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Die Zukunft der Geldanlage Ein Blick ins Jahr 2020

18.08.2008 ·  Die Finanzwelt steht vor tiefgreifenden Änderungen: In wenigen Jahren wird es Portfolio-Übersichten am Computer mit interaktiven Charts geben. Und auch die große Zeit der aktiv verwalteten Investmentfonds neigt sich ihrem Ende. Was die Kristallkugel sagt.

Von Ricky McRoskey
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Die Finanzwelt ändert sich. Vor vierzig Jahren konnte man noch keinen auf Geldmarktsätzen basierenden Terminkontrakt kaufen, vor 25 Jahren gab es noch keine besicherten Schuldtitel auf dem Markt und vor zwei Jahren war „Subprime“ noch kein Schimpfwort an der Wall Street.

Doch Investoren - und diejenigen, die mit dem Bündeln neuer Investmentprodukte Geld verdienen - scheinen stets auf die nächste große Sache aus zu sein. Und wenn uns die Finanzgeschichte eines gelehrt hat, dann ist es die Tatsache, dass Veränderungen unvermeidlich sind - angefangen bei der Art, wie Banken Risiken bündeln, über die Wege der Regierung, Bankinstitute zu regulieren, bis hin zu den Möglichkeiten der Konsumenten, ihre Ersparnisse anzulegen. Und nach den kürzlichen Umbrüchen am Aktien- und Rentenmarkt stellt sich im Finanzsektor die Frage, was wohl als nächstes kommen wird. Wie wird die Finanzwelt des Jahres 2020 aussehen?

Kurz gefasst: Die Branche wird transparenter, internationaler und noch stärker von einzelnen Investoren gelenkt als heute.

„Viele Mauern werden einstürzen“

Business Week hat Finanzexperten und Akademiker gefragt, wie die Finanzlandschaft im Jahr 2020 aussehen wird. Die Fachleute erwarten eine Welt, in der Investmentbanken den Anschein staatlich gestützter Geldverwahrungsinstitutionen erwecken werden, es wird weniger Investmentfonds geben und Börsen werden internationaler, wobei sie von über den Regierungen stehenden Gesellschaften reguliert werden. „Es werden viele der Gerüste und Mauern einstürzen, die in der alten Finanzwelt, in der wir aufwuchsen, errichtet wurden“, sagt Tanya Styblo Beder, Chairperson der SBCC Group und Mitglied des Aufsichtsrats der International Association of Financial Engineers, einer Non-Profit-Organisation zur Förderung des Finanzingenieurwesens.

Eine Grenze, die fallen wird, ist die Unterscheidung zwischen in- und ausländischen Märkten. Dem Internationalen Währungsfonds zufolge machen die Entwicklungsländer mittlerweile 45 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung aus - im Jahr 2000 waren es noch 37 Prozent. Hier ist eine klare Tendenz zur Angleichung von entwickelten und unentwickelten Ländern zu erkennen.

Angesichts des explosiven Wachstums in den aufstrebenden Märkten und immer mehr international agierender Unternehmen werden Hauptniederlassungen von Unternehmen an Bedeutung verlieren, meint Jeremy Siegel, Professor für Finanzwesen an der Universität der Wharton School in Pennsylvania: „Die Menschen glauben, sie streuten Investitionen, wenn sie in einem anderen Land Geld investieren, doch die daraus resultierende Verteilung ist unzureichend, weil das Ursprungsland oder das Land der Gesellschaft nicht der größte Einflussfaktor auf den Aktienkurs ist.“

Wirklich internationale Unternehmen werden entstehen

Wichtiger für einzelne Anleger wird ein Verständnis dessen sein, wo ein Unternehmen produziert und wo es seine Produkte verkauft. Denn ein Betrieb, der in Frankreich seinen Firmensitz hat, seine Produkte aber in Ägypten an den Mann bringt, spiegelt nicht unbedingt die französische Wirtschaft. Siegel sieht die Geburt des „internationalen Unternehmens“ voraus, das in der ganzen Welt Güter herstellt und verkauft und sich nicht mit einem einzelnen Land in Verbindung bringen lässt. Dies wird wiederum eine weltweite Börse erforderlich machen, so Siegel, und internationale Rechnungslegungsgrundsätze würden zur Norm. „Wir werden nur noch im Sinne globaler Märkte denken.“

Im amerikanischen Finanzsektor besteht kurzfristig die Möglichkeit, dass Investmentbanken beginnen werden, Mittel über öffentliche Einlagen aufzubringen, prophezeit Charles Calomiris, Professor für Finanzwesen an der Columbia School of Business. Seinem Gedankengang folgend zeigen die Bereitschaft der Fed, Bear Stearns zu retten und die Entscheidung, das Diskontfenster im März weit aufzustoßen, eine wachsende aktive Beziehung zu den Investmentbanken.

Banken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley jedoch bringen keine Mittel durch Spareinlagen auf, sondern verkaufen Wertpapiere an private Investoren. Dieses System umging seit jeher den „verstärkten Druck durch Aufsichtsbehörden“, den Einlagen hereinnehmende Handelsbanken verspüren, sagt Calomiris, doch erwies es sich als verheerend, als der Markt für hypothekarisch gesicherte Wertpapiere trockengelegt wurde.

