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Finanzkrise Die Bankenbranche schrumpft bis ins Jahr 2011

 ·  Die City of London Corporation ist der Ansicht, dass die Finanzbranche noch lange brauchen wird, bis sie sich von der Krise erholt hat. Frankfurt erwartet allerdings schon 2010 wieder ein Wachstum im Großkunden- und Interbankengeschäft.

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Die Finanzbranche wird noch lange brauchen, bis sie sich von der Krise erholt hat. Das Wachstum der Banken wird über Jahre hinweg schwächer sein als in den Jahren vor der Krise. Die im vergangenen Jahr ausgesprochenen Entlassungswellen greifen erst jetzt, und so wird die Branche noch zwei Jahre weiterschrumpfen, bis sie im Jahr 2011 langsam wieder kleine Wachstumsraten verzeichnen wird. Diesen ernüchternden Schluss zieht die City of London Corporation, die regelmäßig die Finanzgeschäfte in London, aber auch in Europa und der Welt begutachtet. In ihrem jüngsten Bericht über das Großkundengeschäft der Banken in Europa warnt die Vertreterorganisation der City, dass von den im vergangenen Jahr 1,359 Millionen Beschäftigten 84.000 Mitarbeiter in dieser Krise ihre Stelle verlieren. Dabei ist Großbritannien am härtesten getroffen, wo bereits im Jahr 2008 mehr als 8800 Mitarbeiter, also 8,8 Prozent der Beschäftigten in der Branche, entlassen wurden.

Auch in Irland und Luxemburg gibt es harte Einschnitte. In Deutschland hingegen weitete sich die Zahl der Angestellten im Bankgeschäft mit Großkunden im Jahr 2008 auf 180.000 sogar aus. „Wir gehen nicht unbeschadet aus der Krise hervor, aber relativ gestärkt“, sagt Hubertus Väth, kommissarischer Geschäftsführer der Marketinginitiative Frankfurt Main Finance. „Wir erwarten in Frankfurt schon 2010 im Großkunden- und Interbankengeschäft wieder Wachstum.“

Deutscher Finanzplatz im internationalen Vergleich gut

Allerdings arbeiteten in Großbritannien mit 363.000 immer noch doppelt so viele Beschäftigte wie in Deutschland in dieser Branche. Und 2009 sind bisher 47 Prozent (2008: 36 Prozent) und damit fast die Hälfte der insgesamt 166 Milliarden Dollar ausmachenden Eigenkapitalemissionen in Europa auf dem britischen Aktienmarkt plaziert worden. Deutsche Unternehmen hingegen scheuten stark vor der Eigenkapitalaufnahme zurück. Nach Daten von Dealogic entfielen auf sie nur 3 Prozent (2008: 7 Prozent) des in Europa am Kapitalmarkt aufgenommenen Eigenkapitals.

Deutschland fühlt sich dennoch als ein relativer Gewinner der Krise. „Die Anziehungskraft Frankfurts gerade auf osteuropäische Banken ist ungebrochen“, sagt Väth von Frankfurt Main Finance. Nach seiner Beobachtung wird Frankfurt mehr und mehr zum Orientierungspunkt für osteuropäische Banken, die den stabilen regulatorischen Rahmen und leistungsfähige Institutionen wie die Deutsche Börse schätzten. Während sich an anderen Finanzplätzen mittlerweile Banken zurückziehen, habe Frankfurt mit der russischen Sberbank gerade den ersten Zugang in diesem Jahr begrüßen können. Die frühere sowjetische Sparkasse, die zusammen mit Magna gern Opel kaufen würde, hat ein Büro mit einer Handvoll Mitarbeitern in Frankfurt eröffnet. „Dies ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der jahrelangen intensiven Beziehungen zwischen Frankfurt und Moskau“, sagt Väth.

Außerdem ist hierzulande die Kreditblase nicht so groß gewesen wie in angelsächsischen Ländern. Die Stärken des deutschen Finanzplatzes - die hohen Bankeinlagen und die Langfristfinanzierungen - wirkten in der Krise stabilisierend, lautet ein Ergebnis des Jahresberichts 2008 der Internationalen Finanzplatz Initiative Deutschland (IFD). Auch nach Erkenntnissen der von 18 Finanzinstitutionen gebildeten IFD schlägt sich der deutsche Finanzplatz im internationalen Vergleich gut und hat zumindest 2008, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt, bei Bankeinlagen und im Umsatz der Wertpapiergeschäfte zugelegt (F.A.Z. vom 10. Juli).

Nicht mit zu strengen Vorschriften überreagieren

Die Stimmung in London erscheint hingegen gedämpfter. Auch wenn die akute Bankenkrise mit Staatseingriffen und Notenbankhilfe gebremst wurde, so wird das britische Bankgeschäft mit Großkunden dieses Jahr nochmals um 9,6 Prozent schrumpfen. In Deutschland wird das Geschäft nach Einschätzung der City of London Corporation um 5,6 Prozent und in Frankreich um 8 Prozent nachlassen. Auch wenn sich die Banker von 2011 an wieder über kleine Wachstumsraten freuen können, wird die Bankenbranche den Rückschlag dieser Krise selbst im Jahr 2013 noch nicht wiederaufgeholt haben. Die City of London Corporation äußert daher im mittelfristigen Ausblick nur „vorsichtigen Optimismus“, und selbst dieser hänge von der Konjunktur ab. Weltweit ist das Bankgeschäft mit Unternehmen, Fonds, Versicherungen, Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften im vergangenen Jahr um 3 Prozent geschrumpft, nachdem es in der Hausse von 2005 und 2007 Wachstumsraten von 9,4 Prozent erreicht hatte. Die Finanzbranche macht damit weltweit gemessen an ihrer Wertschöpfung für die Wirtschaftskraft wieder so viel aus wie im Jahr 2004.

Freilich sind die Länder unterschiedlich stark von den Schwierigkeiten der Bankenbranche betroffen. In Deutschland machte das Bankgeschäft mit Großkunden im vergangenen Jahr nur 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus, in Großbritannien immerhin 4,9 Prozent.

Die Unkenrufe der City of London Corporation müssen auch im Zusammenhang mit der politischen Debatte um eine schärfere Bankenregulierung gesehen werden. Die Corporation setzt sich für das Bankgeschäft ein, und ein Großteil der britischen Finanzindustrie wehrt sich gegen Reformpläne, die Bankgeschäft in engere und weniger riskante Bahnen lenken wollen. Daher rät die Corporation, jetzt nicht mit zu strengen Vorschriften überzureagieren.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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