21.02.2005 · Der Rohstoffboom der vergangenen Monate ist an den Börsen nicht zu übersehen. Er zeigt sich daran, daß die Energiewerte deutlich an „Gewicht“ zulegen konnten. Allen voran Exxon Mobil, das nun „wertvollste“ Unternehmen der Welt.
Der Rohstoffboom der vergangenen Monate hinterläßt an den Börsen unübersehbare Spuren. Am deutlichsten wird es, wenn man einen Blick auf die „wertvollsten“ Unternehmen der Welt wirft. Denn gemessen an der Marktkapitalisierung hat sich unter den größten 500 Unternehmen einiges bewegt.
Nach neuesten Daten ist das wertvollste Unternehmen nun der amerikanische Ölriese Exxon Mobil. Lag es vor einem Jahr noch auf Platz vier hinter General Electic, Pfizer und Microsoft, so konnte es inzwischen vom steigenden Aktienkurs profitieren. Denn das Papier hat auf Sicht eines Jahres in Euro gerechnet knapp 43 Prozent zugelegt, während die Aktie von General Electric „nur“ auf ein Plus von neun Prozent kommt und während die Papiere von Microsoft und Pfizer leichte oder gar happige Kursverluste hinnehmen mußten.
„Aufsteiger“ können von der Nachfrage nach Rohstoffen profitieren
Während Microsoft von der inzwischen ausgeschütteten Sonderdividende und dem eher verhaltenen Wachstum gebremst worden sein dürfte, mußte Pfizer unter den Schwierigkeiten leiden, mit welchen die Pharmabranche in den vergangenen Jahren zu tun hatte. Das ist die Kostendeckelung im Gesundheitswesen in vielen Teilen der Welt einerseits, andererseits sind es aber auch die Probleme, die einige Hersteller mit einzelnen Medikamenten hatten. Da sie im Einzelfall zu deutlichen Kursverlusten geführt hatten, haben die Anleger gleich die gesamte Branche in „Sippenhaft“ genommen.
Im Gegensatz dazu können die beiden Unternehmensriesen General Electric und Exxon Mobil vom weltweiten Wirtschaftswachstum profitieren. Das Ölunternehmen kann auf die zunehmende Nachfrage nach Öl und Gas profitieren, insbesondere aber von den im Trend steigenden Preisen. Sollte die Weltwirtschaft nicht völlig Schiffbruch erleiden, dürfte sich Exxon weiterhin gut schlagen können.
Der Blick auf die nach Marktkapitalisierung der größten 500 Unternehmen weltweit und die Veränderungen innerhalb dieser Liste in den vergangenen zwölf Monaten macht verschiedene Trends deutlich. So gehören zu den „Aufsteigern“ unheimlich viele Energie- und Rohstoffwerte. Daneben sind es aber auch die Stahl- und Transportwerte und die Banken, die sich gut schlagen.
Übergangsstadium in der Wende von Finanz- zu Energiewerten
Damit scheint sich bisher die Hälfte der Prognosen bewahrheitet zu haben, die vor wenigen Monaten einen Wechsel der Börsenfavoriten weg von Finanzwerten hin zu den Energie- und Rohstoffwerten vorhergesagt hatten (siehe auch ). Möglicherweise befinden sich die Märkte in einem Übergangstadium. Denn sollten sich die Zinsverhältnisse in der historischen Betrachtung auch nur einigermaßen normalisieren, dann dürfte es vor allem den amerikanischen Banken und „finanzlastigen“ Unternehmen nicht mehr so einfach fallen wie in den vergangen drei, vier Jahren, ihre Gewinne überproportional zu steigern.
Sinkende Zinsen hatten vor allem im Hypotheken- und Autofinanzgeschäft zu einem wahren Boom geführt und die Finanzgewinne der Unternehmen förmlich explodieren lassen. Davon haben auch zunächst „unverdächtige“ Unternehmen wie Ford, General Motors oder auch General Electric profitiert. Die beiden Autoriesen verdienten in den vergangenen Jahren mit der Herstellung von Autos überhaupt kein Geld, sondern nur mit ihren Finanzarmen. Bei GE ist der Gewinnbeitrag der Finanztöchter auch nicht zu verachten. Solche Effekte führten dazu, daß der Anteil der Finanzgewinne an den Gesamterträgen der S&P Unternehmen auf mehr als 30 Prozent stieg. Das ist ein Wert, der in der Vergangenheit nicht selten den Höhepunkt einer Branche oder einer Sparte angedeutet hat.
Grundsätzlich lassen sich weitere Phänomene beobachten. So kam es auf Sicht eines Jahres in der Rangfolge zu deutlichen Änderungen, die durch Fusionen oder Übernahmen ausgelöst wurden. Zum anderen schaffen es immer mehr Unternehmen aus den Schwellenländern, in die Reihe der Unternehmensschwergewichte aufzusteigen. Insgesamt lassen sich mehrere Schlüsse aus der Entwicklung ziehen. Erstens dürfte der Trend zu Energie -und Rohstoffunternehmen noch eine Weile anhalten. Dabei ist es jedoch sicherlich ratsam, die Trends im Auge zu behalten. Zweitens findet das wahre Wachstum regional in den Schwellenländern statt. Drittens dürfte es empfehlenswert sein, den finanzlastigen amerikanischen Unternehmen mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |