Die Schifffahrtskrise hinterlässt zunehmend Spuren in den Bilanzen der deutschen Banken. Die Commerzbank hat im ersten Halbjahr in der Schiffsfinanzierung die Risikovorsorge um 300 Millionen Euro erhöht. In der zweiten Jahreshälfte dürften noch einmal rund 230 Millionen Euro hinzukommen. Mit einem Kreditvolumen von rund 20 Milliarden Euro ist die Commerzbank der zweitgrößte deutsche Schiffsfinanzierer nach der Hamburger HSH Nordbank. Auch die staatliche Förderbank KfW musste im ersten Halbjahr ihre Rückstellungen für Schiffskredite um 200 Millionen Euro aufstocken.
Die Schifffahrtsmärkte sind seit vier Jahren in der Krise. Besonders schwierig sind die Geschäfte mit Containerschiffen, Massengutfrachtern (Bulker) und Tankern. In diesen Segmenten ist das Angebot an Schiffsraum größer als die Nachfrage. Dies hat zur Folge, dass die Mietpreise für die Schiffe (Charterraten) oft kaum noch hoch genug sind, um den Kapitaldienst zu leisten und die Betriebskosten zu decken. Anfangs halfen die Banken, die den Reedern und Emissionshäusern lange Zeit bereitwillig mit Krediten zur Seite standen und daher eine Mitschuld an den Überkapazitäten haben, noch mit Tilgungsstundungen aus. Doch inzwischen ist die Geduld erschöpft. Die Commerzbank hat sogar angekündigt, sich ganz aus der Schiffsfinanzierung zurückzuziehen.
Der Druck auf die Frachtraten bleibt bestehen
Auch den privaten Anlegern ist die Lust auf Schiffsfonds vergangen. Da die Emissionshäuser folglich als Eigenkapitalbeschaffer ausfielen, ist so manche Bank mehr oder minder unfreiwillig zum Schiffseigentümer avanciert. So führt die Commerzbank in ihrem Geschäftsbericht 2011 sieben Containerschiffe mit Namen wie „CPO Marseille“ oder „CPO Valencia“ in ihrem Besitz auf. Diese sind schon seit längerem zur Veräußerung bestimmt, aber Interessenten finden sich kaum. Die sieben Schiffe binden bei der Commerzbank Eigenkapital von knapp 217 Millionen Euro und haben im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von 8,7 Millionen Euro verursacht. Die Abkürzung CPO steht für Claus-Peter Offen. Der angeschlagene Hamburger Großreeder ist der Mieter dieser Schiffe. Er zählt zu den größten Einzelkunden der Bank.
Wohl dem, der zu groß ist, um fallengelassen zu werden. Schlechter ist es um die fondsfinanzierten Einschiffsgesellschaften bestellt. Nach Einschätzung von Thomas Mattheis, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft TPW, kämpfen hierzulande rund 800 Fondsschiffe mit finanziellen Schwierigkeiten. Er rechnet in den nächsten Monaten noch mit einer ganzen Reihe von Insolvenzen. Sorgen bereitet den Marktteilnehmern auch, dass die Konjunkturschwäche inzwischen auch das Transportaufkommen beeinträchtigt. So bleibt der Druck auf die Frachtraten bestehen.
Die HSH Nordbank rechnet jedenfalls nicht mit einer kurzfristigen Markterholung. Daher wird auch das Ergebnis der HSH unter erhöhten Wertberichtigungen im Schifffahrtsgeschäft leiden. Allerdings wird die Last wohl dadurch erträglich bleiben, dass die Bank in den Jahren zuvor schon hohe Rückstellungen für drohende Ausfälle gebildet hat. Die Norddeutsche Landesbank, die 19,5 Milliarden Euro Schiffskredite in den Büchern hat, bekommt die Krise nach eigener Aussage „deutlich zu spüren“. Aufgrund der konservativen Risikopolitik und einer guten Kundenstruktur sei das Geschäft aber weiterhin profitabel, sagte ein Sprecher. Im zweiten Halbjahr rechne man mit steigenden Wertberichtigungen. „Aber die Größenordnungen werden insgesamt verkraftbar bleiben“, sagte der Sprecher und gab folgenden Ausblick: „Wir haben sicher noch einige schwierige Jahre vor uns. Wir sehen aber gute Chancen, dass es zum Beispiel in dem für uns sehr wichtigen Segment der Containerschifffahrt in den nächsten ein bis zwei Jahren eine spürbare Erholung geben könnte.“
Die Kurse der Schiffspfandbriefe zeigen kaum Ausschläge
Die auf Transportfinanzierung spezialisierte DVB Bank spürte im ersten Halbjahr ebenfalls die Krise am Schiffsmarkt und musste ihre Risikovorsorge in diesem Bereich auf 21,3 Millionen Euro deutlich erhöhen. Die Tochtergesellschaft der DZ Bank geht davon aus, dass der Abbau der Überkapazitäten bis ins Jahr 2014 dauern wird. Im zweiten Halbjahr würden in der Tanker-, Massengut- und Containerschifffahrt zahlreiche Neuauslieferungen auf den Markt drängen, wodurch sich die Überkapazität fortsetzen und die Charterraten weiter unter Druck bleiben dürften. Laut DVB Bank würden aber allmählich die Orderbücher in diesen Segmenten kleiner, so dass das Verhältnis von bestellter zu vorhandener Schiffskapazität langsam abnehmen wird.
Neben den Schiffsfonds spielen die Schiffskredite am Kapitalmarkt auch bei den damit unterlegten Pfandbriefen eine Rolle. Deutsche Banken haben Schiffspfandbriefe über 6,6 Milliarden Euro begeben. Seit 2008 ist das Volumen um 30 Prozent gesunken. Gab es vor vier Jahren noch Neuemissionen von 6 Milliarden Euro, waren es im vergangenen Jahr nur noch 0,9 Milliarden Euro. Doch die Kurse der Schiffspfandbriefe zeigen derzeit kaum Ausschläge. DZ-Bank-Analyst Michael Spies führt diese auf die sehr geringen Handelsvolumina dieser Titel zurück.
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