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DWS-Fondsmanager Gebhardt „Es gibt viele Vermutungen und wenig Fakten“

21.01.2008 ·  DWS-Fondsmanager Henning Gebhardt spricht über die Ursachen des Ausverkaufs an den Aktienmärkten und die Kurstreiber der Zukunft. Er empfiehlt Anlegern auf klassische Werte wie Pharma, Telekommunikation und Versorger umzusatteln.

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DWS-Fondsmanager Henning Gebhardt spricht über die Ursachen des Ausverkaufs an den Aktienmärkten und die Kurstreiber der Zukunft.

Er empfiehlt Anlegern auf klassische Werte wie Pharma, Telekommunikation und Versorger umzusatteln.

Herr Gebhardt, der Dax hat drei Jahre hintereinander um 20 Prozent zugelegt. Kommt da der Kursrutsch wie ein Blitz aus heiterem Himmel?

Eigentlich nicht. Angesichts der schlechten Nachrichten vom amerikanischen Hypothekenmarkt und aus der Finanzbranche hatte sich in den vergangenen Wochen schon ein negatives Momentum aufgebaut. Die Frage nach der Zukunft von Kreditversicherern war da vielleicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Zwischenzeitlich schienen die Kurse keinen Boden zu finden. Was spielt sich in solchen Momenten ab?

Die Kursverluste wurden sozusagen einmal um die Welt geschoben. Dann tauchen immer weniger Käufer am Markt auf, so dass sich eine gewisse Abwärtsdynamik bei den Kursen aufbaut. Dazu ist nicht einmal eine einzelne Nachricht als Auslöser notwendig. Die Erfahrung zeigt, dass es keine gute Empfehlung ist, in einem Umfeld zu verkaufen, in dem Ausverkaufsstimmung herrscht.

Vor allem Finanzwerte werden nur noch mit spitzen Fingern angefasst.

Bankaktien leben vom Vertrauen der Anleger – und das ist angeschlagen. Immer wieder wird die Qualität der Vermögenswerte in den Bilanzen in Frage gestellt. Da betont beispielsweise Hypo Real Estate, man habe keine Probleme – und dann stellen sich Papiere mit einem „AAA“-Gütesiegel plötzlich als anfällig heraus. Es gibt viele Vermutungen und wenig Fakten. Insofern ist das jetzt nicht unbedingt der Höhepunkt des Misstrauens der Börsianer gegenüber den Finanzwerten.

Auf welche Aktien setzen Sie in dem schwierigen Marktumfeld?

In stark fallenden Märkten wie diesen sind die klassischen defensiven Werte aus den Branchen Pharma, Versorger und Telekommunikation die richtigen Titel. In Deutschland kommt noch die Chemie dazu. Gute Beispiele sind BASF, Linde und Bayer.

Was sind denn die Kurstreiber in den nächsten Tagen und Wochen?

Die wirtschaftliche Entwicklung in Amerika wird uns beschäftigen: Kommt eine Rezession, oder kommt sie nicht? Welche Auswirkungen hat das auf Europa und die Schwellenländer? Daneben bleiben natürlich die Nachrichten aus der Finanzbranche ein großes Thema. Am schlimmsten wäre es, wenn die Finanzinstitute den Investoren keinen reinen Wein einschenken und versuchen, schlechte Nachrichten nur nach und nach herauszulassen.

Signalisiert der Kursrutsch vom Montag nicht auch, dass eine Rezession in Deutschland und Europa inzwischen für wahrscheinlich gehalten wird?

Tatsächlich fangen die Märkte an, eine weltweite Rezession einzupreisen. Das ist möglicherweise ein zu dramatisches Szenario. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir Gewinnrevisionen sehen werden.

Müssen sich die Anleger nun auf eine längere Zeit mit größeren Kursschwankungen einstellen?

Nicht zwangsläufig. Schnelle Entladungen hat es auch in der Vergangenheit immer mal wieder gegeben. Damit werden Übertreibungen aus den Märkten korrigiert. Allerdings hat es auf dem deutschen Aktienmarkt keine dramatischen Übertreibungen gegeben. Zwar hat der Dax im vergangenen Jahr wesentlich besser als andere Standardwerteindizes aus den Industrieländern abgeschnitten. Die Kursentwicklung hat aber lediglich die Gewinnentwicklung der Dax-Unternehmen abgebildet.

Haben Sie Panikreaktionen beobachtet?

Ein Ausverkauf war das schon. Vor allem internationale Investoren haben umgeschichtet. Allerdings ist die Stimmung unter den Marktteilnehmer heute noch nicht panisch, obwohl es in der Historie des Dax der drittgrößte prozentuale Verlust ist.

Das Gespräch führte Steffen Uttich.

Quelle: F.A.Z.
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