10.02.2005 · Rund ein Dutzend Unternehmen steht in den Startlöchern, um in diesem Jahr in Deutschland an die Börse zu gehen. Paion startet „einen Test für Neuemissionen in der Biotechnologie“, das Bezahlfernsehen Premiere kommt am 9. März. FAZ.NET-Spezial.
Rund ein Dutzend Unternehmen steht in den Startlöchern, um in diesem Jahr an die Deutsche Börse zu gehen. „So viele Aktienneuemissionen könnten es werden“, sagt Achim Schäcker, Leiter des deutschen Kapitalmarktgeschäftes von Credit Suisse First Boston (CSFB), eine gängige Marktmeinung. Stefan Winter und Hermann Prelle von der UBS in Frankfurt sind deutlich optimistischer als die meisten Investmentbanker. Sie halten bis zu dreißig Börsengänge für möglich. Im Jahr 2004 hatten es nur fünf Unternehmen neu an die Deutsche Börse geschafft, im Jahr davor kein einziges.
Auch wenn interessante Unternehmen wie die Fachverlagsgruppe Springer Science, die ehemalige Henkel-Sparte Cognis oder schon im März der Solaranlagenhersteller Conergy den Börsengang für 2005 planen, laufen die Vorbereitungen auch in diesem Jahr nicht rund. Zwar sollten es die gemessen am Tief des Dax im Jahr 2004 heute rund 20 Prozent höheren Aktienkurse der etablierten Unternehmen den Alteigentümern leichter machen, für sie akzeptable Preise beim Börsengang zu erzielen. Doch erinnert der ursprünglich für Donnerstag vorgesehene und nun auf Freitag verschobene erste Börsengang in diesem Jahr durch das Biotechnikunternehmen Paion an viele Versuche in den Vorjahren, bei denen es nicht auf Anhieb klappte. Paion teilte am Mittwoch mit, die Aktien würden zu 8 Euro zugeteilt. Dies ist das untere Ende der zuvor deutlich gesenkten Preisspanne. Auf diesem niedrigen Niveau sei die Emission überzeichnet, heißt es in einer Ad-Hoc-Mitteilung des Unternehmens. Das Emissionsvolumen betrage 40 Millionen Euro, falls die Mehrzuteilungsoption ausgeübt werde 46 Millionen Euro.
„Ein Test für Aktienneuemissionen“
Investmentbanker sehen die Schwierigkeiten von Paion, seine Aktien zu platzieren, nicht unbedingt als schlechtes Vorzeichen für den gesamten Markt für Aktienneuemissionen an. „Paion ist nur ein Test für Aktienneuemissionen aus dem Bereich Biotechnologie gewesen“, sagt Schäcker. Den wirklichen Lackmustest für die Aufnahmefähigkeit des Gesamtmarktes sieht er vielmehr im Börsengang des Bezahlfernsehsenders Premiere. Premiere gab am Mittwoch bekannt, am 9. März sollten erstmals an der Börse Premiere-Aktien gehandelt werden. Die Zeichnungsfrist beginnt am 23. Februar. „Mit Premiere wird ein für private und institutionelle Investoren gleichermaßen attraktiver Börsenkandidat das Fenster für deutsche Börsengänge im ersten Halbjahr 2005 weit öffnen“, rührt Schäcker, dessen Bank zu den Konsortialführern von Premiere gehört, die Verkaufstrommel.
Nach Informationen dieser Zeitung plant Premiere, rund ein Drittel der Emission an Privatanleger zu verteilen. Dieser im Vergleich zu den Emissionen in den Vorjahren hohe Anteil erklärt sich damit, daß sich hinter Premiere viele Privatanleger etwas vorstellen können und der Sender in seinem Programmen auch intensiv um Aktionäre werben wird. Allerdings beginnen institutionelle Investoren schon damit, den Preis herunterzureden. Kritisch würde gesehen, wenn Premiere-Vorstandschef Georg Kofler, der derzeit mit einem Anteil von 20,5 Prozent zweitgrößter Aktionär ist, beim Börsengang Kasse machen sollte. „Ich hätte Bauchschmerzen, wenn das Premiere-Management Aktien abgibt. Das würde nicht das Vertrauen stärken“, sagt Henning Gebhardt, Leiter deutsche Aktien bei der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Grundsätzlich ist er aber optimistisch: „Premiere hat bewiesen, daß der Sender Wachstum erzielen kann.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |