15.12.2008 · Die Dollarrally ist vorerst vorbei. Die amerikanische Währung verbucht deutliche Kursverluste. Verschiedene fundamentale Faktoren sprechen gegen sie. Die Schwäche führt bei Rohstoffpreisen wieder zu einem gewissen Auftrieb.
Die Dollarrally ist vorerst vorbei. Nach einer Kursbewegung um knapp 22 Prozent von knapp 1,60 Dollar je Euro noch im Juli des laufenden Jahres bis auf 1,2452 Dollar vor einer Woche im Rahmen der zumindest vorübergehenden Dollarknappheit hat der Kurs wieder nach oben gedreht. Inzwischen sind wieder 1,3702 Dollar nötig, um eine Einheit der europäischen Einheitswährung erwerben zu können.
Das dürfte kaum verwundern. Denn die Leitzinsen in den Vereinigten Staaten sind tief und können möglicherweise in absehbarer Zukunft sogar noch auf Null fallen, die Staatsanleihen des Landes werfen am kurzen Ende längst keine Rendite mehr ab, die hereinkommenden Wirtschaftsdaten sind schlecht, die Schulden sowohl der Haushalte als auch die des Staates sind sehr hoch und steigen in der Tendenz, die hinterlegten Vermögenswerte werden immer weniger wert, der Staat erzielt im Außenhandel Defizite und die Zentralbank ist inzwischen dazu übergegangen, Schulden zu monetarisieren. Zum Beispiel durch den direkten Kauf von Commercial Papers.
Der Dollar verbucht wieder deutliche Kursverluste
Die Kombination an Faktoren spricht gegen den Dollar. Tatsächlich läuft der Kurs gegen den Euro nun schon seit zwei Wochen deutlich nach oben, während er gegen den Yen aufgrund der kaum noch vorhandenen Zinsdifferenz weiter abwertet. Die europäische Währung scheint eine der wenigen zu sein, bei der die verantwortliche Zentralbank zumindest bisher nicht allzu offensichtlich auf eine kompetitive Abwertung aus ist. Andere Notenbanken dagegen - neben der amerikanischen zum Beispiel auch die Schweizer - scheinen genau diese anzustreben. Die russische Zentralbank ließ den Rubel in den vergangenen Tagen gegen den Euro sogar von 34 Rubel Ende Oktober auf 37,7 Rubel je Euro am 15. Dezember.
Angesichts des optisch rasch nachlassenden Preisauftriebs scheinen die raschen, massiven Zinssenkungen und anderen geldpolitischen „Lockerungsmaßnahmen“ der vergangenen Wochen gerechtfertigt zu werden. Allerdings sind die Preisrückgänge in erster Linie auf die Korrektur der Rohstoffpreise zurückzuführen. Dagegen zeigten sich in den vergangenen Wochen die Preise von Basisgütern robust, im Dienstleistungsbereich kam es sogar zu Preiserhöhungen. Monopolistische Unternehmen wie die Bahn, öffentlich rechtliche Fernsehsender oder Behörden können ihre Preise beliebig festsetzen, ohne die Abwanderung der „Kunden“ befürchten zu müssen. Im Gegenteil, sie haben sogar „zwanghaften“ Zugriff auf ihre „Schuldner“. Das heißt, die Preisentwicklung ist zumindest in Europa in weiten Teilen robuster, als es den Anschein hat.
... und führt bei den Rohstoffpreisen wieder zu einem gewissen Auftrieb
Der Rückgang der Rohstoffpreise ließ sich im Rahmen der allgemeinen Reduzierung riskanter Positionen durch die Liquidation spekulativer Bestände sowie durch die nachlassende Nachfrage aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche erklären. Allerdings stellt sich immer die Frage, ob und wann die Reflationierung greift, die von den Zentralbanken und auch den Regierungen angestrebt wird. Immerhin befinden sich mittlerweile neben der lockeren Geldpolitik massive Infrastrukturausgaben, Staatshilfen und Rettungspakete für die Banken und die Industrie in allen führenden Industrienationen und in vielen Schwellenländern der Welt in der Wirkungsphase oder noch in der Pipeline.
Zusammen mit Produktionseinschränkungen und niedrigen Zinsen können künstliche Nachfrageschübe dieser Art Anleger schnell dazu reizen, wieder in Rohstoffe zu investieren. Immerhin stellen sie nach dem Preisverfall der vergangenen Monate eine Alternative zu vergänglichen Währungen, hoch bewerteten Rentenmärkten und volatilen Börsen dar. In diesem Falle könnten die Preise in den engen Märkten rasch wieder nach oben laufen und disinflationäre Tendenzen ebenso durchkreuzen, wie die geldpolitischen Strategien der Zentralbanken.
Der Goldpreis hat in den vergangenen Monaten nur unterdurchschnittlich korrigiert. Er gilt bei vielen Anlegern nicht nur als Währungsersatz, sondern auch als heimlicher Inflationsindikator. Der Ölpreis hat in den vergangenen Tagen trotz der nachlassenden Nachfrage wieder von 40 auf knapp 50 Dollar je Barrel der Sorte WTI zugelegt. Kritische Anleger blicken nicht nur auf die veröffentlichten Inflationsraten, sondern auch auf die Geldmengen und die Umlaufgeschwindigkeit. Im Gegensatz zu den Mengen ist die letztere deutlich zurückgegangen. Interessant wird es dann, wenn sie zunimmt.
Euro- Stärke
Hermes September (hermesimseptember)
- 15.12.2008, 19:21 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |