08.03.2010 · Trotz aller Kritik fließt den Hedge-Fonds immer mehr Kapital zu. Viele schimpfen, aber sie investieren in sie. Politiker dagegen grübeln über Maßnahmen, mit denen sie die spekulativen Geschäfte der Hedge-Fonds einschränken wollen.
Die Macht und Investitionskraft großer Hedge-Fonds hat sich im vergangenen Jahr deutlich ausgeweitet. Die schweren Erschütterungen in der Finanzkrise haben offenbar dazu geführt, dass Marktteilnehmer etablierten, großen Fonds eher ihr Kapital überlassen als unbekannten, kleineren Fonds. Bei den Investoren in Hedge-Fonds handelt es sich in der Regel um Versicherungen, Pensionsfonds, Universitäten, Kirchen oder Bankabteilungen für Großkunden. So sehr auf Hedge-Fonds geschimpft wird, so sehr schleusen institutionelle Investoren zumindest einen Teil ihrer Mittel in diese Anlagesparte, um die Rendite ihrer Portfolios aufzufrischen.
Die Anleger scheinen eher große Fonds auszuwählen, weil sie diesen möglicherweise ein besseres Risikomanagement und eine professionellere interne Struktur und Organisation zutrauen. Nach einer Analyse des Institutional Investor und der Analysegesellschaft HedgeFund Intelligence haben sich die zu verwaltenden Mittel von den amerikanischen Giganten, die mehr als 5 Milliarden Dollar oder 3,7 Milliarden Euro Kapital in ihrer Obhut haben, fast verdoppelt.
Über Hedge-Fonds schimpfen, aber in sie investieren
Trotz aller Kritik an mächtigen Spekulationsfonds wie Paulson und Soros werden ihre Fonds immer einflussreicher - sowohl durch Kapitalzuflüsse als auch eine im vergangenen Jahr hohe Rendite: Der Fonds Paulson & Co, der immer wieder mit Spekulationen gegen Unternehmen, Länder und Währungen von sich reden macht, ist mit 32 Milliarden Dollar der drittgrößte Hedge-Fonds Amerikas, gefolgt von Soros Fund Management. Er ist mit 28,6 Milliarden Dollar der viertgrößte Fonds. Beide Fonds gerieten jüngst in das Kreuzfeuer der Kritik wegen ihrer sehr offenen Spekulationen gegen den Euro und Griechenland.
Über das meiste Anlagekapital verfügen in Amerika das Hedge-Fonds-Geschäft von JP Morgan und Bridgewater. In Europa sind es Brevan Howard, Man AHL, Blue Crest und Lansdowne.
Berichte, nach denen europäische Hedge-Fonds wegen höherer Besteuerung und schärferer Aufsicht in die Schweiz abwandern würden, scheinen sich nicht zu bewahrheiten. Zürich ist ein attraktiver Standort, aber der aus der Schweiz heraus verwaltete Anteil der europäischen Mittel von Hedge-Fonds stieg im vergangenen Jahr nur von 3,76 auf 3,93 Prozent. London blieb mit 76,06 Prozent der Anlagemittel stärkster Finanzplatz für Hedge-Fonds in Europa, gewann sogar marginal hinzu.
Die Branche der Hedge-Fonds erholt sich langsam, nachdem Investoren während der Finanzkrise Rekordbeträge an Kapital abzogen und zahlreiche Fonds kapitulierten und schließen mussten. Das Anlagekapital der Hedge-Fonds ist global im vergangenen Jahr um 10 Prozent auf 1820 Milliarden Dollar gestiegen. Dies ist immer noch kläglich im Vergleich zu der Rekordsumme von 2700 Milliarden Dollar im Jahr 2007. In Europa beläuft sich das Anlagekapital auf 405 Milliarden Dollar. Dies ist mehr als 2008. Dieser Zuwachs geht aber auch auf das Konto zahlreicher außerhalb Europas beheimateter und deshalb eigentlich unregulierter Off-Shore-Fonds, die aber mittlerweile eine Zulassung als europäischer Fonds (UCITS III) beantragt und erhalten haben. Die Gründung dieser Europafonds hat sich seit Mitte 2009 mit mehr als 40 neuen Fonds deutlich beschleunigt.
Der regulatorische Gegenwind nimmt zu
Doch es ist nicht alles rosig: Hedge-Fonds werden derzeit von zwei Seiten in die Zange genommen: Zum einen blühen den Fonds aufsichtsrechtliche Belastungen in Form strengerer Registrierungspflichten, Transparenz und Berichtspflichten gegenüber Aufsichtsbehörden. Zum anderen torpedieren aufsichtsrechtliche Maßnahmen an den Finanzmärkten ihre Spekulationsstrategien: dazu zählt das Verbot oder zumindest die neue Meldepflicht bei Leerverkäufen von Aktien; künftige Maßnahmen mit Blick auf Produkte, die außerhalb der Börse gehandelten werden (OTC), dürften das Spekulationsgeschäft verteuern; beunruhigt haben Hedge-Fonds zudem Überlegungen von Politikern und Aufsichtsbehörden, im Notfall in den Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS) einzugreifen. So könnte es sein, dass der Rat der EU-Finanzminister (Ecofin) kommende Woche darüber spricht, ob möglicherweise der "nackte" Leerverkauf von Kreditausfallversicherungen (CDS) untersagt werden soll. Dies könnte Spekulationen von Hedge-Fonds gegen Länder mit Hilfe dieser CDS-Kontrakte torpedieren.
Der Unmut Griechenlands über die Spekulationen von Hedge-Fonds war in den letzten Wochen so groß, dass das Land Berichten zufolge eine außergewöhnliche Bitte an seine Konsortialführer stellte. Die Banken sollten sicherstellen, dass sich an der Zeichnung der neuen griechischen Staatsanleihe über 5 Milliarden Euro keine Hedge-Fonds zu Spekulationszwecken beteiligten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |