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Finanzmärkte Aktienguru Buffett findet kaum unterbewertete Aktien

08.03.2004 ·  Warren Buffett findet am amerikanischen Aktienmarkt weiterhin kaum wirklich günstig bewertete Unternehmen. Das räumte die Investmentlegende am Wochenende bei der Vorlage der Geschäftszahlen ein.

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In seinem am Samstag veröffentlichten jährlichen Brief an die Aktionäre schreibt Investmentlegende Warren Buffett, daß es weiterhin schwierig sei, deutlich unterbewertete Aktien zu finden. Buffett ist berühmt dafür, daß er qualitativ hochwertige Unternehmen und Aktien zu günstigen Preisen kauft. Diese Investmentphilosophie ist als wertorientierte Anlage oder "Value-Investing" bekannt.

Buffett, der an den Finanzmärkten große Aufmerksamkeit genießt und als „Orakel von Omaha" gilt, hält seit Jahren große Positionen in Unternehmen wie dem Finanzdienstleister American Express, dem Getränkehersteller Coca-Cola oder dem Rasierklingenhersteller Gillette. „Wir sind weder enthusiastisch noch negativ gegenüber unserem Portfolio eingestellt", schreibt Buffett. Bis auf den Zukauf einiger Aktien der Bank Wells Fargo im vergangenen Jahr seien die sechs größten Positionen im Aktienportfolio seit längerem unverändert geblieben. Auch Risikoanleihen (Junk Bonds), in die Buffett 2002 noch acht Milliarden Dollar investiert hatte, seien unattraktiv geworden.

Buffett hat seine Anlagestrategie in den vergangenen Jahren generell auf die Akquisition von Unternehmen verschoben, zu denen etwa der Bekleidungshersteller Fruit of the Loom oder die Schnellrestaurantkette Dairy Queen gehören. Im vergangenen Jahr kaufte Buffett unter anderem den Fertighaushersteller Clayton Homes.

Berkshire Hathaway hat Gewinne fast verdoppelt

Berkshire Hathaway Inc., die Versicherungs- und Investmentgesellschaft des legendären Investors Warren Buffett, hat unterdessen im vergangenen Jahr ihren Gewinn nahezu verdoppelt. Die Gesellschaft berichtete für das Gesamtjahr einen Nettogewinn von 8,15 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr hatte Berkshire einen Überschuß von 4,29 Milliarden Dollar ausgewiesen. Berkshire profitierte von seiner Stärke in der Versicherungsbranche, zu der die Rückversicherung General Re und der Autoversicherer Geico gehören. Einige Baumaterialproduzenten, die Berkshire besitzt, wiesen Rekordergebnisse aus.

Sollten Aktien deutlich billiger als ganze Unternehmen werden, würde Berkshire aggressiv kaufen, sagt Buffett. Das gelte auch für ausgewählte Rentenpapiere. Buffett hält weiter nach großen Akquisitionen Ausschau, weil das zur Verfügung stehende Kapital nicht vollständig genutzt werde. „Es ist ein schmerzhafter Zustand - aber nicht so schmerzhaft, wie eine Dummheit zu begehen", meint er. Die Barmittel, über die Berkshire verfügt, haben sich im vergangenen Jahr fast verdreifacht und betrugen zum Ende des Jahres 31,3 Milliarden Dollar.

Insgesamt werde die zukünftige Ergebnisentwicklung von Berkshire aber deutlich unter der der Vergangenheit liegen, prognostiziert Buffett. Dennoch habe er die Hoffnung, daß die Ergebnisse über dem Marktdurchschnitt liegen werden.

Skepsis beim Dollar

Buffett hat wegen seiner zunehmend pessimistischen Haltung gegenüber dem amerikanischen Dollar im vergangenen Jahr seine Währungsanlagen aufgestockt. Er hatte vor dem Hintergrund des sich ausweitenden amerikanischen Handelsbilanzdefizits 2002 zum ersten Mal Währungen gekauft. Ende 2003 hielt Berkshire Währungspositionen im Wert von 12 Milliarden Dollar in fünf verschiedenen Währungen. „Ich sollte aber anmerken, daß der Friedhof für Hellseher eine große Abteilung für makroökonomische Vorhersager bereitgestellt hat", schränkt Buffett ein.

Traditionell nutzte Buffett den Aktionärsbrief auch, um Mißstände in der amerikanischen Geschäftswelt anzuprangern. Er rief wegen unlauterer Handelsmethoden in die Kritik geratene Investmentfonds auf, „wirklich unabhängige" Verwaltungsräte zu ernennen, die die Interessen der Aktionäre vertreten. „Hunderte von Brancheninsidern mußten davon gewußt haben, aber niemand hat öffentlich ein Wort gesagt", bemängelte Buffett.

Kritik an Manager-Bezügen und Fondsgesellschaften

Harsche Kritik übte Buffett auch an übertriebenen Manager-Bezügen und Fondsgesellschaften warf er vor, ihre Aktionäre zu betrügen. Der zweitreichste Mann der Welt sagte dazu konkret: „Bei der Beurteilung, ob es amerikanischen Unternehmen ernst ist, sich zu reformieren, bleiben die Vorstandsbezüge eine Nagelprobe. Bis heute sind die Ergebnisse nicht ermutigend.“

Buffett griff auch die Praxis hoher Abfindungen an. Dabei werde oft kein Unterschied gemacht, ob 100.000 oder 500.000 Aktien verteilt würden, schrieb der 73-Jährige, dessen Vermögen auf 42,9 Milliarden Dollar geschätzt wird. „Ich halte jetzt nur Volksreden, weil durch die eklatanten Verstöße, die vorgefallen sind, das Vertrauen von vielen Millionen Aktionären mißbraucht wurde", hieß es in dem Schreiben Buffetts weiter. „Hunderte von Eingeweihten wußten, was passiert, und niemand hat ein Wort gesagt. Erst mit (dem New Yorker Generalstaatsanwalt) Eliot Spitzer hat das Aufräumen begonnen.“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2004, Nr. 57 / Seite 16 , Reuters
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