19.08.2010 · Der erfolgreiche amerikanische Hedge-Fonds-Manager Stanley Druckenmiller will seine Gesellschaft Duquesne Capital schließen - wegen enttäuschender Ergebnisse in den vergangenen zwei Jahren. Er ist nicht der erste Manager, der so handelt.
Von Norbert Kuls, New YorkEiner der erfolgreichsten und berühmtesten Hedge-Fonds-Manager an der Wall Street, Stanley Druckenmiller, hat überraschend seinen Rückzug aus dem Geschäft angekündigt. In einem Brief an die rund 100 Kunden seiner vor 30 Jahren gegründeten Gesellschaft Duquesne Capital Management begründete Druckenmiller diese Entscheidung mit einem „hohen emotionalen Tribut“ als Folge enttäuschender Ergebnisse. „Obwohl unsere Klienten sicherlich zufrieden waren, dass wir trotz eines schwierigen Umfeldes 2008 und 2009 positive Ergebnisse erzielt haben, war ich, wie Sie möglicherweise vermutet haben, mit diesen Resultaten unzufrieden, weil sie nicht meinen eigenen, inneren Langfristansprüchen genügt haben“, schrieb Druckenmiller.
Druckenmiller ist das jüngste Beispiel einer Reihe von etablierten Hedge-Fondsmanagern, die ihre Fonds wegen eines schwierigen Marktumfeldes schließen. Duquesne, wo Druckenmiller derzeit 12 Milliarden Dollar verwaltet, hatte seit der Gründung allerdings kein einziges Jahr Verlust gemacht. Im Gegenteil: Die jährliche Rendite lag im Durchschnitt bei 30 Prozent. Im Krisenjahr 2008 wies Duquesne einen Gewinn von 11 Prozent aus, obwohl Hedge-Fonds damals im Durchschnitt 19 Prozent verloren hatten.
„Ich habe den riesigen Kursanstieg bei Anleihen verpasst“
Im darauf folgenden Jahr, das von einer Erholung der Märkte geprägt war, kamen diese Investmentvehikel für reiche Privatkunden und Institutionen allerdings auf eine durchschnittliche Rendite von 20 Prozent. Duquesne verdiente 2009 aber nur halb so viel und liegt in diesem Jahr mit rund 5 Prozent im Minus. „Ich fühlte, dass ich 2008 und 2009 eine Menge Gelegenheiten und in diesem Jahr den riesigen Kursanstieg bei Anleihen verpasst habe“, sagte Druckenmiller in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Mit Anlagen in amerikanische Staatsanleihen haben Investoren in diesem Jahr bisher eine Rendite von 8 Prozent erzielen können.
Duquesne ist vornehmlich auf unterbewertete Wachstumsaktien spezialisiert. Zu den größten Positionen von Duquesne am Ende des zweiten Quartals gehörten der Computerhersteller Apple, die Schnellrestaurantkette McDonald's, der Netzwerkausrüster Cisco sowie die Großbanken J.P. Morgan Chase und Wells Fargo. Druckenmiller ist zudem für Wetten auf makroökonomische Trends bekannt, die Zinsen und Devisenkurse bewegen. Mit einer solchen Strategie wurde Druckenmiller berühmt, als er im Jahr 1992 für seinen damaligen Chef George Soros gegen das britische Pfund wettete. Der Quantum-Fonds von Soros, dessen Anlagechef Druckenmiller damals war, verdiente damit 1 Milliarde Dollar.
Dafür wieder Zeit für die Familie und Golfturniere
Vor zehn Jahren trennte sich Druckenmiller aber von Soros und konzentrierte sich ausschließlich auf Duquesne, den er zuvor parallel zu seiner Tätigkeit bei Quantum geführt hatte. Das Vermögen des Quantum-Fonds war damals stark angeschwollen. Das machte es schwieriger, hohe Renditen zu erwirtschaften. „Unglücklicherweise sind diese Faktoren mit dem Wachstum von Duquesne wieder zutage getreten“, schreibt Druckenmiller jetzt im Brief an seine Kunden.
Der 57 Jahre alte Druckenmiller, der mit einem geschätzten persönlichen Vermögen von 2,8 Milliarden Dollar zu den reichsten Amerikanern gehört, hat offenbar schon länger einen Rückzug erwogen. Vor einigen Wochen nahmen diese Pläne offenbar konkrete Formen an, nachdem ihn Johann Rupert, Vorstandschef des großen Schweizer Luxusgüterherstellers Richemont, für Oktober zu einem Golfturnier in Schottland einlud. Druckenmiller lehnte ab, weil die Börsen im Oktober traditionell schwankungsanfällig sind. „Bist du verrückt“, habe Rupert nach Angaben von Druckenmiller erwidert. „Du hast das 30 Jahre lang gemacht. Du bist Milliardär. Du kannst dir nicht ein paar Tage frei nehmen, um Golf zu spielen?“
Das sprach Druckenmiller, dessen Urlaube mit der Familie regelmäßig von unerwarteten Ereignissen an den Märkten unterbrochen worden waren, offenbar aus der Seele. Druckenmiller, der dreistellige Millionenbeträge für wohltätige Organisationen gespendet hat, will zukünftig nur einen Teil seines eigenes Vermögens verwalten. Er will dazu Geld bei Portfolio-Managern von Duquesne anlegen, die jetzt ihre eigenen Hedge-Fonds gründen werden. Die Kunden von Duquesne sollen ihre Gelder 2011 zurückbekommen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |