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Dispozinsen Raus aus der Falle

Überzogene Konten sind teuer: Bis zu 17 Prozent Zinsen nehmen die Banken. Wer mit seinem Konto im Minus ist, sollte deshalb besser rasch umschulden, denn es gibt durchaus Alternativen.

© F.A.Z. Vergrößern

Das ist Rekord: Saftige 16,99 Prozent Zinsen verlangt die Citibank von ihren Kunden, wenn sie ihr Girokonto überziehen und den Dispokredit beanspruchen. Nur wer das Konto „Citibest“ wählt, hat etwas gnädigere Konditionen.

Andere Banken sind nicht viel besser. Selbst bei den Sparkassen sind die Verbraucher nicht vor hohen Zinsen sicher: 13,99 Prozent verlangt etwa die Sparkasse Köln-Bonn für ein Girokonto in den Miesen.

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„Sie fluchen, aber sie wechseln nicht

„Räuberbanken“, urteilt deshalb die Stiftung Warentest (vgl. Dispozinsen: Die Räuberbanken). Ganz unberechtigt ist das nicht. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank, zu dem sich die Banken mit Geld versorgen können, ist im Lauf des vergangenen Jahres von 4,25 Prozent auf 1 Prozent abgesenkt worden - die Kunden spüren davon aber wenig. Im Durchschnitt verlangen die Geldhäuser 11,6 Prozent für ihre Dispositionskredite, das sind nur 0,6 Prozentpunkte weniger als im Sommer 2008.

„Für die Banken gibt es gar keine Notwendigkeit, mit den Zinsen runterzugehen“, sagt Max Herbst, Chef der FMH-Finanzberatung aus Frankfurt. Die wenigsten Kunden würden sich die Mühe machen, deshalb zu einer anderen Bank zu gehen. „Sie fluchen, aber sie wechseln nicht.“

Wenn schon Schulden machen, dann richtig

Für Verbraucher, die sich nur mit kleinen Summen über kurzfristige Engpässe hinweghelfen, seien die hohen Dispozinsen noch zu ertragen, sagt Stephan Kühnlenz, Finanzexperte der Stiftung Warentest. „Teuer wird es, wenn das Konto dauernd und mit hohen Beträgen im Minus steht.“

Wenn schon Schulden machen, dann richtig: Das beginnt bei der Frage, ob ein Kredit überhaupt nötig ist. Denn wenn noch Geld auf einem Tagesgeld- oder Sparkonto liegt und ohnehin schlecht verzinst wird, sollte man lieber die Reserve anknabbern, als für hohe Zinsen sein Konto zu überziehen.

Rate oder Abruf

Ist das Konto ständig im Minus, kann ein sogenannter Abrufkredit Entlastung bringen. Schuldet man um und wandelt so den Dispo- in einen Abrufkredit, lässt sich bei den Zinsen sparen. Rund 8 bis 10 Prozent Zinsen werden hier je nach Geldhaus fällig. Und es geht auch günstiger, wenn sich der Bankkunde dazu entscheidet, den Kredit innerhalb einer bestimmten Zeit zurückzuzahlen - zum Beispiel innerhalb von drei oder vier Jahren. 6,4 Prozent verlangt dann etwa die PSD Bank Hannover, 7,22 Prozent Zinsen will die ING-Diba haben. Meist vergeben die Banken höchstens 25 000 Euro. Zinsen werden nur fällig, wenn wirklich Geld angefordert wird.

Günstiger, aber weniger flexibel als der Abruf- ist der Ratenkredit. Dieser eignet sich für Menschen, die wissen, dass sie das Geld nicht so schnell wieder zurückzahlen können - und die Summen ab etwa 3000 Euro brauchen, denn darunter vergibt keine Bank einen solchen Kredit.

Zum Glück gezwungen

Wer dauerhaft mit seinem Konto in den Miesen ist, sollte also mit seinem Bankberater über eine solche Umschuldung sprechen, um wenigstens bei den Zinsen zu sparen. Allerdings ist die monatliche Belastung erst mal höher als beim Dispo, weil zu den Zinsen auch noch die Tilgung kommt. Dafür wird man aber zu seinem Glück gezwungen und zahlt seine Schulden zurück, während beim Dispo- und Abrufkredit mehr Selbstdisziplin gefragt ist.

Der Ratenkredit wird in monatlich festen Raten getilgt. Die Zinshöhe wird individuell von den Geldhäusern berechnet und richtet sich nach Kriterien wie Bonität, Laufzeit und Kreditsumme. Allerdings: wie die Banken die individuelle Zinshöhe ermitteln, ist nicht transparent. Jedes Institut rechnet anders. Da hilft nur vergleichen.

Grundsätzlich sollten die betroffenen Verbraucher jedoch nicht nur ans Umschulden denken, warnt FMH-Finanzexperte Herbst. „Wer sich im Dispo bewegt, dem reicht sein Geld nicht.“ Daher müssten sich die Betroffenen einschränken und prüfen, wo sie sparen können. „Den Ärger über die hohen Dispozinsen sollte man nutzen, um seine Ausgaben genau unter die Lupe zu nehmen und Unnötiges zu streichen.“

Quelle: F.A.S.

 
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