19.02.2006 · Die staatlichen Rentenkassen sind leer, so daß die künftigen Renten nunmehr über eine Erhöhung des Rentenalters gesenkt werden. Das erfordert oft einen Verzehr des Privatvermögens. Dieser ist mit vielen Problemen verbunden.
Von Volker LoomanDie staatlichen Rentenkassen sind leer, so daß die Politiker offensichtlich nur noch eine Wahl haben: Erhöhung der Beiträge zur Rentenversicherung oder Senkung der Altersrenten. Die beiden Maßnahmen sind aber so unpopulär, daß nun ein dritter Weg - die Rente von 67 an - beschritten werden soll.
Das Vorhaben läuft auf die Kürzung der Rente hinaus. Die meisten Senioren sind vom 65. Lebensjahr an auf die Rente angewiesen. Der frühere Rentenbeginn ist mit Abschlägen verbunden, so daß die Bezüge nur auf dem Papier stabil bleiben.
Geldleerer Raum zwischen Abfindung und Rente
Noch schlimmer sieht es bei allen Privatleuten aus, die mit Mitte 50 ihre Arbeit verlieren. Sie müssen mit Abfindungen und Arbeitslosengeld über die Runden kommen. Wenn die Mittel mit Ende 50 oder Anfang 60 aufgebraucht sind, gibt es zur Rente keine Alternative, doch der Rentenbeginn mit 61 oder 62 Jahren kostet zusätzlich Geld, so daß die Renten unter dem Strich gewaltig sinken.
Rettung bietet in diesen Lebenslagen nur Privatvermögen. Doch auch das kann zur Last werden, wie im folgenden Fall. Der frühere Mitarbeiter eines Industriebetriebes ist 55 Jahre alt. Er ist vor Jahren aufs Altenteil geschoben worden, und jetzt ist die staatliche Unterstützung ausgelaufen. Das Unglück hält sich im Vergleich zu anderen Fällen in Grenzen, weil der Mann rund 475.000 Euro auf dem Konto hat. Das Geld ist durch Abfindungen, Erbschaften und Sparverträge zusammengekommen, so daß sich der Anleger auf den ersten Blick keine Sorgen machen muß.
Bei genauem Hinsehen ist die Lage aber nicht rosig, und das liegt in erster Linie an zwei Dingen. Erstens wohnt der Mann zur Miete, und zweitens wird die Rente von 2.000 Euro frühestens von 65 Jahren an fließen, so daß sich der Anleger in den nächsten zehn Jahren aus eigener Kraft über die Runden bringen muß.
Eigenheim statt Miete ist ein Vorteil
Die Anlage der 475.000 Euro in festverzinsliche Wertpapiere bringt zur Zeit zwischen drei und vier Prozent je Jahr. Das sind im Schnitt etwa 1.385 Euro im Monat. Bei einer Miete von 1.000 Euro bleiben 385 Euro übrig, so daß klar ist, daß der Mann an die Substanz muß und einen Teil des Kapitals verzehren muß. Das schmeckt dem Anleger jedoch überhaupt nicht, und jetzt plagen ihn weitere Sorgen. Der Vermieter hat dem Frührentner das Haus für 280.000 Euro angeboten, so daß die Überlegung im Raum steht, ob der Pensionär noch Eigenheimer werden soll oder nicht.
Die Idee mag im ersten Moment verwegen sein, doch die Zahlen zeigen, daß das Angebot gewissen Charme hat. Das Objekt kostet einschließlich der Nebenkosten rund 300.000 Euro. Der Anleger ist Mitte 50, so daß er das Objekt voraussichtlich 30 Jahre nutzen kann. Allerdings ist wegen der angespannten Finanzlage an Instandhaltung nicht zu denken, so daß die Besitzer das Objekt im wahrsten Sinne des Wortes abwohnen werden. Das hat Auswirkungen auf den Preis des Hauses in 30 Jahren. Vermutlich wird der Wert der Immobilie auf 200.000 Euro sinken, weil nur noch das Grundstück richtig Geld bringen wird, der Wert des Gebäudes jedoch auf die Hälfte sinken wird.
Die wenigen Werte ergeben einen überschaubaren Zahlungsplan. Der Anleger investiert 300.000 Euro in das Haus. Die Erträge sind 360 ersparte Mieten von jeweils 1.000 Euro. Am Ende ist das Objekt noch 200.000 Euro wert. Das führt zu einer Rendite von 3,41 Prozent nach Steuern, weil sich das Ganze im Privatvermögen des Anlegers abspielt. Wenn die Miete jedes Jahr um ein Prozent steigt, klettert die Verzinsung auf 3,99 Prozent nach Steuern, und wenn die Miete um zwei Prozent im Jahr anzieht, kommen unter dem Strich sogar 4,64 Prozent heraus.
Das Ersparte geht drauf
Soviel Geld ist mit Anleihen im Moment nicht zu verdienen. Bei einem Zinssatz von vier Prozent bleiben nach Abzug der Steuern schätzungsweise drei Prozent übrig. Wenn 300.000 Euro zu diesem Satz angelegt und im Laufe von 30 Jahren auf 200.000 Euro abgeschmolzen werden, kommt der Anleger jeden Monat in den Genuß von 913 Euro. Mit dieser Art Rente könnte die Miete nicht bezahlt werden, so daß deutlich wird, daß Eigenheime, die bar bezahlt werden, lukrative Investitionen sind, wenn die Zahlen stimmen. Im Vergleich zu den Anleihen ist das Eigenheim mit konstanter Miete um 21.000 Euro günstiger. Die Vorteile klettern auf 53.000 und 91.000 Euro, falls die Mieten um ein bis zwei Prozent je Jahr steigen.
Bei diesen Werten ist es kein Wunder, daß der Anleger dazu neigt, das Haus zu kaufen. Der heikle Punkt bleiben allerdings die zehn Jahre bis zum Beginn der Rente. Wenn die Immobilie gekauft wird, sind 300.000 Euro weg, so daß noch 175.000 Euro angelegt werden können. Das ist, auch wenn es hart klingt, so wenig Geld, daß das Kapital bis zum Rentenbeginn verzehrt werden muß. Bei einem Zinssatz von drei Prozent je Jahr beträgt die Rente monatlich 1.686 Euro. Damit ist der finanzielle Rahmen abgesteckt. Der Anleger kauft das Haus. Die monatliche Rente des nächsten Jahrzehnts beträgt 1.686 Euro. Danach fließen 20 Jahre je 2.000 Euro im Monat. Das Restguthaben am Ende des Lebens wird durch das Haus und das Grundstück 200.000 Euro betragen.
Kein Anlaß zum Jubeln
Die Versorgung ist einfach und klar. Allerdings besteht zum Jubeln kein Anlaß, weil die Renten von 1.686 und 2.000 Euro gewisse Disziplin verlangen. Begehrlichkeiten wecken vor allem die 200.000 Euro, die am Ende des Lebens zur Verfügung stehen. Es ist Geld, welches das Ehepaar, das zwei Kinder hat, an den Nachwuchs vererben kann, aber nicht unbedingt will, weil das Berufsleben des Mannes so jäh beendet worden ist. Wenn die 200.000 Euro verflüssigt werden sollen, wird den Eltern nichts anderes übrigbleiben, als weiter zur Miete zu wohnen und die 475.000 Euro im Laufe der nächsten 30 Jahre vollständig auf den Kopf zu hauen.
Bei diesem Konzept rücken zwei Fragen in den Mittelpunkt. Zunächst geht es um die Frage, wie das Geld angelegt werden soll. Dann geht es um die Kalkulation, wie hoch die Entnahmen sein sollten, damit unter Berücksichtigung der staatlichen Rente, die in zehn Jahren hinzukommen wird, eine gleichmäßige Altersversorgung zustande kommt. Der Barwert der Staatsrente liegt bei 269.000 Euro, wenn die künftigen Zahlungen mit jeweils drei Prozent abgezinst werden. Dadurch beträgt die gesamte Anlage rund 744.000 Euro.
Wer gut leben will, riskiert die Mietsteigerung
Das Kapital kann zum Beispiel zu einem Drittel in Aktien und zu zwei Dritteln in Anleihen investiert werden. Das führt zu 244.000 Euro, die in Aktien fließen, und zu 500.000 Euro, die in Anleihen gehen. Wenn die Aktien nach Steuern eine jährliche Rendite von sechs Prozent abwerfen und die Anleihen nach Abzug der Abgaben eine jährliche Verzinsung von drei Prozent bringen, liegt die durchschnittliche Rente bei 3.500 Euro je Monat. Sie führt dazu, daß die Anleihen (221.000 Euro) bis zum Beginn der Rente in zehn Jahren und die Aktien (244.000 Euro) auf 30 Jahre verrentet werden. Die Anleihen bringen 2.200 Euro im Monat, und die Aktien liefern 1.300 Euro, so daß unter dem Strich die 3.500 Euro zusammenkommen. Mit Beginn der Rente kommen aus der Staatskasse monatlich 2.000 Euro, und aus dem Aktientopf sprudeln 1.600 Euro, so daß insgesamt 3.600 Euro fließen.
Von den Erträgen müssen die Mieten (1.000 Euro) abgezogen werden, so daß den Anlegern ungefähr 2.500 und 2.600 Euro zur Verfügung stehen. Das sind - im Vergleich zum Hauskauf - zwischen 600 bis 800 Euro mehr. Voraussetzung sind allerdings konstante Mieten. Wenn die Ausgaben klettern, schmilzt der Mehrertrag wie Schnee in der Sonne, und die Geschichte kippt bei einer Dynamik von 2,5 Prozent im Jahr. Das ist ein kritischer Wert, so daß die Empfehlung lauten muß: Wer gut schlafen will, wählt das Eigenheim, wer gut leben will, wohnt weiter zur Miete und gibt das Geld in Maßen aus.
artikel loomann
mathias hellmann (tisilix)
- 19.02.2006, 11:19 Uhr
lohmann
rudi skerhuth (eurorudolf)
- 19.02.2006, 16:17 Uhr
Finanzrechnungen
Alexander Dillenburg (Dillenburg1)
- 20.02.2006, 12:38 Uhr
Zittern - warum?
Norman Argubi (argubi)
- 20.02.2006, 14:56 Uhr
Rieksmeier vs. Skerhut
Andreas Rademacher (Streifenhoernchen)
- 20.02.2006, 16:45 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |