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Finanzinvestoren Trockenübungen statt realer Übernahmen

11.03.2008 ·  Um Finanzinvestoren wird es in Zukunft stiller werden, meinen die Merrill-Lynch-Banker Holger Bross und Andreas Heine. Das Fusionsfieber sei vorbei, das neue Thema seien Restrukturierungen, vor allem der Kreditseite.

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Deutsche Unternehmen hegen immer noch zahlreiche Übernahmepläne. Doch angesichts stetig fallender Aktienkurse bleiben diese derzeit nichts als Trockenübungen. „Der Dialog mit deutschen Gesellschaften zum Thema Übernahmen ist nach wie vor lebendig, aber nur in wenigen Fällen wird es tatsächlich zu Übernahmen kommen“, sagt Holger Bross, Leiter des deutschsprachigen Unternehmenskundengeschäfts der Investmentbank Merrill Lynch. „Das Akquisitionsinteresse wird erst dann wieder steigen, wenn diese der Überzeugung sind, dass die Börsenkurse nicht mehr weiter fallen.“

Preis fallen, Transaktionen schrumpfen

Denn für die Aktienkurse ist nach Ansicht vieler Fachleute angesichts einer Konjunkturabkühlung in Europa der Boden noch nicht erreicht. Und auch die Bewertungen für Unternehmen außerhalb der Börse schrumpfen: „Für Industrieunternehmen musste noch vor einem Jahr das Sechs- bis Sechseinhalbfache des operativen Ergebnisses bezahlt werden; heute ist es eher bei dem Vier- bis Fünffachen“, sagt Andreas Heine, Leiter der deutschen Übernahmeberatung von Merrill Lynch.

Die Folge: Viele der Planspiele von Unternehmen werden nie in die Realität umgesetzt werden. „Die Transaktionen werden kleiner, und deren Umsetzung ist mit höheren Risiken behaftet“, sagt Bross. Dieser Trend zeigte sich bereits in den ersten Wochen des Jahres: Nach Daten der kanadischen Finanzdatenagentur Thomson Financial ist das Volumen der weltweiten Übernahmen und Fusionen im Januar mit 164 Milliarden Dollar auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren gefallen; in Europa fiel der Wert der Firmenkäufe um ein Viertel.

Restrukturierungen werden als Arbeitsfeld wichtiger

Dies sei dramatisch, sagt Bross. Jedoch werde diese Entwicklung bei den Investmentbanken keinen Einbruch der Gebühreneinnahmen oder gar Massenentlassungen auslösen. Im Gegenteil: „Obwohl sich das Umfeld sehr stark eingetrübt hat, stellen wir immer noch selektiv ein“, sagt Heine. Allerdings verschöben sich die Schwerpunkte der Arbeit. Zum einen arbeiteten die Investmentbanker nun wieder mehr für Unternehmen statt für Finanzinvestoren.

Und zum anderen rückten nun stärker Restrukturierungsthemen in den Vordergrund. „Wir haben dafür schon vor zwei Jahren eine Truppe aufgebaut, die in Frankfurt und London sitzt.“ Die Gebühren aus diesem komplizierten Geschäft mit finanziellen Schieflagen von Unternehmen seien deutlich höher als in der klassischen Übernahme-Beratung. Nicht zuletzt im Mittelstand werde der Restrukturierungsbedarf in Zukunft enorm steigen: „Anders als die meisten von Beteiligungsfonds gekauften Unternehmen haben sich einige Mittelständler nicht gegen höhere Kreditzinsen abgesichert. Diese könnten daher nun in eine Zinsfalle hineinlaufen“, sagt Heine.

Vorläufiges Aus für Milliardenkredite

Um die Finanzinvestoren wird es nach Ansicht der beiden Investmentbanker in Zukunft ein wenig stiller werden, weil sie derzeit kaum noch Kredit für Übernahmen erhalten. Oberhalb von einer Milliarde Euro sei fast keine Fremdfinanzierung mehr möglich. Diese Kreditknappheit werde auch die nun in der Beteiligungsbranche vielfach propagierten Minderheitsbeteiligungen an börsennotierten Unternehmen verhindern, meint Bross. Zumal bei kleineren Werten ein rascher Ausstieg oft schwierig und bei großen Unternehmen wiederum der Einfluss auf die Strategie zu gering sei.

Bislang ist der Kauf von Minderheitsanteilen durch große Beteiligungsfonds ein Randphänomen; eine Ausnahme ist die Beteiligung von 4,5 Prozent an der Deutschen Telekom, die der amerikanische Finanzinvestor Blackstone vor zwei Jahren von der Bundesregierung erwarb. Blackstone-Präsident Tony James hatte kürzlich angekündigt, der Beteiligungsfonds habe einige „Ideen“ für Minderheitsbeteiligungen an deutschen Unternehmen.

Quelle: da./F.A.Z., 11.03.2008, Nr. 60 / Seite 24
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