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Ethische Anlagen Investieren ohne schlechtes Gewissen im Aufwind

17.09.2003 ·  Ethische oder sozial verantwortungsvolle Investitionen sind wieder im Kommen, die Nachfrage nach ethischen Investments zieht wieder an. Manche Fonds schneiden gut ab, da sie vor allem auf Mittelständler setzen.

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Ethische oder sozial verantwortungsvolle Investitionen sind wieder im Kommen. Fondsmanager und Broker berichten, daß die Nachfrage zusammen mit dem Aufschwung bei Aktien seit dem Frühjahr dieses Jahres wieder angezogen habe.

Dow Jones Sustainability Indixes (DJSI), eine Organisation von Dow Jones Indexes, Stoxx Ltd. und der Schweizer SAM Group, hat in diesem Jahr die Zahl ihrer verkauften Lizenzen auf den Höchststand von 45 gesteigert. Auch der Wert der sozial verantwortungsvoll oder auch nachhaltig investierten Anlagen, der ähnlich wie herkömmliche Investitionen im Marktabschwung schwer gelitten hatte, erholt sich: Bei DJSI erreicht er inzwischen wieder den Stand von 2,2 Milliarden Euro - soviel wie im Frühjahr 2002 oder im Sommer 2001. In den vergangenen zwölf Monaten wurden neue Investmentprodukte auf Basis der DJSI-Nachhaltigkeitsindizes in Österreich, Kanada, Dänemark, Finnland, Frankreich, Italien und den Niederlanden auf den Markt gebracht.

Verantwortungsbewußte Unternehmen können sich sehen lassen

In der Branche, die durch gehörigen Wildwuchs gekennzeichnet ist, orientieren sich die Investoren und Fondsanbieter an verschiedenen Kriterien. Sie reichen über Umweltschutz, die Achtung von Menschenrechten bis zum Schutz des ungeborenen Lebens. Manche beziehen auch Fragen der Unternehmensführung (corporate governance) in die Entscheidung darüber ein, ob ein Unternehmen anlagewürdig ist. Die einen schließen ganze Kategorien aus wie Rüstung, Öl oder Tabak, die anderen suchen in jeder Branche die Besten heraus. Doch bei aller Unterschiedlichkeit mache sich das Denken in Strukturen der Nachhaltigkeit zunehmend in den Kreisen der etablierten Finanzwelt breit, sagt SAM-Direktor Alexander Barkawi. Das lange Zeit herrschende Vorurteil, daß sozial bewußte Unternehmen für Anleger ein Luxus für gute Zeiten seien, ließe sich nach drei Jahren Abschwung nicht mehr aufrechterhalten. Die meisten Indizes zeigen, daß die verantwortungsbewußten Unternehmen zumindest nicht schlechter abgeschnitten haben.

Unter etlichen Privatanlegern genießen die entsprechenden Fonds eine hohe Loyalität, berichtet Julia Dreblow, die für Großbritanniens größten und ältesten ethischen Investmentfonds der Fondsgesellschaft Friends Provident arbeitet. "Wir haben mehr als eine Milliarde Pfund investiert; im nächsten Jahr hoffen wir, neue Fonds lancieren zu können", sagt sie. Ihre Anlagen hätten sich in jüngster Zeit sogar besonders gut rentiert, weil der Fonds so strenge Kriterien anwendet, daß fast nur mittelständische Unternehmen enthalten sind; Großkonzerne werden aussortiert, weil sie meistens unter zweifelhaften Umständen in Entwicklungsländern aktiv seien. Die Aktien von Mittelständlern aber hätten sich in den vergangenen Monaten besonders gut entwickelt. Mark Campanale von Henderson Global Investor verweist auch auf Daten aus den Vereinigten Staaten, nach denen die Abflüsse aus ethisch orientierten Fonds in den Jahren 2001 und 2002 schwächer waren als bei herkömmlichen Fonds. Allerdings waren auch die Zuflüsse in den wenigen Quartalen, in denen es solche gab, spürbar geringer.

Ethische Fonds oft „stiefmütterlich“ vermarktet

Die Branche hatte in jüngerer Vergangenheit durchaus ihre Rückschläge zu verkraften. Im Januar dieses Jahres schloß die Londoner Gesellschaft Close Fund Management ihren ethischen Fonds, in dem zuletzt nur noch eine Million Pfund investiert waren. Der Grund: Mangelndes Interesse der Investoren. Das Problem sei, daß die Finanzberater für die ethischen Fonds nicht genügend bei den Privatanlegern werben würden, sagt Managerin Dreblow von Friends Provident.

Klar ist jedoch, daß immer mehr Unternehmen auf ihren sozialen Ruf achten. Selbst das britische Nuklearunternehmen BNFL hat in diesen Tagen seinen ersten Bericht über Ziele in ökologischen und sozialen Fragen vorgelegt. Deutsche Gesellschaften sind indes selten an der Spitze der Bewegung zu finden. Immerhin: Nach der Kalkulation von DJSI ist derzeit Volkswagen der Marktführer laut der angewandten Nachhaltigkeitskriterien. Im September sind zudem T-Online und Epcos in die Indizes von DJSI aufgenommen worden. Rausgeflogen sind dagegen Daimler-Chrysler, Continental, Linde und Degussa.

Ob die Unternehmen nur Hochglanzbroschüren produzieren oder wirklich nach ihren Ansprüchen handeln - dies haben die vielen Beratungsgesellschaften herauszufinden, die Fondsmanager bei der Anlage unterstützen. Die Indexanbieter orientieren sich dabei an unterschiedlichen Beratungsgesellschaften. Zudem erstellen sie ihre Listen nach verschiedenen Kriterien. DJSI beispielsweise bezieht ökonomische Gesichtspunkte in die Bewertung ein, darunter corporate governance, wozu der Umgang mit den Aktionären gehört. FTSE4Good dagegen gilt als ein Index, der weitgehend nur auf ökologische und soziale Kriterien achtet.

Quelle: chs. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2003, Nr. 217 / Seite 22
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