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FAZ.NET-Aktienstrategie „Buy and Hold“ funktioniert bei Aktien nicht mehr

 ·  Seit März 2000 beherrschen die Bären, nur unterbrochen von Kursrallys, die Aktienmärkte. Bei dieser Konstellation winken nur aktiven Tradern Gewinne.

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Kursprognosen für die Aktienmärkte abzugeben, ist in diesen Tagen kein Zuckerschlecken. Denn nachdem sich die Börsen nun schon seit März 2000 im Bärenmarkt befinden, kann einem die Lust auf Vorhersagen schon einmal vergehen.

Insbesondere in einer Phase wie jetzt, in der sich die Börsen mit heftigen Kursreaktionen von ihren Abwärtstrends zu lösen versuchen und infolgedessen gleichsam „im luftleeren Raum“ schweben. In solchen Situationen sind auf den erreichten Niveaus problemlos zweistellige Kurszuwächse in wenigen Tagen möglich.

Erholungsrallys auch für Bärenmärkte typisch

Doch gehören solche Kursrallys durchaus auch in das Erscheinungsbild eines Bärenmarktes. Und wer unbefangen auf die Börsen blickt, muss ein unverändert schwieriges Marktumfeld konstatieren. Jedenfalls scheint es so, als ob sich viele der Belastungsfaktoren, welche die Kurse zuletzt vom Steigen abhielten, auch mittelfristig nicht in Luft auflösen werden. Schlagwortartig seien in diesem Zusammenhang die Kriegsangst, die brasilianische Finanzkrise, Konjunktur- und Gewinnsorgen, Deflationsszenarien sowie die Vertrauenskrise genannt.

Zu bedenken ist allerdings auch, dass in die Zeit zwischen November und April traditionell die beste Börsenphase fällt. Hinzu kommt die historische Erfahrung, wonach im dritten Jahr nach einer Wahl, also im Jahr 2003, die US-Aktienmärkte ebenfalls normalerweise sehr gut laufen. Zusammen mit den sehr niedrigen Zinsen verhindert diese Gesamtkonstellation, dass aus der Wette auf einen anhaltenden Abwärtstrend ein Ruhekissen wird.

„Buy and Hold“ nicht mehr „in“

Den besten Erfolg scheint vor diesem Hintergrund noch ein aktives Depotmanagement zu versprechen. Die „Buy and Hold“-Strategie hat zumindest derzeit ausgedient, auch wenn sie lange Zeit gute Gewinne gebracht hat. Wie es scheint, sind jetzt stattdessen Trader gefragt, die auf eine Kurswelle aufspringen und dann schnell wieder verkaufen, wenn die Welle wieder nach unten schwappt. Eine erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie gelingt aber den wenigsten Börsianern. Deshalb scheint es für viele Anleger sinnvoll zu sein, vor allem auf Kapitalerhalt bedacht zu sein.

Höhere Risikoaversion verlangt niedrigere Bewertung

Fest steht immerhin, dass die Vielzahl an kritischen Elementen unter den Anlegern zu einer deutlich gestiegenen Risikoaversion geführt hat. Die Erkenntnis wiederum bringt uns zu einem entscheidenden Punkt für die derzeitige Kursmalaise. Nämlich dem, dass gemessen an der gesunkenen Risikobereitschaft die Bewertungsrelationen der Leitbörse in den USA schlicht und einfach noch immer zu hoch sind.

So beziffert der Finanzdienstleister Bloomberg das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den S&P-500-Index auf Basis der Gewinnschätzungen für 2002 auf 29,9. Beim Dax liegt dieser Wert derzeit bei 25,8. Damit sieht der Dax zwar günstiger bewertet aus, aber selbst diese Relation ist noch zu hoch. Am Ende früherer Bärenmärkte bewegte sich das KGV in den USA jedenfalls erfahrungsgemäß im Bereich von zehn.

Im jetzigen Fall kommt noch die Unsicherheit darüber hinzu, inwieweit die angesetzten Gewinnschätzungen überhaupt erreicht werden können. Zuletzt mussten die Prognosen zumindest mit schöner Regelmäßigkeit nach unten angepasst werden. Im Zweifelsfall sind deswegen die Bewertungsrelationen noch etwas höher anzusetzen. Zumal sich demnächst vermutlich noch die erfolgswirksame Bilanzierung der Aktienoptionen durchsetzen wird. Und dies dürfte vor allem die Gewinne einiger Technologietitel noch einmal richtig drücken.

Ähnlichkeit mit dem Nikkei 225-Kursverlauf gibt zu denken

Auch die frappierende Ähnlichkeit zwischen dem Dax und dem Nikkei 225 Index gibt zu denken. Legt man den Verlauf des japanischen Index von 1982 bis 1992 mit der Entwicklung des Dax zwischen 1992 und 2002 zusammen, dann ergibt sich eine überraschende Deckungsgleichheit. Beide Indizes erlebten zunächst einen rasanten Abschwung, bevor es dann fulminant wieder nach unten ging.

Wird das zuletzt gezeigte Verhaltensmuster beibehalten, müssten wir uns im Falle des Dax auf eine langjährige Seitwärtsphase einstellen, die von starken Kursschwankungen begleitet wird. Dies nährt die These, dass mit der früher viel beschworenen „Buy and Hold“-Strategie wirklich nicht mehr viel zu holen sein wird. Wer sich das richtige Timing nicht zutraut, dürfte in dieser Zeit als neutraler Beobachtern am besten fahren.

Im Chart sehen Sie die Kursentwicklung des Dax und des S&P-500-Index in den vergangenen fünf Jahren.

Quelle: @JüB, @la
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