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FAZ.NET-Anlagestrategie Aktionäre bleiben zunächst im fahrenden Börsenzug sitzen

12.12.2003 ·  Kursprognosen sind oft nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Und auch das Börsenjahr 2004 dürfte wieder einige Überraschungen parat haben. Zunächst gilt es für Anleger aber, weiter dem Aufwärtstrend zu folgen.

Von Jürgen Büttner
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Von 2000 bis 2002 fuhr der Zug an der Börse drei Jahre lang in die falsche Richtung. Anders als es die Anleger während des zuvor jahrelang dauernden Bullenmarktes gewohnt war, hagelte es da plötzlich massive Verluste. Im ersten Quartal 2003 hielt dieser Trend zunächst auch noch an und phasenweise kam es sogar zu einem regelrechten Ausverkauf bei den Aktien.

Doch wie so oft an der Börse kam es dann, als keiner mehr einen Cent auf eine baldige Wende zum Besseren setzen wollte, doch zu einem Umschwung. Seit März steigen an den meisten Weltbörsen jedenfalls die Kurse wieder und mit den richtigen Titeln im Depot läßt sich sogar wieder richtig gutes Geld verdienen.

Zunächst günstige Aussichten für weiter steigende Kurse

Zum Jahreswechsel gibt es zwar keine Garantie, daß sich der neu eingeleitete Aufwärtstrend im Jahr 2004 fortsetzen wird. Denn wie schnell der Wind drehen kann, haben gerade die Ereignisse in diesem Jahr eindrucksvoll gezeigt. Grundsätzlich betrachtet stehen die Aussichten zunächst aber gut, daß der Börsenzug auch weiterhin in die richtige Richtung fahren wird. Die Geldpolitik wirkt jedenfalls weiter expansiv und in Sachen Weltkonjunktur scheinen die Weichen zunächst richtig gestellt zu sein.

Hinzu kommt zudem ein weiteres Argument, welches derzeit vielleicht sogar am stärksten wiegt. Und zwar ist damit der Umstand gemeint, daß es angesichts noch immer relativ niedriger Anleiherenditen an Anlagealternativen zu den Aktien mangelt. Denn daß genügend Liquidität vorhanden ist, die nach lukrativen Anlagechancen sucht, zeigt sich auch daran, daß viele Gelder in die jahrzehntelang vernachlässigten Rohstoffmärkte gesteckt werden.

Dem nach oben weisenden Kurstrend folgen

Etliche Märkte warten zudem noch immer mit durchaus vertretbaren Bewertungsrelationen auf. Dazu gehört auch die deutsche Börse, wo der Dax auf Basis der für 2004 erwarteten Gewinne auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 14 kommt. Und während schon das vertretbar ist, finden sich außerhalb des Bereichs der Standardwerte nicht selten oft noch weitaus günstiger bewertete Titel.

Die Kategorie der niedrig bewerteten Titel erlebte bereits im Jahr 2003 ein Comeback und es spricht einiges für eine Fortsetzung dieser Entwicklung. Erst Recht dann, wenn eine vorteilhafte Bewertung einhergeht mit einer interessanten Produktpalette und einer herausragenden Marktstellung.

Auch die Charttechnik spricht dafür, das sich nach dem Motto „the trend is your friend“ die eingeschlagene Aufwärtsbewegung zunächst eine Fortsetzung finden wird. Denn banal gesprochen ist es auch an der Börse so, daß es für den Krug wahrscheinlicher ist, bis zum Brunnen zu kommen, als das er bricht.

Auch das Börsenjahr 2004 dürfte wieder einige Überraschungen parat haben

Eine weitere Binsenweisheit spricht im übrigen eher dagegen, daß es ein gemächliches und wenig spannendes Börsenjahr wird. Denn genau das scheint die Mehrheit der Börsianer zu erwarten. So trauen die Analysten den Dax im Schnitt ein Plus von um die zehn Prozent zu. Derzeit gibt es zwar durchaus einige Gründe, die diese Erwartungshaltung rechtfertigen. Aber bekanntlich ist es an der Börse ja so, daß die Mehrheit der Marktteilnehmer meistens nicht Recht behält.

Deshalb wäre es nicht überraschend, wenn auch das Börsenjahr 2004 mit einigen Turbulenzen aufwartet. Problematisch dürfte es insbesondere dann werden, wenn sich die hehren Konjunkturhoffnungen doch nicht erfüllen sollten. Momentan sieht es in dieser Hinsicht oberflächlich betrachtet zwar ganz gut aus, aber es gibt auch noch immer etliche strukturellen volkswirtschaftlichen Probleme, welche ganz zu schweigen von der Gefahr, daß exogene Faktoren, wie etwa ein neuer Krieg, den Börsenzug ebenfalls jederzeit zum Entgleisen bringen könnte.

Doch das sind Zukunftsspekulationen, auf denen sich aktuell keine vernünftige Anlagestrategie aufbauen lassen. Rational agierende Anleger verschwenden ohnehin nicht zu viel Zeit mit dem Nachdenken über ungelegte Eier. Sie halten sich am besten an die Trends und versuchen diese solange erfolgreich mitzuspielen, wie es geht.

Und wer sich an diese Maxime hält, dem bleibt derzeit nichts anderes übrig, als zunächst im Börsenzug sitzen zu bleiben. Aussteigen kann man immer noch dann, wenn sich im Verlauf des Jahres 2004 aufgrund neuer fundamentaler Ereignisse die Trends als nicht mehr haltbar erweisen sollten. FAZ.NET-Investor wird dabei wie bisher gewohnt versuchen, auf einen derartigen Trendwechsel rechtzeitig aufmerksam zu machen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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