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Hohe Investitionen erwartet : Die EZB drängt private Anleger aus Verbriefungen

Fernab der Krisenländer: Die EZB bevorzugt bislang Verbriefungen niederländischer Immobilienkredite Bild: Reuters

Das Angebot am Markt für verbriefte Kredite ist sowieso knapp. Nun kommt die EZB als Käufer hinzu. Damit treibt sie die Preise. Der Handel trocknet aus.

          Von einem Markt für Kreditverbriefungen zu sprechen, fällt angesichts der Verhältnisse in Europa schwer. Denn in den vergangenen Jahren hat es nur einen wesentlichen Antriebsfaktor gegeben: die Europäische Zentralbank (EZB). Ansonsten sind die Handelsaktivitäten an diesem Markt vergleichsweise gering, wie Jochen Felsenheimer, Geschäftsführer des auf Anleihemärkte spezialisierten Vermögensverwalters Xaia, berichtet.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Angebot sei über die vergangenen Jahre stetig gefallen, weil die Tilgungen höher gewesen seien als die am Markt plazierten Neuemissionen, sagt Philipp Waldstein, Geschäftsführer der Meag, des Vermögensverwalters im Munich-Re-Konzern. Deutlicher drückt sich der Vorstandschef eines deutschen Finanzkonzerns aus, der den Verbriefungsmarkt für „praktisch tot“ erklärt und dafür die EZB verantwortlich macht.

          Die Notenbank kauft seit Ende November die Papiere, in denen Banken zahlreiche Kredite bündeln. Mit den forderungsbesicherten Wertpapieren, die von vielen nach der Finanzkrise noch immer als „toxisch“ verdammt werden, sind die Anleger in diesem Jahr gut gefahren. Die EZB hat allein schon mit ihrer Ankündigung einen kräftigen Kursanstieg ausgelöst und das Angebot am Markt deutlich reduziert.

          Wichtigster Effekt: „Schwächung des Euro“

          „Ziel ist die Belebung der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen“, sagt Johannes Mayr, Volkswirt der Bayerischen Landesbank (Bayern LB). Mayr ist aber skeptisch, dass dieses Ziel erreicht wird, weil die Banken in den Euro-Krisenländern nach der EZB-Bilanzprüfung ihren Entschuldungsprozess fortsetzen und zudem die Unternehmen dort aufgrund der geringen Auslastung und der geopolitischen Risiken kaum Kredite nachfragen. „Wir sehen den wichtigsten Effekt in einer Schwächung des Euro“, fügt Mayr hinzu. Dazu trügen auch die anderen EZB-Maßnahmen bei: die Käufe von Pfandbriefen, die günstigen Finanzierungsgeschäfte für Banken und der negative Einlagenzins.

          Die Zentralbank wird in ihrem Kaufprogramm, das sie Anfang September angekündigt hatte, wohl auch auf neue Titel ausweichen müssen. Deshalb rechnet Philipp Waldstein über die Zeit mit einem Anstieg der Neuemissionen. Bislang konnten die Institute die am Markt als Asset Backed Securities (ABS) bezeichneten Titel auch als Pfand bei der EZB für Finanzierungsgeschäfte einreichen.

          Davon dürften nun schon rund 400 Milliarden Euro bei der Notenbank liegen. Das Volumen an Verbriefungen, deren Qualität ausreichend hoch ist, um sie als Sicherheit einzureichen und die damit für EZB-Käufe in Frage kommen, beträgt 684 Milliarden Euro. Das entscheidende Kriterium ist dabei die Bonitätsnote. Die Zentralbank hat die Anforderungen aber schon in den letzten Jahren gesenkt.

          Ursprünglich mussten die Titel von zwei Ratingagenturen mindestens mit „A-“ bewertet werden, seit längerem wird aber als untere Grenze „BBB-“ akzeptiert. Das gilt auch für das Kaufprogramm. Die EZB geht aber noch weiter und will auch die Kreditpakete griechischer und zyprischer Banken kaufen. Diese haben aber aufgrund der schlechten Bonitätsnoten ihrer Staaten nicht das Rating, das von Banken aus anderen Ländern als Untergrenze verlangt wird.

          Hauptsächlich als Pfand hinterlegt

          EZB-Vizepräsident Vitor Constancio schätzt das Volumen der für die Käufe möglichen Verbriefungen auf insgesamt 400 Milliarden Euro. „Davon ist nur rund ein Viertel öffentlich plaziert“, kritisiert Daniel Hartmann, Analyst der auf Anleihen ausgerichteten Fondsgesellschaft Bantleon. Der Rest sind einbehaltene Kreditverbriefungen, die von den Banken einzig zu dem Zweck aufgelegt werden, um sie als Pfand bei der Zentralbank einzureichen.

          Nach Daten des europäischen Investmentbankenverbandes AFME sind bis Ende September zu diesem Zweck fast doppelt so viele Verbriefungen aufgelegt worden, als am Markt, also bei Investoren, plaziert werden konnten: Das waren 52 Milliarden Euro, die einbehaltenen Papiere belaufen sich auf 103 Milliarden Euro.

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