Die Transparenz wird triumphieren

Die Experten sind sich einig, dass Transparenz über die Finanzwelt regieren wird. Banken scheuen sich heutzutage davor, Kredite zu gewähren, weil sie viele außerbörslich gehandelte individualisierte Aktiva (wie besicherte Schuldscheine und Credit Default Swaps) halten, deren Werte ohne bereitwillige Käufer schwierig einzuschätzen sind. Neue Finanzprodukte, so Calomiris, werden transparenter und einheitlicher sein, so dass Käufer genau wissen, was sie kaufen und Verkäufer, wie viel ihre Produkte wert sind. Papiere wie besicherte Schuldscheine werden weithin gehandelt werden können und ihr Wert wird unverzüglich durch größere Märkte bestimmt. „Ein Trend in Richtung Einfachheit wird die Liquidität erhöhen“, schließt Calomiris.

Die Zahl der Investmentfonds dürfte ebenfalls abnehmen. Immer mehr Investoren streuen heutzutage ihre Portfolios durch den Kauf börsengehandelter Fonds, also Aktienkörben, deren Wert an einen breiten Index wie den S&P 500 gebunden ist. 2000 gab es 80 börsengehandelte Fonds, die dem Investment Company Institute zufolge einen Wert von etwa 45 Milliarden Dollar hatten. Heute gibt es 697 solcher Fonds, die 578 Milliarden Dollar umfassen

Investmentfonds werden an Bedeutung verlieren

Da die niedrigen Managementgebühren und die bereits eingebaute Diversifizierung dieser Fonds die Investoren in Scharen anziehen, werden aktiv geführte Fonds, die höhere Gebühren verlangen, vieles an Attraktivität einbüßen. „Die Branche aktiv geführter Investmentfonds wird ziemlich drastisch schrumpfen“, meint Darrell Duffie, Professor für Finanzwesen an der Standford Graduate School of Business. „Und die Menschen werden eher in der Lage sein, ihre finanziellen Angelegenheiten selbst zu verwalten.“

Ganz von der Bildfläche verschwinden werden aktiv geführte Investmentfonds allerdings nicht, da es immer einen Bedarf an gebündelten Finanzprodukten geben wird, weiß Beder von SBCC, denn „viele Menschen können gar nicht auf die ganze Produktpalette eines Markts zugreifen“. All diese Änderungen zugunsten größerer Effizienz und mehr Transparenz im Handel werden zu diversifizierteren Portfolios führen. Nämlich solchen, „die sich über eine größere Bandbreite von Marktbedingungen hinweg als stabil erweisen“, so Andy Weisman, Chef-Investment-Stratege bei WR Capital.

Interaktive Charts werden kommen

Bessere Computerprogramme werden täglichen Investoren vor Augen führen, wie leicht sich ihre Portfoliorisiken verändern, sagt Duffie. Interaktive Charts werden den Investoren zeigen, wie sich ihre Kreditrisiken ändern, wenn sie mehr Microsoft-Optionen kaufen, weniger chinesische Aktien im Portfolio haben oder wenn der Ölpreis sinkt. „Man wird einfach auf ein Symbol klicken und sich seine finanzielle Zukunft im Lichte unterschiedlichster Szenarien veranschaulichen lassen können“, führt Duffie weiter aus.

Neue Programme werden auch die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Lebensbereichen der Investoren besser widerspiegeln: „Das Vorhaben, einerseits eine Krankenversicherung abzuschließen und andererseits in Wertpapiere zu investieren, wird es so nicht mehr gebeb“. Der Investor wird Aktien erwerben können, die basierend auf seinen Ausgaben für Behandlungskosten Gewinne abwerfen, oder er schließt eine Versicherung ab, um sich gegen eine Minderung des Eigenheimwerts abzusichern. Man müsse Duffie zufolge „einfach seine Vorstellungskraft nutzen“.

Risikostreuung geht noch besser

Das Subprime-Desaster untermauerte die Feststellung, dass reaktionsschnelles Denken eine finanzielle Talfahrt nicht verhindern kann, und dass Risikostreuung noch immer eine unvollendete Kunst ist. Die Hoffnung für die Zukunft liegt nach Robert McDonald, Professor für Finanzwesen an der Kellogg Business School, darin, dass die Aufsichtsbehörden das Bedürfnis des Markts nach Wettbewerb und Freiheit respektieren und bei ihren schlechten Angewohnheiten nicht einfach ein Auge zudrücken: „Es besteht die Hoffnung, dass Phönix aus der Asche aufersteht. Die Herausforderung wird sein, die Dinge zu reparieren, ohne sie dabei zu kaputt zu machen.“

Doch Robert Wright, Finanzhistoriker an der Stern School of Business der Universität New York, ist der Meinung, dass eine Lösung durch Aufsichtsbehörden schwierig sein wird, denn „Aufsichtsbehörden neigen immer dazu, nur die vorangegangene Panik zu bekämpfen.“

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