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Finanzmärkte Spekulation auf die amerikanische Zinspolitik

01.10.2007 ·  Die durch die amerikanische Zentralbank ausgelöste Zinssenkungsphantasie zieht die spekulativen Anleger nicht nur in amerikanische Akten, sondern macht auch die Märkte in Quasi-Dollarstaaten reizvoll.

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Wollten Anleger, Strategen und auch Geldpolitiker die amerikanische Konjunkturschwäche lange Zeit nicht wahr haben, so wurden sie spätestens durch die Kreditkrise widerlegt. Die amerikanische Zentralbank reagierte prompt und senkte den Leitzins überraschend und vor allem auch überraschend deutlich.

Ob das mittel- und längerfristig gut ist für die amerikanische Wirtschaft, wird sich erst noch zeigen müssen. Immerhin haben jedoch Zinssenkungen in der Vergangenheit immer wieder zu konjunkturellen Booms geführt, auch wenn sie wenig nachhaltig gewesen sein mögen. Und auch wenn der Schuldenstand der Konsumenten immer höher geworden ist und inzwischen ein Niveau erreicht hat, das nicht mehr weiter strapazierbar zu sein scheint.

Amerikanische Zinssenkung wirkt in den Quasi-Dollarstaaten ...

Die Zinssenkungen und die zum Teil tiefen Zinsen haben jedoch nicht nur in den Vereinigten Staaten gewirkt, sondern auch in anderen Regionen der Welt, die ihre Währungen mehr oder weniger fest an den Dollar gekoppelt haben. Eine solche Koppelung führt dazu, dass die entsprechenden Regionen keine eigenständige Geldpolitik mehr betreiben können. Denn beides gleichzeitig ist längerfristig nicht möglich, da unterschiedliche Geldpolitiken in der Regel zu unterschiedlichen Zinssätzen und unterschiedliche Zinssätze automatisch zum Druck auf den Wechselkurs führen.

Genau aus diesem Grund dürfte in den kommenden Wochen und Monaten der Aufwertungsdruck unter anderem auf den Yuan und auf die Währungen der Staaten im persischen Golf zunehmen. Denn die lockere Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank passt nicht zu den boomenden Märkten in diesen Regionen, die zudem ausgeprägte Handelsbilanzüberschüsse erzielen. Sie machen an sich eine restriktivere Geldpolitik nötig, um längst laufende inflationäre Entwicklungen in den Binnenmärkten zu dämpfen.

Deswegen rechnen Experten damit, dass nicht nur der Yuan weiter aufwerten wird, sondern dass die Staaten am persischen Golf zur Aufwertung ihrer Währungen gezwungen sein können. So kann es für internationale Anleger interessant sein, einen Blick auf die Börsen der Region zu werfen. Nach den deutlichen Korrekturen in den vergangenen Monaten sind einzelne Märkte aus Währungs- und Bewertungssicht sogar wieder vergleichsweise interessant geworden. Der Vermögensverwalter SHUAA-Capital empfiehlt gegenwärtig die Einzelwerte Emaar Properties, Arabtec, Air Arabia, First Gulf Bank, Aldar Properties, Etisalat, Sabic, Arabian Pipes, Almarai und nicht zuletzt Qtel.

... zum Beispiel in den Golfstaaten oder in Hongkong

Interessant ist auch weiterhin die Börse in Hongkong. Sie profitiert einerseits von den Tendenzen Chinas, einen Teil der Überschussliquidität im Lande in diesen Markt abfließen zu lassen, nachdem die Binnenmärkte in Schanghai und Schenzhen längst massiv überbewertet sind. Gleichzeitig profitiert er von der Bindung des Hong-Kong-Dollars an den amerikanischen Dollar und damit direkt von der lockeren Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank.

Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von 19,5 auf Basis der Gewinnschätzungen für die Unternehmen im Hang Seng Index ist der Markt längst nicht mehr günstig. Allerdings dürfte die Liquidität bis auf weiteres noch für weiteren Auftrieb sorgen. Wer im Markt engagiert ist, sollte die weitere Entwicklung aufgrund des immer spekulativer werdenden Charakters im Auge behalten, Absicherungsstrategien nicht vergessen und auch einmal den einen oder anderen Gewinn mitnehmen. Denn wer weiß schon, wie lange die Dynamik noch anhalten wird.

Quelle: ham., F.A.Z., 27.09.2007, Nr. 225 / Seite 21
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