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Finanzkrise Amerikaner werden zu Angstsparern

16.07.2009 ·  Die Finanzen der Amerikaner drehen sich traditionell vor allem ums Eigenheim. Der Schrecken der Wirtschaftskrise macht die ehemaligen Konsumweltmeister wieder zu Sparern.

Von Claus Tigges, Washington
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Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat vielen Amerikanern einen gehörigen Schrecken eingejagt und Angst gemacht vor ihrer wirtschaftlichen Zukunft. Abzulesen ist die wachsende Besorgnis unter anderem am Sparverhalten der Haushalte in den Vereinigten Staaten: Gab es während des Immobilienbooms sogar eine kurze Phase, in der viele Familien nicht nur keinen Cent auf die hohe Kante legten, sondern sogar zusätzliche Schulden auftürmten, um ihren hohen Lebensstandard zu führen, so hat sich das Blatt inzwischen gewendet. Wie das Wirtschaftsministerium in Washington kürzlich mitgeteilt hat, haben die amerikanischen Haushalte im Mai durchschnittlich 6,9 Prozent ihres verfügbaren Einkommens nicht direkt ausgegeben, sondern gespart - so viel wie seit 1993 nicht mehr.

Und Ökonomen rechnen damit, dass diese Verschiebung von Dauer sein wird. Nouriel Roubini von der New York University sagt voraus, dass die Sparquote bald wieder zweistellig sein und damit auf jenem Niveau liegen wird, auf dem sie mehr oder weniger konstant zwischen 1950 und Anfang der achtziger Jahre gelegen hat, ehe ein fast drei Jahrzehnte dauernder rückläufiger Trend einsetzte. Der Sinneswandel der Amerikaner ist nicht schwer zu erklären: Sparen ist Konsumverzicht heute zugunsten von Konsum morgen. Geld aus dem laufenden Einkommen wird abgezweigt und zurückgelegt, damit man es später, beispielsweise wenn das Erwerbseinkommen weggefallen ist, ausgeben kann.

Immobilien besonders beliebt

Zu den wichtigsten Sparformen in Amerika zählt die Investition in die eigenen vier Wände. Der Staat fördert den Erwerb von Haus oder Wohnung auf vielfältige Weise, unter anderem durch die steuerliche Abzugsfähigkeit von Hypothekenzinsen. Den Hausbesitzern geht es dabei nicht nur darum, eines Tages die gesamten Schulden für den Hauskauf zurückzubezahlen und tatsächlich Eigentümer zu sein, sondern auch von den zwischenzeitlichen Wertzuwächsen zu profitieren und auf diese Weise ihr Vermögen zu mehren. Allerdings hat die Preisblase auf dem Häusermarkt, die inzwischen auf so schmerzhafte Weise zerplatzt ist, vielfach auch dazu geführt, dass der gestiegene Buchwert des Heims beliehen wurde und das Geld in den laufenden Konsum gesteckt wurde, beispielsweise in die Anschaffung eines Autos oder in eine Urlaubsreise. Dieser positive Vermögenseffekt hat sich angesichts fallender Immobilienpreise in einen negativen umgekehrt: Viele Hausbesitzer sehen ihr Vermögen schrumpfen und verringern ihren Konsum zugunsten einer höheren Sparleistung.

Zu den beliebtesten Sparformen jenseits der Immobilie zählen schon seit langem besondere Sparpläne, die sogenannten 401(k)-Pläne. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern einen solchen Plan anbieten, zweigen monatlich einen bestimmten Betrag vom Lohn ab und zahlen ihn in den Plan ein, vielfach steuern sie selbst noch etwas hinzu. Lohnsteuer wird für die Einzahlungen nicht fällig; die Besteuerung erfolgt erst bei Auszahlung. In den meisten Fällen können die Beschäftigten aus einer Reihe von Anlageoptionen auswählen und entscheiden, ob das Geld in Aktien-, Anleihe- oder Geldmarktfonds oder eine Mischung daraus investiert werden soll. Häufig bieten Unternehmen, sofern sie selbst börsennotiert sind, den Mitarbeitern im Rahmen von 401(k)-Plänen auch den Erwerb eigener Aktien an. Es bestehen zum Teil erhebliche Einschränkungen für den Verkauf von Fondsanteilen, solange die Mitarbeiter beim Unternehmen beschäftigt sind und jünger sind als 59,5 Jahre. Es ist allerdings möglich, den 401(k)-Plan zu beleihen. Auch Selbständige können sich einen 401(k)-Plan einrichten, wobei sich 401(k) auf den entsprechenden Paragraphen im amerikanischen Steuerrecht bezieht. Dort ist auch ein jährlicher Höchstbetrag für steuerfreie Einzahlungen festgelegt; in diesem Jahr sind es maximal 16500 Dollar, die vom Lohn abgezweigt werden dürfen. Das Ansehen der 401(k)-Pläne hat allerdings unter den Börsenturbulenzen des vergangenen Jahres ein wenig gelitten, weil viele Anleger ihr mehr oder weniger sicher geglaubtes Vermögen schmelzen sahen. Und viele Unternehmen haben unter dem Eindruck der schlechten Wirtschaftslage ihren Beitrag zu den Sparplänen gekürzt oder sogar ganz gestrichen.

Um die Altersvorsorge ist es in Amerika nicht gut bestellt

Jenseits der Immobilie und von Sparplänen wie dem 401(k) ist es um das Sparen und damit um die Altersvorsorge in Amerika nicht gut bestellt. Eine neue Umfrage zum Thema, das Retirement Confidence Survey (RCS), förderte folgende Zahlen zutage: 53 Prozent der befragten Arbeiter und Angestellten haben über ihre Immobilie und Sparpläne, bei denen die spätere Leistung festgelegt ist (defined benefit plan), weniger als 25 000 Dollar zur Seite gelegt. Ein Fünftel der Befragten gab sogar an, weniger als 1000 Dollar gespart zu haben. Ein Zusammenhang besteht nach Angaben des Employee Benefit Research Institute dabei nicht nur zwischen der Höhe des Einkommens und den Ersparnissen, sondern auch zwischen dem Bildungsniveau und den Rücklagen. Je besser die Ausbildung, desto größer sind im Durchschnitt auch das Bewusstsein und die Bereitschaft, Geld beiseitezulegen.

Freilich kommt es auch in den Vereinigten Staaten vor, dass Geld nicht über einen langen Zeitraum und zur Altersvorsorge, sondern verhältnismäßig kurzfristig gespart wird. Beliebt sind in diesem Zusammenhang besondere Sparkonten, so genannte Money Market Deposit Accounts (MMDA). Die Guthaben auf diesen Konten werden verzinst, im Gegensatz zu den mit einem Girokonto vergleichbaren "Checking Account", auf dessen Guthaben gemäß einer staatlichen Vorschrift (Regulation Q) keine Zinsen gezahlt werden dürfen. Es ist zwar möglich, Schecks auf MMDA auszustellen, aber nur unter gewissen Einschränkungen. Obwohl sich der Name ähnlich anhört, sind MMDA von Geldmarktfonds (Money Market Funds) zu unterscheiden. Während ein Geldmarktfonds ein Publikumsfonds ist, der Geld seiner Kunden am Finanzmarkt investiert, handelt es sich bei den MMDA um Guthabenkonten, die eine Verbindlichkeit der Bank gegenüber ihren Kunden darstellen. Derzeit beträgt die durchschnittliche Verzinsung der MMDA 1,28 Prozent; für höhere Einlagen werden etwas attraktivere Zinsen bezahlt, knapp 1,7 Prozent sind es für Beträge von 50000 Dollar und mehr.

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