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Die Vermögensfrage Suche nach Alternativen

16.09.2006 ·  Die Talfahrt der privaten Rentenversicherung ist zu Ende. Trotzdem ist das Ansehen dieser Geldanlage beschädigt. Viele werden von Vermittlern mit alternativen Angeboten gelockt. Doch Vorsicht ist geboten: einige davon sind nicht ungefährlich.

Von Volker Looman
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Die Talfahrt der privaten Rentenversicherung ist zu Ende. Nach mehreren Senkungen hat sich die Verzinsung der Policen bei 3,5 bis 4 Prozent je Jahr eingependelt. Trotzdem ist das Ansehen dieser Geldanlage beschädigt. Die meisten Anleger sind so verärgert, daß die Versicherer große Probleme haben, ihre Kunden bei der Stange zu halten.

Nicht wenige Privatleute, die Mitte 60 sind und auf die Auszahlung der Verträge warten, haben das Vertrauen verloren und suchen Alternativen. Sie haben sich gedanklich von der Verrentung des Kapitals bei der Versicherung verabschiedet und prüfen andere Geldanlagen.

Die Hoffnung auf höhere Renditen und mehr Sicherheit ist aber trügerisch. Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten und die Unruhen im Immobiliengeschäft haben überall zu massiven Einbußen geführt, so daß es schwierig geworden ist, jährliche Renditen von mehr als 4 Prozent zu erwirtschaften. Das wird in folgendem Beispiel deutlich.

Nicht den Kopf zerbrechen

Ein Anleger ist 65 Jahre alt. Er hat vor zwölf Jahren eine Erbschaft von etwa 300.000 Euro in eine private Rentenversicherung gesteckt. Damit war die Hoffnung verbunden, für den Ruhestand vorzusorgen. Konkret war dem Mann in Aussicht gestellt worden, nach dem 65. Geburtstag ein lebenslange Rente von 3500 Euro im Monat zu erhalten. Davon ist schon lange nicht mehr die Rede. Nun besteht das Angebot, entweder eine lebenslange Monatsrente von 2600 Euro zu beziehen oder eine Abfindung von 500.000 Euro zu erhalten.

Die Differenz zwischen der „alten“ und der „neuen“ Rente beträgt 26 Prozent, und für den Rückgang sind drei Gründe verantwortlich. Erstens sind die Renditen festverzinslicher Wertpapiere in den letzten Jahren in den Keller gesackt, zweitens haben die Gesellschaften neue Sterbetafeln eingeführt, und drittens bunkern sie zur Zeit wieder Geld, um für künftige Notzeiten vorzusorgen.

Darüber sollte sich der Anleger aber nicht den Kopf zerbrechen. Der Unterschied zwischen den 300.000 Euro und den zugesagten 500.000 Euro hat dem Anleger eine jährliche Verzinsung von 4,35 Prozent beschert. Und das ist kein schlechtes Ergebnis. Das Angebot, bis zum Lebensende monatlich 2600 Euro zu bekommen, sollte nun nicht voreilig ausgeschlagen werden, weil die Rendite von knapp 4 Prozent im Vergleich zu anderen Anlagen gar nicht übel ist.

„Restlaufzeiten“

Die Verzinsung basiert auf der Annahme, daß die Rente voraussichtlich noch 25 Jahre, also bis zum 90. Geburtstag, bezahlt werden muß. Damit ist das Angebot ein Entnahmeplan. Angelegt werden 500.000 Euro. Entnommen werden 2600 Euro im Monat. Danach ist die Kasse leer.

Der Zahlungsplan führt zu einer jährlichen Verzinsung von 3,96 Prozent vor Steuern. Sollte der Anleger 95 Jahre alt werden, würde die Rendite auf 4,86 Prozent steigen. Umgekehrt würde sie auf 2,34 Prozent sinken, falls der Investor nur 85 Jahre alt werden wird. Unerfreulich würde das Geschäft bei „Restlaufzeiten“, die unter 192 Monaten liegen; dann ist die Rendite negativ.

Für Unwägbarkeit belohnt

Für die Unwägbarkeit wird der Anleger steuerlich belohnt. Bei privaten Rentenversicherungen werden nicht die Zinsen, sondern nur Teile der Rente selbst - der Ertragsanteil - zur Besteuerung herangezogen. Das sind im vorliegenden Fall genau 18 Prozent, so daß jährlich 5616 Euro wie Zinsen behandelt werden.

Dies führt bei einem Steuersatz von 30 Prozent zu Abgaben von 1684 Euro, so daß die Monatsrente von 2600 Euro um lediglich 140 Euro geschmälert wird. Die geringe Besteuerung macht sich in der Rendite bemerkbar. Sie beträgt nach Steuern noch 3,43 Prozent, und das ist im Augenblick nicht schlecht.

Über die „Rentenkürzung“ sauer

Der Anleger sieht das anders. Er ist über die „Rentenkürzung“ sauer, und die Rendite reißt ihn nicht vom Hocker. Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, daß er für Alternativen empfänglich ist. Ein Vermittler versucht ihm seit Wochen eine Immobilie in Leipzig schmackhaft zu machen.

