09.02.2012 · Banken standen bis jetzt nicht auf der Liste ethisch fragwürdiger Anlagen. Nach andauernder Kritik an der Branche stellen Ethik-Fonds nun ihre Investments in Frage.
Von Norbert Kuls, New YorkAmerikanische Ethikfonds, die sich gesellschaftlich verantwortlichen Anlagen verschrieben haben, stellen ihre Investments in Banken und andere Finanzinstitute in Frage. Das ist eine Folge der Finanzkrise, an der Banken eine Mitverantwortung tragen. Banken und Wertpapierhäuser sind auch eine Zielscheibe der Occupy-Protestbewegung, die, ausgehend von Demonstrationen an der Wall Street, auf der ganzen Welt Resonanz gefunden hat. Viele Demonstranten haben ihre Konten bei Großbanken gekündigt und sind Kunden kleinerer Instituten oder Kreditgenossenschaften geworden.
Banken standen bis jetzt allerdings nicht auf der Liste von ethisch fragwürdigen Anlagen, die diese Art von Investmentfonds meidet. Typischerweise investieren Ethik-Fonds nicht in Aktiengesellschaften, die ihr Geschäft mit Tabak, Glücksspiel, Alkohol und Waffen machen. Ebenfalls auf dem Index stehen Konzerne, denen Umweltverschmutzung vorgeworfen wird oder die Beziehungen zu autoritären Staaten unterhalten.
Nach Angaben des „Wall Street Journal“ vermeiden mindestens zwei ethische Investmentfonds, Eventide und Appleseed, aus politischen Gründen Anlagen in Großbanken. „Das gesamte Konzept einer Bank, die wegen ihrer Größe bei einem Zusammenbruch vom Staat gerettet werden müsste, ist ein Rezept für Korruption, Vetternwirtschaft und wirtschaftliches Desaster“, sagt Fondsmanager Adam Strauss vom Appleseed-Fonds, der 211 Millionen Dollar verwaltet. Die größten Banken könnten immer noch massive Risiken eingehen und davon profitieren, weil sie der Steuerzahler im Fall einer Schieflage retten würde.
Der Appleseed-Fonds hat in den vergangenen fünf Jahren jährlich einen Gewinn von durchschnittlich 6,2 Prozent erwirtschaftet. Das macht ihn nach Angaben des Fondsinformationsdienstes Morningstar zum besten Fonds seiner Kategorie. Banken hatten im vergangenen Jahr hohe Kursverluste verbucht. Die Bank of America, das zweitgrößte amerikanische Kreditinstitut, gehörte zu den Schlusslichtern des Dow-Jones-Index. Fonds, die in dieser Phase nicht in Bankaktien engagiert waren, hatten generell Vorteile gegenüber Wettbewerbern.
Trotz der wachsenden Kritik planen Ethik-Fonds allerdings noch keinen massiven Verkauf ihrer Bankaktien. Zwar meidet die Fondsgesellschaft Domini Social Investments die meisten großen amerikanischen Banken. Aktien des Marktführers JP Morgan Chase machen allerdings 2,5 Prozent des Fonds Domini Social Equity aus. Der Fonds hat den breitgefassten Aktienindex S&P 500 in den vergangenen drei Jahren um durchschnittlich 2,7 Prozent im Jahr geschlagen. Gründerin Amy Domini lobt JP Morgan, weil die Bank bei Krediten nicht nur auf die Rendite achte, sondern auch auf die möglichen Konsequenzen für Gesellschaft und Umwelt.
Der Fonds Green Century Balanced verkaufte Aktien der Bank of America und von Goldman Sachs, die während der Finanzkrise mit am heftigsten kritisiert wurde. Aktien der viertgrößten Bank Amerikas, Wells Fargo, stellen 1,6 Prozent des verwalteten Vermögens. Nach Angaben von Fonds-Marketingchefin Erin Gray könnte Wells Fargo bei Umweltfragen, sowie beim Thema Unternehmensführung noch besser werden. Die Bank mit Sitz in San Francisco habe aber lobenswerte Fortschritte bei der Kreditvergabe in ärmeren und bisher weniger von Banken beachteten Gegenden gemacht.
Neben Banken werden auch die großen Krankenversicherer von Ethik-Fonds kritisiert. Fondsmanager wie auch die Demonstranten der Occupy-Bewegung bemängeln einen fundamentalen Interessenkonflikt zwischen der Gewinnorientierung der Versicherer und den Bedürfnissen ihrer Kunden, die eine möglichst umfassende Gesundheitsversorgung benötigten. Krankenversicherern wurde vorgeworfen, die gefährdetsten Patienten nach Möglichkeit nicht aufzunehmen. Das im vergangenen Jahr verabschiedete Gesetz zur Gesundheitsreform schiebt diesen Praktiken allerdings einen Riegel vor.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |