jedoch zu schnell reagiert und in den Jahren 2007 und 2008 investiert. Erst nach ihrem Engagement setzte die vorerst letzte, schmerzhafte Talfahrt der Bankaktien bis März 2009 ein. Für viele Fonds entpuppten sich ihre Investitionen als riskanter als erwartet. Die Angst vor einer Verstaatlichung der Banken veranlasste zum Beispiel den Staatsfonds Temasek, seine Beteiligung an Barclays in Höhe von anfangs 1 Milliarde Pfund auf dem Höhepunkt der Krise mit einem Verlust von geschätzt 500 bis 600 Millionen Pfund abzustoßen. Auch sein Paket an der Bank of America Merrill Lynch verkaufte Temasek wieder. Anfang März musste der Staatsfonds aus Singapur, Government of Singapore Investment Corp (GIC), mit einer Zwangswandelanleihe auf UBS-Aktien einen rechnerischen Verlust von 70 Prozent auf seine ursprüngliche Investition von 10 Milliarden Dollar schlucken.
Einige Fonds, die länger durchhielten, profitierten wenige Monate später von der rasanten Erholung der Bankaktien und machten wie Fonds aus Abu Dhabi und Katar Kasse, obwohl sie versprochen hatten, langfristige Bankinvestoren zu sein. Die Fonds, die den Banken die Stange hielten, erkennen jetzt aber, dass die Banken mit härteren aufsichtsrechtlichen Anforderungen konfrontiert werden, als dies 2008 absehbar war. Außerdem ist der Westen in eine schwerere Rezession mit entsprechenden Belastungen für die Kreditwirtschaft gerutscht. Auch das war 2008 so nicht abzuschätzen. Insgesamt haben Staatsfonds knapp 70 Milliarden Dollar in westliche Finanzinstitute gesteckt und fast ein Drittel des Wertes verloren.
Zwischenkorrektur der Rohstoffpreise und hohe Staatsausgaben zehren an der Substanz
Auch an der Heimatfront haben viele Staatsfonds zu kämpfen: Knapp 60 Prozent der Staatsfonds und ihrer Mittel speisen sich aus Erträgen des Öl- und Gasgeschäftes. Nach dem Zusammenbruch des Ölpreises von einem Rekord von 147 Dollar auf knapp 40 Dollar und jetzt wieder 80 Dollar, mussten die Fonds im Nahen Osten und Russland spärlichere Zuflüsse aus dem Öl- und Gasgeschäft in Kauf nehmen als 2008. Der russische Staatsfonds (Russia Reserve Funds) wurde von der Regierung zudem zur Finanzierung des Haushaltsdefizits genutzt und hat sich daher im vergangenen Jahr auf etwa 60 Milliarden Dollar mehr als halbiert.
Als größter Fonds gilt die Abu Dhabi Investment Authority. Die Investitionen dieses Fonds machen die doppelte Höhe des Bruttoinlandproduktes des Emirats Abu Dhabi aus. Dies ist ein Grund, warum die Turbulenzen um Dubai World nach Angaben von Moody's nicht die Bonitätsbewertung für die Schulden der Vereinigten Arabischen Emirate gefährden. Der zweitgrößte Fonds ist der Pensionsfonds der norwegischen Regierung. Er konnte im vergangenen Jahr eine Rendite an den Finanzmärkten von 25 Prozent erzielen und verwaltet mittlerweile ein Vermögen von 400 Milliarden Dollar. Drittgrößter Fonds der Welt ist der chinesische SAFE Investment Company. Allein diese drei größten Staatsfonds verwalten ein Vermögen von 1000 Milliarden Dollar.
Die gewaltigen Stützungsaktionen, mit denen amerikanische und europäische Banken mit Hilfe der Staatsfonds gerettet wurden, hat die politische Kritik, die vor der Finanzkrise an den Fonds geübt wurde, verstummen lassen. In Deutschland waren damals Diskussionen darüber entbrannt, ob diese Fonds reguliert und ihre Beteiligungen an national wichtigen Unternehmen beschränkt werden sollten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |