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Expresszertifikate Für vorsichtige Anleger

02.03.2010 ·  Wem die Zinsen für Tagesgeld zu niedrig, das Risiko am Aktienmarkt jedoch zu hoch ist, kann Expresszertifikate kaufen. Sie bieten bei einem moderaten Risiko jährliche Renditen von mehr als neun Prozent.

Von Daniel Mohr
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Die Zinsen in Deutschland verharren seit bald einem Jahr auf niedrigem Niveau. Gerade einmal 1,2 Prozent beträgt nach Informationen der FMH Finanzberatung derzeit die durchschnittliche Verzinsung auf Tagesgeldkonten. Wer sein Geld für ein Jahr festlegt, bekommt nur 1,3 Prozent Zinsen, und für Geldanlagen mit fünf Jahren Bindung sind es nicht einmal 3 Prozent im Jahr. Kein Wunder, dass die Suche der Anleger nach rentierlicheren Geldanlagen auf Hochtouren läuft.

Für Anleger, denen das Aktienkursrisiko zu hoch ist, bietet sich zur Erhöhung ihrer Rendite eine Mischform an, die zwar ein Aktienkursrisiko enthält, dieses aber gegenüber der Direktanlage in Aktien mindert. Für die Inkaufnahme des Risikos erhält der Anleger die Chance auf eine höhere Rendite, als sie auf Tages- oder Festgeldkonten erzielt werden kann. Expresszertifikate sind eine solche Mischform. Mit einem Anlagevolumen von derzeit 10 Milliarden Euro sind sie nach den Garantiezertifikaten die zweitwichtigste Zertifikategattung.

Zwischen minus 40 und plus 9

Ein typisches Expresszertifikat auf den wichtigsten Aktienindex im Euro-Raum, den Euro Stoxx 50, hat die Deutsche Bank in der vergangenen Woche begeben (Isin DE000DB9W0W5). Es hat eine Laufzeit von maximal fünf Jahren. Alle sechs Monate überprüft der Emittent des Zertifikats, ob der Euro Stoxx 50 höher steht als zur Ausgabe des Zertifikats bei 2731 Punkten. Ist dies der Fall, so endet die Laufzeit des Zertifikats. Der Anleger erhält 100 Euro zuzüglich 5,50 Euro für jedes halbe Jahr Laufzeit ausgezahlt. Bereits im August - zum ersten Überprüfungstermin - wäre somit eine Rückzahlung von 105,50 Euro möglich.

Derzeit kostet ein Zertifikat rund 101 Euro, die Rendite betrüge in sechs Monaten somit knapp 4,5 Prozent, auf ein Jahr gerechnet wären dies fast 9 Prozent. Läuft das Zertifikat bis zum letzten Überprüfungstermin Ende Februar 2015, so bekäme der Anleger dann 155 Euro je Zertifikat ausgezahlt, falls der Euro Stoxx 50 dann höher steht als derzeit.

Liegt der Index aber auch an diesem letzten Termin niedriger als zu Beginn der Laufzeit, so wird geprüft, ob er denn mindestens 60 Prozent seines Startniveaus erreicht. Der Euro Stoxx 50 müsste also mindestens auf 1638 Punkten stehen, aktuell sind es 2740 Punkte. Ist dies der Fall, erhält der Anleger 100 Euro je Zertifikat ausgezahlt. Steht der Index aber sogar noch tiefer, trägt der Anleger die vollen Indexverluste. Seine Auszahlung richtet sich nach der tatsächlichen Wertentwicklung des Euro Stoxx 50 während der Laufzeit des Zertifikats. Der Verlust beträgt mehr als 40 Prozent.

Für langweiligere Tage

Gegenüber einer Direktanlage in Aktien hat das Expresszertifikat vor allem drei Nachteile: Der Anleger erhält keine Dividenden, seine Rendite ist nach oben begrenzt, und es gibt wie bei allen Zertifikaten ein Emittentenrisiko. Wird der Emittent eines Zertifikats zahlungsunfähig, droht dem Anleger der vollständige Verlust seines eingesetzten Kapitals.

Vorteile gegenüber der Direktanlage bietet das Zertifikat bei moderaten Kursverlusten am Aktienmarkt, denn bis zu einem Indexminus von 40 Prozent ist der Anleger vor Verlusten geschützt. Ebenso stellt sich der Anleger bei nur leicht steigenden Aktienkursen mit einem Expresszertifikat besser, denn wenn der Aktienindex nur wenigstens sein Ausgangsniveau hält, bekommt der Anleger bereits eine Rendite von rund 9 Prozent im Jahr.

Auch vorsichtigere Varianten

Im beschriebenen Zertifikat erzielt der Anleger jedoch nur eine positive Rendite, wenn der Euro Stoxx 50 an einem der Beobachtungstermine sein Ausgangsniveau zumindest wieder erreicht. Für vorsichtigere Anleger gibt es jedoch auch Expresszertifikate, die bei Verlusten des Index dem Anleger dennoch eine positive Rendite bescheren.

Die Société Générale hat ein solche von ihr Memory Expresszertifikat genanntes Produkt Ende Januar auf den Markt gebracht (Isin DE000SG1LPE6). In der Laufzeit von fünf Jahren wird einmal im Jahr überprüft, ob der Euro Stoxx 50 höher steht als zur Auflage des Zertifikats bei 2777 Punkten. Auch hier endet die Laufzeit des Zertifikats, sobald zu einem der Beobachtungstage das Ausgangsniveau überschritten wird. Der Anleger erhält dann 100 Euro je Zertifikat zuzüglich 7 Euro für jedes Jahr, das das Zertifikat gelaufen ist. Aktuell kostet ein Zertifikat knapp 100 Euro.

Die gezahlten Kupons sind zwar niedriger als bei dem Zertifikat der Deutschen Bank, bei dem der Anleger 5,50 Euro je Halbjahr, also 11 Euro je Jahr erhält, dafür kommt es auch zu einer Auszahlung aller Kupons am Ende der Laufzeit, wenn der Euro Stoxx 50 dann mindestens auf 60 Prozent seines Ausgangsniveaus notiert, also wenigstens auf 1666 Punkten. Die Auszahlung Ende Januar 2015 betrüge dann 135 Euro.

Für alle Schlussstände des Euro Stoxx 50 zwischen 60 und 99 Prozent seines Ausgangsniveaus ist dieses Zertifikat somit attraktiver als jenes der Deutschen Bank, das für diese Fälle nur 100 Euro auszahlt. Liegt der Euro Stoxx 50 zum Ende der Laufzeit im Jahr 2015 jedoch unter 60 Prozent seines derzeitigen Niveaus, trägt der Anleger auch bei diesem Expresszertifikat die Verluste voll.

Auch für Einzelaktien möglich

Expresszertifikate gibt es auch auf zahlreiche Einzelaktien. So hat Morgan Stanley ein One Touch Zertifikat genanntes Produkt auf die Aktie der Deutschen Bank mit vier Jahren Laufzeit noch bis Ende nächster Woche in der Zeichnung (Isin DE000MS8FD87). Der Kupon beträgt 7,40 Euro. Er wird jährlich gezahlt, sofern der Aktienkurs der Deutschen Bank wenigstens einmal im Jahr höher notiert als 60 Prozent seines Anfangsniveaus.

Am Ende der Laufzeit erhält der Anleger die anfangs angelegten 100 Euro je Zertifikat zuzüglich des letztens Kupons und zwischenzeitlich womöglich ausgefallener Kupons, wenn der Aktienkurs der Deutschen Bank mindestens 60 Prozent seines Niveaus vom Beginn der Laufzeit erreicht. Liegt er darunter, trägt der Anleger die Kursverluste voll, bekommt aber dennoch die Kupons gutgeschrieben, wenn der Deutsche-Bank-Aktienkurs im letzten Jahr der Laufzeit wenigstens einmal höher als 60 Prozent seines Ausgangsniveaus notierte. Die Dividende - aktuelle Dividendenrendite der Deutschen Bank: 1,6 Prozent - fließt jedoch dem Emittenten des Zertifikats zu.

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