Das Objekt stammt aus dem Konkurs einer Fondsgesellschaft und wird zum Preis von 600.000 Euro angeboten. Das Objekt ist gut in Schuß, und die monatliche Miete liegt bei 3500 Euro. Die jährlichen Rücklagen werden mit 5000 Euro angesetzt, und wenn das Objekt in 25 Jahren zum Einstandspreis verkaufbar ist, würde sich die Investition nach Steuern mit 5,83 Prozent verzinsen.

Am Ende der Veranstaltung ...

Das ist im Vergleich zu den „mageren“ 3,43 Prozent der Rentenversicherung erheblich mehr, so daß der Anleger ins Grübeln kommt. Das ist jedoch nicht ungefährlich, weil die Gefahr besteht, daß der Investor vor lauter Bäumen den Wald übersieht.

Die entscheidende Frage lautet: Was will der Anleger? Kommt es auf die Höhe der Rente an? Oder soll am Lebensende auch noch Geld vererbt werden? Bei der Versicherung winken Monatsrenten von je 2600 Euro; dafür ist am Ende der Veranstaltung die Kasse leer. Die Vermietung des Hauses beschert Monatsrenten von nur 2300 Euro; hier winken bei Ladenschluß noch 500.000 Euro.

... ist die Kasse leer

Um die Entscheidung noch etwas schwieriger zu machen, kann der Anleger die halbe Million auch zu drei Vierteln in Anleihen und zu einem Viertel in Aktien stecken. Falls die 375.000 Euro eine jährliche Rendite von 4 Prozent abwerfen und die 125.000 Euro eine jährliche Verzinsung von 8 Prozent bringen, winken dem Anleger monatliche Renten, die bei 2500 Euro beginnen und im Laufe der Zeit auf 2900 Euro steigen. Dafür ist am 90. Geburtstag aber definitiv die Kasse leer. Die Rendite des Geschäftes beträgt 4,12 Prozent und liegt zwischen der Rentenpolice und der Immobilie.

Die höchste Rendite wird erzielt, wenn der Anleger die Immobilie zu 60 Prozent mit Krediten bezahlt. Dann sinkt das Eigenkapital, das in das Haus investiert werden muß, auf 200.000 Euro. Die restlichen 300.000 Euro stehen für andere Anlagen zur Verfügung.

Sollten zum Beispiel 100.000 Euro in Obligationen und 200.000 in Aktien fließen, kommt unter dem Strich, sprich nach Steuern, eine jährliche Gesamtverzinsung von 6,35 Prozent heraus. Dahinter verbergen sich Monatsrenten, die bei 2900 Euro beginnen und in der Folge auf 2700 Euro sinken und das Schlußguthaben in Form der Immobilie.

Die Mentalität des Investors

Die Lösungen sind ein Schulbeispiel für den „Konflikt“ zwischen Rendite, Risiko und Versorgung. Besonders augenfällig ist der Gegensatz bei der zweiten und dritten Lösung. Die Immobilie liefert eine Rendite von 5,83 Prozent und wirft Renten von 2300 Euro ab. Bei dem Anleihen- und Aktiendepot werden 4,12 Prozent erzielt, doch die Bezüge liegen im Schnitt bei 2700 Euro. Für diesen „Widerspruch“ ist allein der Endwert des Vermögens verantwortlich; bei den Wertpapieren ist das Depot leer, bei der Immobilie hat der Anleger noch etwas in der Hand.

Die Entscheidung für die „richtige“ Geldanlage wird von zwei Aspekten abhängen. Einmal geht es um die Frage, ob der Anleger in erster Linie an sich denkt oder ob er auch Erben beglücken möchte. Und zum anderen geht es um die Mentalität des Investors. Falls der Rentner das Kapital um jeden Preis erhalten will, scheidet die Versicherung gleich aus.

Mit Streß verbunden

Das Wertpapierdepot bleibt im Rennen, solange die Entnahmen gekürzt werden. Die Immobilie ist immer dabei. Ist das Kapital verzehrbar, ist die Rentenversicherung allen Unkenrufen zum Trotz erste Wahl, weil sie bequem, langweilig und sicher ist: Der Anleger entrichtet den Einmalbetrag und hofft als Gegenleistung auf hohe Renten.

Die Anleihen und die Aktien bieten zwar höhere Renten, doch sie sind mit gewissem Streß verbunden. Sollten die Aktien einknicken, sinkt auch die Rente. Und wird der Anleger älter als 90 Jahre, kann die finanzielle Lage ungemütlich werden, falls nicht andere Quellen sprudeln. Hier kann eine Reserve von 100.000 Euro im Alter für gewisse Entspannung sorgen. Das schmälert zwar die monatliche Rente um 200 Euro, doch die Mischung ist immer noch besser als die Police, weil sie flexibler und ertragreicher als die Versicherung ist.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

Quelle: F.A.Z., 16.09.2006, Nr. 216 / Seite 23
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