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FAZ.NET-Spezial Aktien und Rohstoffe bleiben für Anleger attraktiv

 ·  2005 konnten Anleger kaum etwas falschmachen, sofern sie nicht auf den Euro oder amerikanische Aktienindizes gewettet haben. Viele Aktienmärkte und Rohstoffe sind gut gelaufen, Renditen langlaufender Anleihen in Euroland niedriger als vor Jahresfrist. Und 2006? Aktien und Rohstoffe bleiben attraktiv.

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2005 konnten Anleger kaum etwas falschmachen, sofern sie nicht auf den Euro oder amerikanische Aktienindizes gewettet haben. Viele Aktienmärkte und Rohstoffe, angetrieben von der gut laufenden Weltwirtschaft und vor allem dem Hunger Asiens auf Eisenerz, Stahl, Kupfer und andere Metalle, sind gut gelaufen. So ist der Schweizer Markt-Index SMI binnen Jahresfrist um fast 34 Prozent hochgelaufen, der Dax um 28 Prozent, der EuroStoxx 50 um 22,5 Prozent, Londoner FTSE 100 („Footsie“) um 18 Prozent und der japanische Nikkei 225 um gut 43 Prozent.

Dagegen verblassen der Weltindex Dow Jones, der nur ein „Plüschen“ von 1,35 Prozent aufzuweisen hat, und der Hongkonger Hang Seng mit einem Zugewinn von knapp sieben Prozent. Auch die amerikanische Technologiebörse Nasdaq hat mit einem Aufschlag von 4,6 Prozent nicht geglänzt. In Euro rechnende Anleger sehen bei amerikanischen Aktien im übrigen relativ besser aus, weil der Dollar dem Euro seit Jahresbeginn 11,5 Prozent abgenommen hat und insofern aus deutscher Sicht schöne Währungsgewinne einzufahren gewesen sind.

Schwellenländer und Nebenwerte glänzten abermals

Noch mehr zu verdienen als mit Dax, EuroStoxx 50 und SMI ist seit Januar auf vielen Schwellenländermärkten gewesen, wobei Anleger nicht einmal nach Dubai und Ägypten, den Stars des Jahres 2005, blicken mußten. Der pakistanische KSE 100 hat sich um 62 Prozent verbessert, der südafrikanische Johannesburg All Actuaries um gut 42 Prozent, der südkoreanische Kospi um 53 Prozent, der mexikanische IPC um 41 Prozent. Nicht zuletzt hat der osteuropäische Schwergewichte vereinende CeCe-Index mit einem Plus von gut 47 Prozent sich wiederum hervorragend entwickelt, auch wenn er von März bis Ende Mai und im Oktober deutliche Abgaben verbuchte.

Auch Nebenwerte sind - den schon 2004 laut gewordenen Unkenrufen vieler Strategen zum Trotz - besser gelaufen als Standardaktien: Beim MDax steht ein Plus von 36 Prozent zu Buche, beim SDax ein Zuwachs von 35 Prozent, beim Anfang 2004 erst eingeführten German Entrepreneurial Index (Gex) ein Kursgewinn von 37,5 Prozent. Zudem hat der FTSE 250 mit einem Plus von 27 Prozent den großen Bruder ausgestochen.

Niedrige Renditen und nachlassender Preisdruck

Einer der Stars des Jahres war auch das Gold: Der Preis der Unze ist von rund 445 Euro auf zuletzt gut 504 Dollar gestiegen, macht ein Plus von gut 13 Prozent. Vor allem aber ist die Abkopplung vom Dollar ins Auge gefallen: Während der Goldpreis früher meist zulegte, wenn der Dollar nachgab, liefen beide im Jahresverlauf gemeinsam aufwärts. Kurstreiber waren die rückläufige Produktion in Südafrika, eine wegen der zwischenzeitlich gestiegenen Inflation gekletterte Nachfrage von Investoren und zudem der vermehrte Griff nach physischem Gold. Unter dem Strich ist auch wegen der Dollaraufwertung die Unze Gold heute 424 Euro wert nach 329 Euro vor Jahresfrist. Daraus errechnet sich ein Kursgewinn von 29 Prozent.

