05.06.2008 · Der Staat macht Fondssparpläne und Aktien durch die Abgeltungssteuer unattraktiver. Guter Rat ist gefragt – und kostet nicht nur bei Finanzplanern Geld. Des einen Honorar ist des anderen Ausgabeaufschlag.
Von Thorsten WinterUnzählige Sparer stehen in Deutschland vor einem Dilemma: Sie sollen mehr Geld in die private Altersvorsorge stecken – gleichzeitig naht die Abgeltungs- und Wertsteigerungssteuer, die auch vor langfristig angelegten Fondssparplänen nicht Halt macht. Ausgeschüttete Dividenden und Zinsen sollen von 2009 an pauschal mit 25 Prozent besteuert werden. Zudem führen die Kreditinstitute beim Verkauf einer Aktie oder eines Fonds vom nächsten Jahr an ein Viertel des Kursgewinns ans Finanzamt ab, wenn das Papier nach dem 1. Januar erworben wird.
Vor diesem Hintergrund haben Finanzdienstleister schon vor Monaten mobil gemacht und werben für Strategien und Produkte, mit denen Sparer dem Finanzamt möglichst ein Schnippchen schlagen. Zu den oft angebotenen Favoriten zählen Dachfonds, also Fonds, die wiederum in Fonds investieren. Denn Kursgewinne nach Umschichtungen im Dachfonds bleiben auch nach dem 1. Januar steuerfrei. Ob Anleger mit diesen Produkten gut beraten sind, ist eine andere Frage: Diese gelten wegen der hohen Gebühren als teuer und vielfach renditeschwach (Die Vermögensfrage: Dachfonds lohnen sich meist nicht).
Nur auf den ersten Blick kostenlos
Hinzu kommt: Anlageberatung ist bei vielen Banken und Sparkassen nur auf den ersten Blick für den Kunden kostenlos und stellt zudem gerne Produkte aus eigenem Hause in den Mittelpunkt. So wird für die Beratung meist nichts berechnet – doch zahlt ein Sparer danach beim Fonds-Erwerb meist den auch Agio genannten Ausgabeaufschlag von einigen Prozent mit. Und damit indirekt die Beratung.
Was können Sparer angesichts dessen tun? Eine Möglichkeit besteht darin, abseits der Finanzbranche Sachverstand zu suchen. Zu den bankenunabhängigen Anbietern zählt die Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt. Sie bietet bei der Geldanlageberatung zwei Varianten an. Zum einen Altersvorsorge für Einsteiger. Diese richtet sich an „Menschen, die nur wenige Rücklagen haben und sich noch keine Gedanken gemacht haben“, wie Brigitte Mayer von der Verbraucherberatung erläutert. Sie vermittelt den Kunden innerhalb von zwei Stunden ein Basiswissen. Kostenpunkt: 120 Euro.
Rat der Verbraucherzentrale stark gefragt
Für Leute, die schon Kapitalanlagen besitzen, ist die ebenfalls auf zwei Stunden angelegte Vermögensberatung gedacht, die ein Kollege Mayers anbietet. Dabei soll das Wertpapierdepot dahin gehend abgeklopft werden, ob Umschichtungen sinnvoll erscheinen. Ob Anleihen und Aktien, Zertifikate und aktiv gemanagte Fonds oder Indexfonds: Die gesamte Palette der Finanzprodukte kann Gegenstand eines Gesprächs sein, wie Mayer sagt. 150 Euro sind dafür fällig.
Eines gilt für beide Angebote: „Wir geben keine Produktempfehlung ab.“ Auch Beratung in steuerlichen Dinge ist nicht vorgesehen. Etwa die Abgeltungssteuer ganz außen vor zu lassen ist allerdings kaum möglich, wie Mayer zugesteht. Und noch eines eint die Altersvorsorge für Einsteiger und die Beratung für Fortgeschrittene: Sie erfreuen sich einer starken Nachfrage. Im Juni und Juli sind keine Termine mehr frei.
VHS-Kurse für 20 Euro
Auch die Volkshochschulen nehmen sich des Themas Kapitalanlage an. Die Volkshochschule Frankfurt etwa hat drei Kurse im Angebot, bei denen es allgemein um Geldanlage geht, und außerdem zwei zur Altersvorsorge. Was Tages- von Festgeld unterscheidet, was Bundesschatzbriefe sind und was Anleihen, soll im Kursus „Augen auf bei der Geldanlage“ ebenso vermittelt werden wie Basiswissen über Aktien. Diese Veranstaltung ist für den 29. Oktober von 18 bis 21 Uhr angesetzt und kostet 20 Euro. Eine Woche später geht es bei „Kapitalanlagen – Fonds – Abgeltungssteuer“ erklärtermaßen um den „Weg zur finanziellen Unabhängigkeit“. Dabei sollen die Teilnehmer eingehend über Investmentfonds, kapitalbildende Versicherungen und den „richtigen Vermögensmix“ informiert werden. Das Ziel: Strategien für eine attraktive Nachsteuerrendite erarbeiten. Dieser Kursus kostet ebenso 20 Euro und dauert drei Stunden.
„Wir erarbeiten gemeinsam eine optimale Vermögensstruktur“ – dieses Versprechen verbindet sich mit dem Kursus „Finanzplanung“, der sich an Leute richtet, die mit Grundlagen der Kapitalanlagen vertraut sind. Auch für diese Veranstaltung sind 20 Euro fällig.
Finanzplaner: 100 Euro je Stunde - oder mehr
Mit weit höheren Honorarkosten muss rechnen, wer sich an einen freien Finanzplaner wendet. 100 bis 250 Euro beträgt der Stundensatz, wie es bei dem in Mainz ansässigen, 80 Mitglieder zählenden Bundesverband Finanzplaner heißt, der in Konkurrenz zum Verband verbraucherorientierter Versicherungs- und Finanzmakler oder zum Verband unabhängiger Vermögensverwalter in Frankfurt steht. Vorgaben für Honorare geben alle nicht. Sie sind zu vereinbaren.
Freie Finanzplaner werden hierzulande anders als in Großbritannien oder den Vereinigten Staaten nur von sehr wenigen Sparern um Rat gefragt – etwa drei Prozent der Anleger nehmen sie in Anspruch, wie in der Branche zu hören ist. Als Grund gilt die Abneigung bei Sparern, für etwas zu zahlen, das sie bei Kreditinstituten kostenlos zu bekommen glauben. „Unsere Mitglieder müssen neutral sein“ – dürfen also nicht an eine bestimmte Fondsgesellschaft oder Versicherung gebunden sein, wie es beim Finanzplaner-Verband heißt. Zum guten Ton zählt auch, dass Berater den Kunden darlegen, inwieweit sie von Ausgabeaufschlägen oder Provisionen profitieren. Wobei Ausgabeaufschläge in der freien Beratung „kaum noch durchsetzbar“ seien, berichtet der Finanzplaner-Verband.
Rat-Geber in Gelddingen:
Wer sich in Fragen der Geldanlage von der Verbraucherzentrale Hessen beraten lassen möchte, muss unter 01805/972010 einen Termin vereinbaren. Der in Mainz ansässige Bundesverband der Finanzplaner bietet auf www.bundesverband-finanz-planer.de den Link „Beratersuche“, der für den Großraum Frankfurt vier Berater ausweist. Der Verband unabhängiger Vermögensverwalter in Frankfurt hält auf www.vuv.de eine umfangreiche Checkliste zur Auswahl eines Vermögensverwalter bereit. (thwi.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |