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Finanzmärkte Amerika spielt bisher die dominierende Rolle

09.02.2004 ·  Allein von der Größe her dominieren die amerikanischen Börsen die Weltfinanzmärkte. Sie bringen 44 Prozent der globalen „Unternehmenswerte“ auf die Waage. Das muß nicht so bleiben, denn andere holen auf.

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Die globalen Aktien-, Renten- und Devisenmärkte scheinen auf den ersten Blick riesig zu sein und erwecken nicht selten den Eindruck, als ob Anleger ihre Gelder auf der Suche nach einer akzeptablen Rendite beliebig hin und her bewegen könnten.

Die Marktkapitalisierung oder der Gesamtwert der an den Börsen weltweit gehandelten Aktien beläuft sich auf knapp 25 Billionen Euro. Auf den zweiten Blick wird klar, daß sie im Vergleich mit den in den einzelnen Ländern erarbeiteten wirtschaftlichen Werten gar nicht so groß sind. Denn das Inlandsprodukt der Vereinigten Staaten lag zuletzt bei umgerechnet acht Billionen Euro, das des Euroraumes belief sich auf 5,25 Billionen Euro.

Amerikanische Unternehmen bringen das meiste „Gewicht“ auf die Waage

Wenn in den täglichen Medienberichten argumentiert wird, Amerika und allen voran die Wall Street dominierten das Geschäft, so mag das zunächst wie ein Klischee klingen. Schaut man sich allerdings an, wie beispielsweise die 500 größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung auf der Welt verteilt sind, dann wird das Klischee zum Fakt. So sind 221 oder 44 Prozent dieser Unternehmen in den Vereinigten Staaten angesiedelt. Und das ist nicht alles. Denn mit einem Anteil von 56 Prozent an der Marktkapitalisierung sind sie auch überdurchschnittlich „schwer“. Die fünf „wertvollsten“ amerikanischen Unternehmen - das sind aktuell General Electric, Pfizer, Microsoft, Exxon Mobil und die Citigroup - sind etwa so viel wert wie sämtliche Unternehmen an den deutschen Börsen, die zusammen auf eine Marktkapitalisierung von etwas mehr als einer Billion Euro kommen.

Allerdings dürfte dieser Vergleich hinken. Denn wenn man halbwegs objektiv bleiben möchte, dann muß man die verschiedenen, zum Teil erst entstehenden Wirtschaftsräume Amerika, Europa und Asien miteinander vergleichen. Schlössen sich zum Beispiel die Deutsche Telekom, France Telecom, die spanische Telefonica und Telecom Italia zusammen, dann kämen sie zusammen auf eine Marktkapitalisierung von knapp 220 Milliarden Euro. Das wäre eine Dimension, die mit der der amerikanischen Unternehmensriesen vergleichbar wäre.

Europäische Börsen- und Unternehmenslandschaft fragmentiert

Das zeigt allerdings auch, woran es in Europa zumindest bisher hapert. Nämlich an der faktischen Integration der verschiedenen Wirtschaftsräume. Nirgends läßt es sich deutlicher machen als an der fragmentierten Unternehmensstruktur. Grenzüberschreitende Übernahmen und Fusionen à la Aventis oder Vodafone und Mannesmann sind bisher eher die Ausnahme als die Regel. Kulturelle und bürokratische Hürden scheinen noch zu hoch zu sein, um hier eine schnellere Transformation zuzulassen. Das gilt nicht nur zwischen den einzelnen Ländern, sondern zeigt sich am Beispiel der deutschen Bankenstruktur - mit den bisher subventionierten und rechtlich abgeschotteten Sparkassen - auch ziemlich ausgeprägt innerhalb der einzelnen Staaten.

Es ist beinahe immer dasselbe: Eine Minderheit von „Pfründebesitzern“ wehrt sich mit allen Mitteln gegen den Verlust ihrer unberechtigten Vorteile und verhindert damit einen effizienteren Markt, von dem die gesamte europäische Wirtschaft in Form höherer Wachstumschancen profitieren könnte. So dürfte es auch noch längere Zeit dauern, bis sich in Europa ein einheitlicher Kapitalmarkt mit gleichen steuerlichen und rechtlichen Regeln durchgesetzt haben wird. Bis dahin werden nicht nur die Unternehmen im internationalen Vergleich benachteiligt sein, sondern auch die Anleger. Der grenzüberschreitende Kauf von Wertpapieren bleibt teuer. Fondsgesellschaften geben die entstehenden Zusatzkosten in Form erhöhter Verwaltungsgebühren weiter, sofern sie den Wettbewerb über die Ländergrenzen hinweg überhaupt aufnehmen.

Schwellenländer könnten rasch aufholen

Die Kapitalmärkte sind allerdings nicht statisch. Vor allem die bisherigen Schwellenländer scheinen immer mehr internationales Kapital anzuziehen. Anleger bauen auf die langfristig attraktiven Wachstumsraten und auf die sehr wahrscheinlich aufwertenden Währungen. Auf dieser Basis könnten die Börsen dieser Regionen in den kommenden Jahren - sehr wahrscheinlich mit korrektiven Unterbrechungen - deutlich an Gewicht gewinnen und bald schon den westlichen Staaten - vor allem aber Europa- den Rang ablaufen. Je langsamer der Strukturwandel in Europa vor sich geht und je geringer die Renditeaussichten in Amerika sein sollten, desto schneller dürfte dieser Prozeß vor sich gehen.

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