Entgegen den Erwartungen vieler Volkswirte tendieren die Anleiherenditen in Europa niedriger als vor Jahresfrist, das heißt: Rentenkurse tendieren höher als Ende Dezember 2004. Denn die amerikanische Notenbank hat ihre Serie von Trippelschritten fortgesetzt und die Europäische Zentralbank zwar den Leitzins erhöht, die Aussicht auf ein Ende des Zinserhöhungszyklus in Amerika und höchstens zwei weitere Schritte nach oben in Euroland haben aber im Verein mit einem nachlassenden Preisauftrieb die Rentenkurse zumindest bei Papieren mit längerer Laufzeit wieder steigen lassen; dagegen ist die Rendite bei Kurzläufern gestiegen, die Renditestrukturkurve also flacher geworden. Nach Meinung der von FAZ.NET befragten Analysten dürfte sich daran tendenziell nur wenig ändern. Am langen Ende werden die Renditen kaum steigen, wie es heißt. Insofern mögen Anleihen - Ausnahmen bestätigen die Regel - unter dem Strich kein Kauf mehr sein, aber eine Halteposition.

Dax günstig - Dividendenrendite bei drei Prozent

Und wenn die Marktzinsen nicht steigen, nützt das auch dem Aktienmarkt. Die Kreditkosten der Unternehmen laufen nicht davon, der Lohndruck bleibt gering bis mäßig und die Dividendenrendite interessant. Dax-Titel kommen im Schnitt auf eine Dividendenrendite von geschätzten drei Prozent für 2006 und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,8, während das langjährige Mittel bei etwa 16 liegt. Der marktbreite amerikanische S&P 500 ist demgegenüber mit einem KGV von 15 teurer. Vom KGV von gut 30 bei zehnjährigen deutschen Staatsanleihen ganz zu schweigen.

Dabei sehen Strategen im Dax eine höhere Gewinndynamik als im S&P 500. Da steigende Gewinne die beste Grundlage für kletternde Aktienkurse sind und die Dividendenrendite von Dax-Titeln nahe an dem Wert landen dürfte, den deutsche Zehnjährige abwerfen, sollte auch 2006 ein gutes Börsenjahr werden. Als attraktiv gelten zudem weiterhin Asien mit Japan sowie Schwellenländer.

Rohstoffe nicht zu vergessen: So hat die Investmentbank Morgan Stanley gerade ihre Preisprognosen für Kupfer, Aluminium und Zink signifikant angehoben - und steht damit nicht alleine da. Aus Sicht des technischen Analysten Wieland Staud befindet sich Gold in einem stabilen Aufwärtstrend. Die Unze könnte in den nächsten Jahren sogar die Marke von 850 Dollar sehen, meint Staud. Bis Ende nächsten Jahres sieht er das Gold in Richtung 650/700 Dollar laufen, erwartet für die nähere Zukunft aber deutliche Kursschwankungen.

Markt hält sich nicht immer an Prognosen

2006 könnte auch mit dem Euro zumindest im Verhältnis zum Dollar wieder etwas verdienen sein. Jedenfalls, wenn der Dollar wie von vielen Strategen leidet. Dies könnte dem erwarteten Ende des Zinserhöhungszyklus geschuldet sein, in dessen Folge das enorme Leistungsdefizit Amerikas wieder in den Blick geraten könnte. Dieses könne auf Dauer nur durch eine Abwertung des Dollars, die Importe verteuern würde, abgebaut werden, lautet eine verbreitete Meinung.

Allerdings entwickeln sich Kurse nicht immer so, wie Strategen es prognostiziert haben. So war für 2005 ein schwacher Dollar erwartet worden. Mithin sollten Anleger, die Aktien, Anleihen, Fonds, Rohstoffe oder Devisen kaufen, die Entwicklung des Marktes wieder aufmerksam begleiten. Dessenungeachtet ist dieses FAZ.NET-Spezial als Orientierungshilfe für Anleger gedacht.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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